Podiumsdiskussion im Riederwald

Bewohner wollen Demokratie aktiv gestalten

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Bei einer Konferenz der Anne-Frank-Bildungsstätte und des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten im Frankfurter Riederwald fordern die Besucher mehr Mitbestimmung.

Worüber sich bei der Demokratiekonferenz wohl alle einig geworden sind, ist eins: Die Riederwälder sind nicht der Typ für Podiumsdiskussionen. Sie wollen die Dinge angehen.

Mit dem Titel „Demokratisches Handeln beginnt im Stadtteil! Was brauchen wir dafür?“ haben die Bildungsstätte Anne Frank und das Amt für multikulturelle Angelegenheiten am Mittwochabend in die evangelische Kirchengemeinde eingeladen. Die Konferenzen finden zweimal jährlich jeweils in einem anderen Stadtteil statt. Das Thema schien einen Nerv zu treffen – der Raum war so voll, dass nicht für jeden ein Sitzplatz blieb.

Als erster Diskutant stellte Humangeograf Daniel Mullis vom Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung seine in diesem Jahr veröffentlichte Studie zum Rechtsruck in Nied und Riederwald vor, die auf das verhältnismäßig hohe Abschneiden der AfD bei den Bundestagswahlen 2017 zurückgeht. Er führt das Ergebnis aber weniger auf Fremdenfeindlichkeit als auf strukturelle Probleme zurück. „Hier herrscht ein großes Gefühl des Abgehängtseins.“

Als Beispiele führte er die Schließung der Sparkasse oder das Fehlen von weiterführenden Schulen an. Zudem seien Wohnungen teuer und oft in einem miserablen Zustand. „Was die Bürger aber wirklich frustriert, ist, dass das Engagement der aktiven Stadtgesellschaft überhaupt nicht wertgeschätzt wird.“ Die Bewohner würden seit Jahren versuchen mitzubestimmen, aber ihre Ideen an keiner Stelle Ernst genommen.

Projekte aus anderen Frankfurter Stadtteilen vorgestellt

Mit „Refugees Welcome: Frankfurt zeigt Herz“ und „DaMigra“ wurden im Anschluss Projekte aus anderen Stadtteilen vorgestellt, in denen Bürger selbst Probleme angehen, um das Zusammenleben zu verbessern. Doch auch im Riederwald wurden den vergangenen Jahren viele Initiativen gegründet. „Gemeinsames Kochen, das Erzählcafé, Tauschbörsen, Deutschkurse und das Nachbarschaftsfrühstück“, zählte Quartiersmanager Sebastian Wolff nur einige Projekte auf. Die gute Vernetzung gebe es erst, seit das Quartiersmanagement ins Leben gerufen wurde, lobte das Publikum.

Trotzdem machte sich im Publikum Unruhe breit. Viele Besucher vermissten die Informationen, die sie wirklich weiterbringen, um Frustration abzubauen und die Lücke zu den AfD-Wählern zu schließen. Sebastian Wolff zeigte Verständnis. „Ich kenne meine Riederwälder. Die würden gerne mehr selbst mitreden. Oft werden sie zu vermeintlichen Bürgerbeteiligungen eingeladen“, erzählt er. „Dort können sie sich zwar äußern, aber eigentlich findet nur eine Simulation von Demokratie statt.“

„Die Veranstaltung war anfangs nicht als Reihe geplant. Wir vom Quartiersmanagement sind aber dennoch offen, eine Diskussionen zu anderer Zeit weiterzuführen“, sagt Sebstian Wolff. Von der Bildungsstätte Anne Frank kam ein ähnliches Signal. Auch der Demokratie-Stammtisch könnte eine neue Anlaufstelle werden. Er wurde nach den Bundestagswahlen vom Quartiersmanagement initiiert. „Bisher fand er einmal im Monat geschlossen statt“, sagt Sebastian Wolff auf Nachfrage der FR. „Hier ist der Plan, diesen im kommenden Jahr zu öffnen.“ Ein Termin für Januar steht noch nicht fest.

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