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„Die Arbeiten auf der Wilhelmshöher liegen hinter dem Zeitplan“

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Von: Fabian Böker

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Werner Skrypalle beobachtet den Baufortschritt auf der Wilhelmshöher Straße.
Werner Skrypalle beobachtet den Baufortschritt auf der Wilhelmshöher Straße. © Peter Jülich

Ortsvorsteher Werner Skrypalle (SPD) spricht über große Bauprojekte im Frankfurter Osten, zum Beispiel die Sanierung der Wihelmshöher Straße, über den geplanten Verkauf des Industrieparks Fechenheim und die Situation rund um den Riederwaldtunnel, kurz vor der Räumung.

In einer Serie blicken wir zurück auf das Jahr 2022 in den 16 Ortsbeiräten. Was waren die wichtigsten Themen, die den Ortsbezirk bewegt und beschäftigt haben? Welche Erfolge oder Niederlagen gab es für das Stadtteilparlament? Wie geht es in diesem Jahr weiter? Heute der Ortsbeirat 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach).

Herr Skrypalle, das wohl größte und emotionalste Thema in Ihrem Ortsbezirk dürfte der Bau des Riederwaldtunnels sein. Das Kernstück des Lückenschlusses zwischen A 66 und A 661 soll bis 2031 gebaut werden, rund 600 Millionen Euro kosten und unter anderem die Verkehrsdichte im Riederwald reduzieren. Aber viele Menschen lehnen ihn ab. Wie ist die Position des Ortsbeirats?

Bisher hat der Ortsbeirat keinen Beschluss zum endgültigen Aus des Riederwaldtunnels gefasst. Allerdings wurde ein Moratorium von Rodungsarbeiten im Ortsbezirk angeregt, bis die endgültige Inbetriebnahme des entsprechenden Autobahnabschnitts rechtlich gesichert ist. Der Schwerpunkt des Ortsbeirats lag bisher auf Lärm- und Umweltschutzauflagen während des Baus sowie nach Eröffnung des Tunnels.

Können Sie als Gremium oder auch persönlich als Vermittler auftreten?

Nein, ich denke, damit wären der Ortsbeirat und ich überfordert.

Auch der Fechenheimer Wald ist vom Bau des Tunnels betroffen. Eine große Fläche soll gerodet werden, um eine Baustraße für den Ausbau der A 66 entstehen zu lassen. Aktivisten und Aktivistinnen, die den Wald besetzen, protestieren. Der Wald soll jetzt geräumt werden. Was erwarten Sie von den kommenden Wochen?

Zunächst einmal hoffe ich, dass alles gewaltfrei bleibt. Eine wirkliche Bewertung der Lage maße ich mir nicht an, da setze ich auf den Termin am 9. Januar, wenn auf Einladung der Polizei Autobahn-GmbH, Ausbaugegner und Politik zusammentreffen.

Haben Sie Verständnis für den Protest?

Ich habe für beide Seiten Verständis. Ich verstehe, dass für den Erhalt des Waldes demonstriert wird. Allerdings muss auch gültiges Baurecht berücksichtigt werden.

Der Industriepark Fechenheim soll nun verkauft werden. Was erhoffen Sie sich als Ergebnis?

Ich hoffe, dass die Allessa dort bleiben kann und die Industriearbeitsplätze erhalten bleiben oder sogar ausgebaut werden können. Rechenzentren auf diesem Gelände lehnt der Ortsbeirat ab.

Rechenzentren sind das große Thema in Seckbach. Gibt es schon zu viele davon?

Ja, es gibt in unserem Ortsbezirk genügend Rechenzentren; weitere brauchen wir nicht. Sie sollten nicht in der Nähe von Wohnsiedlungen stehen, wegen der Abwärme und des Lärms durch Notstromaggregate. Sie sollten auch nicht andere Gewerbe- und Industriearbeitsplätze verdrängen.

Wie nehmen Sie die Stimmung dazu in der Öffentlichkeit wahr?

Menschen, die direkt in der näheren Umgebung wohnen, lehnen die Rechenzentren ab, anderen ist es offenbar egal. Rechenzentren werden selbstverständlich benötigt, Stichwort Digitalisierung, allerdings unter Vermeidung der erwähnten Nachteile.

Zur Person

Werner Skrypalle (SPD) ist Rentner und seit 2011 Ortsvorsteher im Ortsbeirat 11. Dem Gremium gehört er seit 2001 an.

Der Ortsbeirat 11 ist für die Stadtteile Riederwald, Seckbach und Fechenheim zuständig. Dort leben 32 738 Menschen (Stand: 30. Juni 2022). Die stärksten Fraktionen sind die Grünen und die SPD mit je fünf Mandaten, gefolgt von der CDU mit vier. Drei Sitze hat die Linke, je einen haben die BFF und die FDP.

Die erste Sitzung des Ortsbeirats 11 in diesem Jahr ist für Montag, 16. Januar, um 19.30 Uhr im Saal des Heimat- und Geschichtsvereins Fechenheim, Burglehen 7, vorgesehen. bö

Seit mehr als einem Jahr wird die Wilhelmshöher Straße in Seckbach saniert. Liegen die Arbeiten im Zeitplan? Welchen Einschränkungen sind die Anlieger und Anliegerinnen ausgesetzt?

Meines Wissens liegen die Arbeiten etwa zehn bis zwölf Wochen hinter dem Zeitplan zurück. Die Erreichbarkeit mit dem Auto und auch die Parkmöglichkeiten sind zeitweise eingeschränkt – allerdings weniger gravierend, als im Vorhinein befürchtet. Die fußläufige Erreichbarkeit der Wohnungen war jederzeit gegeben.

Viel diskutiert wurde der Standort der Europäischen Schule. Sie könnte auf den Festplatz ziehen und die dortigen Kleingärten verdrängen. Die Parzellen werden von einem Riederwälder Verein betrieben. Welche Chancen zum Erhalt sehen Sie?

Nach dem aktuellen Stand sieht es nicht gut aus um den kompletten Erhalt der Kleingärten. Der Ortsbeirat wird sich aber auch weiterhin für den Erhalt sämtlicher Kleingärten einsetzen.

Lang und kontrovers wurde über das Tierheim Fechenheim diskutiert. Der Ortsbeirat wollte bis zu 23 000 Euro für die Sanierung geben, sah aber auch die Stadt in der Pflicht. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss dann, die Einrichtung mit 100 000 Euro zu bezuschussen. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Kurz und knapp: Ja, das ist ein gutes Ergebnis.

Gesprochen wurde auch über die Parkplätze vor dem Alten Rathaus Fechenheim. Die werden vor allem von der Polizei genutzt. Der Ortsbeirat wünscht, einen Teil der Stellflächen für die Öffentlichkeit vorzuhalten. Was ist daraus geworden?

Es hat geklappt: Ein Teil der Parkplätze wurde der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Wie wichtig war es für den Ortsbeirat und seine Arbeit, dass es wieder möglich wurde, im Ortsbezirk zu tagen und nicht weiterhin nach Bergen-Enkheim ausweichen zu müssen?

Ich denke, es ist wichtig, dass wir wieder direkt vor Ort in unseren Stadtteilen tagen können. Die interessierten Bürger und Bürgerinnen haben dadurch kürzere Wege zur Ortsbeiratssitzung.

Lange war unklar, ob es im Stadtteil Riederwald eine Weihnachtsbeleuchtung geben wird. Nun gab es sie – im Gegensatz zu Seckbach – doch, der Vereinsring kümmerte sich erneut darum. Eine gute Entscheidung?

Ich finde es toll, dass der Vereinsring Riederwald die Weihnachtsbeleuchtung im Stadtteil wieder möglich macht. Ich finde es unmöglich, dass die SRM als Tochter der Mainova aus fadenscheinigen Gründen die Montage nur noch selbst durchführen will. Die Kosten werden unnötig in die Höhe getrieben und die ehrenamtlich Engagierten werden vor den Kopf gestoßen.

Welche Themen werden den Ortsbeirat in diesem Jahr besonders beschäftigen?

Ich sehe keine neuen Themen. Die bisherigen werden auch das neue Jahr dominieren: Riederwaldtunnel, Einhausung der A 661, Rechenzentren, Umbau des Heinrich-Kraft-Parks, Sanierung der Wilhelmshöher Straße, Verkehrskonzept für den Lohrberg, Sanierung der Schul-Sporthallen, Neubau der Europäischen Schule.

Interview: Fabian Böker

Der Industriepark Fechenheim wird verkauft. Nun muss geklärt werden, wie es mit der Allessa weitergeht.
Der Industriepark Fechenheim wird verkauft. Nun muss geklärt werden, wie es mit der Allessa weitergeht. © Michael Schick
Der Fechenheimer Wald soll kommende Woche geräumt werden. Werner Skrypalle hat Verständnis für beide Seiten.
Der Fechenheimer Wald soll kommende Woche geräumt werden. Werner Skrypalle hat Verständnis für beide Seiten. © Christoph Boeckheler
Gegen die Rechenzentren, vor allem in Seckbach (hier in der Gelastraße, Ecke Friesstraße), hat sich auch schon eine Bürgerinitiative gegründet.
Gegen die Rechenzentren, vor allem in Seckbach (hier in der Gelastraße, Ecke Friesstraße), hat sich auch schon eine Bürgerinitiative gegründet. © Monika Müller

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