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Das 11-köpfige Studierendenteam samt beteiligten Lehrkräften und dem Prototypen des Experiments.
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Das 11-köpfige Studierendenteam samt beteiligten Lehrkräften und dem Prototypen des Experiments.

Forschung in Frankfurt

Vom Riedberg ins Weltall

  • Marie-Sophie Adeoso
    VonMarie-Sophie Adeoso
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Studierende der Goethe-Universität haben einen Wettbewerb gewonnen: Ihr Experiment zur Planetenentstehung darf mit Astronaut Alexander Gerst auf die ISS fliegen.

So nah waren Frankfurter Studierende dem Weltall wohl noch nie: Im kommenden Jahr fliegt ein Experiment der Goethe-Universität auf die internationale Raumstation ISS. Als eines von bundesweit drei studentischen Projekten setzte sich das Vorhaben der elfköpfigen Frankfurter Forschungsgruppe jüngst beim Wettbewerb „Überflieger“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt durch und darf 2018 einige Tage lang mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst um die Erde kreisen.

Um nicht weniger als um die Entstehung der Welt und des gesamten Planetensystems geht es den Studierenden der Physik und Geowissenschaften dabei. „Um die Bausteine für alle Planeten“, sagt Robin Nowok. „Die ersten Legosteinchen quasi“, ergänzt Susanne Rempt. „Die haben riesige Auswirkungen auf das Verständnis der Welt“, schwärmt Yannik Schaper.

Auf dem Schreibtisch der Arbeitsgruppe auf dem Campus Riedberg liegt eine kleine schwarze Meteoritenscheibe, „Die ist rund 4,56 Milliarden Jahre alt“, sagt der 24-jährige Nowok. Helle Pünktchen sind auf der glatten Oberfläche erkennbar, sogenannte Chondren. Sie hätten sich in dieser frühen Phase des Sonnensystems gebildet, als sich in einem bislang ungeklärten Prozess die Staubkörner im Solaren Nebel auf mehrere Tausend Grad aufheizten und dann zu Tröpfchen, den Chondren, erstarrten. Neue Erkenntnisse darüber, wie diese entstanden sein könnten, erhofft sich die von Promotionsstudentin Tamara Koch geleitete Gruppe dadurch, dass sie Staubkörnchen in der Schwerelosigkeit des Alls kollidieren lässt und mit Blitzen beschießt, erläutert die 26-Jährige.

Mit dem 3-D-Drucker haben die Studierenden einen Prototypen jener 10 mal 15 Zentimeter großen Kiste erstellt, die später mit einem USB-Stick an ein Regal auf der ISS angedockt werden soll. Ein winziger Computer im Inneren der Kiste setzt das Experiment in Gang, sobald Astronaut Gerst sie an die Stromversorgung angeschlossen hat, sagt Student Nowok.

Das auf dem Rechner ablaufende Programm sorge dann dafür, dass in einer winzigen gläsernen Probenkammer, die die Studierenden sich von einem Neonröhren-Hersteller anfertigen lassen werden, Blitze auf die Staubpartikel abgefeuert werden. Eine kleine Kamera zeichnet diesen Prozess auf und schickt die Daten regelmäßig an die Studiengruppe – die darauf hofft, dass die Kiste am Ende für weitere Untersuchungen auch zu ihnen zurückkommt.

Dieses Experiment unter realistischen Bedingungen vorzunehmen, sei nur in der Schwerelosigkeit des Weltalls möglich, führt Miles Lindner, einer der Studenten, aus. Die lediglich sekundenkurze Zeit der Schwerelosigkeit in Falltürmen auf der Erde reiche nicht aus, ergänzt Susanne Rempt. Hingegen kann das Experiment an Bord der ISS mindestens fünf Tage, vielleicht auch länger, ablaufen.

In den nächsten Monaten kommt auf die Gruppe, die sich auf Anregung ihres Professors Frank Brenker zusammengefunden hatte, noch viel Arbeit zu. Es gelte, Bauteile anzufertigen oder zu kaufen, das Computerprogramm zu schreiben und organisatorische Fragen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt abzuklären, sagt Tamara Koch. Vor allem aber müsse die Gruppe viele Vorversuche vornehmen, damit das Experiment im Weltraum auch autonom wie gewünscht ablaufe und kein Sicherheitsrisiko für Astronaut Gerst darstelle. „Da wird vorher jede Schraube überprüft“, sagt Schaper.

Dass sie ihr Experiment an einem gewissen Punkt aus der Hand geben müssen und nur noch aus der Ferne verfolgen können, betrübt die jungen Forscherinnen und Forscher kaum. Nicht der Traum, selbst ins All zu fliegen, sondern die Hoffnung, Anworten auf Fragen wahrer Grundlagenforschung zu finden, treibe sie an, sagen sie unisono. Oder, wie Rempt betont: „Was für Biologen die Ursuppe ist, ist für uns das Weltall.“

Mehr Infos zum Experiment „EXCISS“ gibt es auf der Facebookseite der Gruppe unter www.facebook.com/GoetheUniExciss/

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