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Naod (5) stapelt bei den Mainspielen bunte Bauklötze.

Frankfurt

„Mainspiele“ in Frankfurt sind eröffnet: Bullenreiten am Fluss

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Die Ferienspielaktion Mainspiele in Frankfurt ist gestartet.

Die siebenjährige Edith mit dem „Superhero“-Shirt lässt sich vom wilden Bullen einfach nicht abwerfen. „Super Edith, woohoo,“ ruft ihr Vater am Samstagnachmittag ihr stolz vom Rand aus zu. Keine Sorge, das ist kein echter Bulle, auf dem Edith reitet. Sondern bloß ein elektronischer - und wenn sie fällt, fällt sie weich auf Luftkissen.

Die „Mainspiele“ sind eröffnet. Bereits seit 1994 veranstaltet der Verein Abenteuerspielplatz Riederwald die Spielaktion für Kinder am Sachsenhäuser Mainufer zwischen dem Eisernen Steg und der Untermainbrücke. Über 30 Betreuerinnen und Betreuer – die Mehrheit im Studenten-Alter - beaufsichtigen die 20 Spielstationen: Vom Sandkasten für Kleinkinder über Wasserspielaktionen, Rollenrutsche hin zum sehr beliebten Bungee-Trampolin.

„Wir sind aus London erst nach Frankfurt gezogen und finden die Aktion super“ sagt Julius Ekard, der Vater von Edith. Unweit des Bullen versucht sich derweil der elfjährige Julian aus Neu-Isenburg stehend beim „Aerotrim“ in die Schwerelosigkeit zu bringen. „Durch den eigenen Schwerpunkt und die Verlagerung des Körpergewichtes kann man sich um die eigene Achse drehen und fühlt sich so fast schwerelos“, erläutert Betreuer Moritz.

Das Gerät, das ursprünglich zum Pilotentraining entwickelt wurde, sei bei den Kindern sehr populär. „Aber man muss mindestens 1,50 Meter groß sein“, so der Betreuer. Julians Mutter sagt: „Die Betreuer sind sehr geduldig und erklären alles ganz genau. Mein Sohn ist normalerweise eher der Typ für den digitalen Spaß und ich war skeptisch, ob er sich hier amüsieren wird. Aber er hat auch analog Spaß. Das finde ich super.“ Und auch Julian hält den Daumen analog nach oben.

Die zweieinhalbjährige Eliza genießt die Fahrt auf der Rollenrutsche.

Während der Aerotrim und der Bulle im Schatten liegen, steht die Riesen-Hüpfburg in der Sonne, die an diesem Wochenende unerträglich knallt. Also bleibt die Hüpfburg ziemlich verwaist. Einige Familien liegen im Schatten und picknicken. Adrian, „bald acht Jahre alt“, malt im Kittel und mit Wasserfarben „das höchste Hochhaus“ in Frankfurt und daneben einen Baum, der fast gleich hoch ist.

Betreuerin Katja Diagne erzählt: „Einmal hat ein Mädchen ein sehr schönes Bild gemalt, auch wenn man nicht wirklich erkennen konnte, was es genau war. Sie vergaß das Bild und eine Frau, die vorbeilief, wollte es uns für viel Geld abkaufen, weil sie es so toll fand.“ Sie schenkten es ihr.

Die Mainspiele am Sachsenhäuser Mainufer zwischen dem Eisernen Steg und der Untermainbrücke haben bis zum 17. Juli täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

Philippa (4) steht derweil aufgeregt am Mainufer. Gleich steigt sie auf das Boot der Kinderhafenpolizei. Das Ausleihen der Schwimmwesten kostet drei Euro. Obwohl viele Aktionen kostenlos sind, gibt es auch welche, für die man etwas bezahlen muss. Schminken kostet zum Beispiel zwei Euro. „Bei den Mädchen sind Schmetterlingsgesichter sehr beliebt. Die Jungs wollen eher Batman oder Spiderman“, sagt Betreuerin Tuana Bicer. Die 18-Jährige hat eben ihren Schulabschluss gemacht und will jetzt etwas Geld fürs Reisen verdienen. Alle zwei Stunden wechselt sie die Station. „Hier im Schatten ist die Hitze erträglich“ sagt sie.

Ebenfalls im Schatten steht Michael Paris, der Vereinsvorsitzende des Abenteuerspielplatz Riederwald. „Vor 25 Jahren kamen vor allem Frankfurter Kinder, mittlerweile reisen auch viele aus der ganzen Region an. Und es gibt viele Touristen, deswegen haben wir auch unsere Banner mittlerweile auf Englisch, Arabisch, Chinesisch und Spanisch.“

Für einen Samstag sei es wohl wegen der Hitze ruhig. „Normalerweise haben wir an den Wochenenden 3000 Besucher täglich.“ 76 500 Euro pro Jahr bekommt der Verein insgesamt als Zuschuss von der Stadt für die Main- und die darauf folgenden Opernspiele. „Wir bräuchten fast das Doppelte. Allein 2500 Euro pro Tag zahlen wir für unsere 30 Betreuer, die hier zehn Stunden arbeiten. Und die Arbeit hier ist kein Kinderspiel.“

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