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Die Ortsvorsteherin vor den Containern am Alten Gerichtsplatz. Sie dienen der Grundschule Riedberg als Erweiterung.

Riedberg

Riedberg: „Die U-Bahn ist absolut notwendig“

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Ortsvorsteherin Carolin Friedrich (CDU) spricht im FR-Interview über Betreuung, Nahverkehr und Angebote für Jugendliche.

Carolin Friedrich sitzt seit 2011 für die CDU-Fraktion im Ortsbeirat 12. Vorsteherin ist die 51-Jährige, die als Verwaltungsangestellte an der Goethe-Universität arbeitet, seit 2012.

Die Nachricht, dass die Kita Sonnenwind bestehen bleibt, hat auf dem Riedberg vor wenigen Wochen für ein Aufatmen gesorgt. Dennoch ist die Betreuungssituation im Stadtteil angespannt, eine weitere Kita soll her. Bis wann möchte der Ortsbeirat dieses Projekt verwirklicht haben?
Wir müssen schon noch zwei bis drei Jahre Geduld haben, bis die Kita Sonnenwind umziehen kann – und dann auch eine Gruppe mehr haben wird. Aber wir brauchen einen Standort für eine weitere Kita. Da müssen wir weitersuchen und vielleicht auch Grundstücke erschließen, die derzeit dafür nicht vorgesehen sind. Denn der Riedberg ist langsam aber sicher vollständig bebaut. Darüber hinaus freut es mich, dass die Kita am Kalbacher Stadtpfad erhalten bleibt, denn auch in Kalbach war die Betreuungssituation angespannt.

Dieses Jahr hat die dritte Riedberger Grundschule ihren Betrieb aufgenommen. Trotzdem gibt es auf dem Riedberg sowie in Kalbach nach wie vor einen Engpass, oder?
Es wünschen sich einfach mehr Eltern als noch vor zehn oder zwanzig Jahren einen Hortplatz. Das bringt Engpässe, die Schulen sind ja nicht dafür ausgelegt worden. Das merkt man in Kalbach, wo die alten Container reaktiviert wurden, um dorthin ausweichen zu können. Früher war das eine zweizügige Schule, die alle paar Jahre einen dritten Zug hatte. Das bedeutete Einschnitte für die schulische Betreuung am Nachmittag. Sollte die Grundschule jetzt jedes Jahr dreizügig werden, wird es enger, da fallen dann Musik- oder Kunsträume weg, um genug Klassenzimmer zu haben. Diese Entwicklung müssen wir im Blick behalten.

Sorgt die IGS im Frankfurter Norden, die jetzt zunächst in Bockenheim eröffnet hat und dann nach Bonames umziehen soll, für Entlastung?
Ich kann nicht sagen, inwieweit sie aus unserem Ortsgebiet angewählt wird. Schließlich haben wir ja die stark nachgefragte IGS Kalbach-Riedberg, die sich momentan noch in einem Provisorium befindet, und das Gymnasium Riedberg. Klar ist, wir brauchen perspektivisch auch für die Kinder weiterführende Schulen, die jetzt gerade in den Kindergarten oder die Grundschule kommen.

Der Ortsbeirat 12 ist für die Stadtteile Kalbach und Riedberg zuständig, in denen zusammen etwa 21 400 Menschen leben. Die CDU stellt mit sieben Sitzen die stärkste Fraktion des Stadtteilgremiums, gefolgt von SPD und Grünen mit jeweils vier Mandaten. Die FDP hat zwei Sitze, Linke und BFF jeweils einen.

Die nächste Sitzung ist angesetzt für Freitag, 17. Januar, um 20 Uhr im Saal der Katholischen Kirche St. Edith Stein, Zur Kalbacher Höhe 56. jtw

In diesem Jahr wurde die Alte Turnhalle in Kalbach nach der Sanierung wiedereröffnet. Wie sieht die Zukunft des beliebten Versammlungsraums aus?
Es gibt die Idee eines Funktionsgebäudes mit der Kita am Kalbacher Stadtpfad. Das Gelände dort ist recht groß. Zunächst ist allerdings geplant, dass der Betrieb in der Alten Turnhalle unter der Führung des Riedberger SV läuft. Der betreibt dort eine ganze Menge Angebote. Außerdem hatten wir die Oldies Night und die Kinderbuchmesse in der Halle. Kalbach braucht auf jeden Fall weiterhin einen Versammlungsraum für Vereinsangebote. Erstmal bleibt die Alte Turnhalle erhalten – hoffentlich so lange, bis sich weitere Lösungen abzeichnen.

Immer wieder monieren die Bewohner des Riedbergs, dass es zwar viele Angebote für Kinder gebe, aber kaum welche für Jugendliche. Der Ortsbeirat setzt sich inzwischen für einen Pavillon und eine Skater-Anlage ein. Wie geht es mit diesen beiden Projekten 2020 weiter?
Den Pavillon haben wir mehrmals gefordert, jedoch immer eine Absage bekommen. Zwar ist ein Pavillon noch nicht die Lösung dafür, dass Jugendliche bessere Rückzugsorte auf dem Riedberg finden. Aber die Kinder werden älter und haben als Jugendliche andere Bedürfnisse. Damit muss der Riedberg auch erstmal umzugehen lernen. Wir hätten gerne einen Pavillon für Jugendliche, aber aufgrund der Landschaftsschutzgebiete haben wir nur begrenzte räumliche Möglichkeiten. Das gilt auch für eine Skater-Anlage: Die kann ich mir sehr gut vorstellen, wenn wir einen Platz dafür finden. Aber zunächst muss Geld in den Haushalt eingestellt werden, das es derzeit nicht gibt. Ich denke aber, der Anfang ist getan und die Willensbekundung ist da – die Jugendlichen haben sehr deutlich gemacht, wie wichtig ihnen das ist.

Auch ein zweiter Sportplatz soll auf dem Riedberg entstehen, östlich der Altenhöferallee, gegenüber der bereits vorhandenen Sportanlage. Gehen die Bauarbeiten im kommenden Jahr los?
Auch hier gilt: Es muss erst Geld bewilligt werden. Anders als zunächst geplant soll noch eine Sporthalle auf dem Gelände gebaut werden. Es war keine Option, jetzt schon mit dem Bau des Sportplatzes anzufangen und dann die Halle zu bauen. Denn für Sportbetrieb und Hallenbau gleichzeitig ist das Gelände zu eng. Deswegen haben wir als Ortsbeirat letztendlich zugestimmt, auch wenn es zu Verzögerungen kommt und den ein oder anderen Sportverein schmerzt. Auch Sporthallen werden auf dem Riedberg gebraucht.

Ein anderes wichtiges Thema ist die Anbindung an den Nahverkehr. In Kalbach und am Riedberg verkehrt eine U-Bahn-Linie, die U9 verbindet beide Ortsteile miteinander. Zudem gibt es mehrere Buslinien. In die Innenstadt braucht man dennoch recht lange. Welche Verbesserungen im ÖPNV wünschen Sie sich?
Ein großes Ärgernis ist, dass die U9 bei Personalengpässen gerne gestrichen wird – die ist absolut notwendig. Und wir befürworten den Anschluss des Uni-Campus Riedberg an den Campus Westend (im Zuge des U4-Ausbaus, Anm. d. Red.), damit die Wege zwischen den Standorten kürzer werden. Positiv ist, dass die U-Bahnen inzwischen eigentlich gut getaktet sind und am Wochenende nachts verkehren. Außerdem hat man verstanden, dass wir längere Züge brauchen, gerade wenn Schüler und Studierende auf den Riedberg kommen. Wir müssen außerdem schauen, dass die Buslinien noch besser ausgebaut werden. Bei Witterungsschutz und Sitzgelegenheiten an Bushaltestellen werden wir leider immer wieder vertröstet. Aber mit einem Aktionsplan soll da jetzt wohl nachgerüstet werden.

Der Ortsbeirat setzt sich für ein besseres Mikroklima ein, etwa durch die Dachbegrünung von Haltestellen. Ein Dauerbrenner ist die Entsiegelung des Riedbergplatzes, für die sich Anwohner und Ortsbeirat stark machen. Wie stellen Sie sich eine Neugestaltung des zentralen Areals vor?
Die Betonmauern sind von Anfang an auf wenig Gegenliebe gestoßen. Die Riedberger wünschen sich mehr Grün auf dem Platz. Es wurden schon neue Bäume gepflanzt, die allerdings noch recht jung sind, aber besser mit Trockenperioden zurechtkommen als die Vorgänger. Da unter dem Platz Versorgungsleitungen liegen und er für den Wochenmarkt genutzt wird, kann man ihn nicht so frei bepflanzen. Doch ich glaube, alle sind sich einig, dass man diese Betonmauern durch eine Alternative ersetzen könnte.

Um welche Themen will sich der Ortsbeirat 2020 vorrangig kümmern?
Wir müssen schauen, dass wir in der Kalbacher Talstraße endlich mal eine ordentliche Straßendecke bekommen. Die Planungsmittel dafür haben wir. Dann wird uns weiterhin der Radverkehr und die Radwege-Anbindung nach Frankfurt oder ins Umland beschäftigen. Ein anderes Thema ist die Entwicklung der Schulstandorte und Kitas sowie der Umzug der IGS. Für Kalbach wird natürlich die Alte Turnhalle oder eine Alternative ein Thema sein. Dann haben wir noch die Skater- und die Sportanlage. Ich denke, auch U-Bahn und ÖPNV werden an Interesse gewinnen – zusätzlich zu dem, was dann von den Bürgern noch kommt und sich aus dem Jahreslauf ergibt. Also die Themen gehen uns garantiert nicht aus.

Interview: Jonas Wagner

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