Auslese

Mittlere bis Spitzenmengen bei der Apfelernte

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Dass die Apfelernte im dritten Dürrejahr in Folge nicht eingebrochen ist, sei den älteren Bäumen zu verdanken. Doch schon jetzt ist klar: Mit dem Klimawandel werden Sorten aussterben.

Trotz Trockenheit gab es eine erstaunlich hohe Auslese“, sagt Anika Hensel, Dozentin im Streuobstzentrum Main-Äppel-Haus (MÄH) auf dem Lohrberg. Von der Menge her war 2020 hingegen ein „mittleres Jahr“. Dass es im dritten Dürrejahr in Folge nicht weniger geworden seien, sei dem großen Bestand an Altbäumen zu verdanken, deren Wurzeln reichten tiefer in den Boden. Auf Wiesen zwischen Bergen und Bischofsheim, Hessen größter Streuobstfläche, gab es hingegen eine „Spitzenernte“, sagt MÄH-Vorsitzender Gerhard Weinrich. 50 Tonnen konnte allein das MÄH auf seien Flächen auflesen. Aber: „Die Äpfel fallen früher vom Baum, und ergeben weniger Saft.“ In der geschmacklichen Qualität zeige sich jedoch keine Einbuße.

Keltern in der Region

Eine Recherche des Regionalverbands Frankfurt-Rhein-Main vor zwei Jahren hat ergeben, dass es im Rhein-Main-Gebiet 60 Keltereien und 20 Brennereien gibt. Dazu kommen noch kleinere Keltereien ohne Publikumsverkehr sowie Obst- und Gartenbauvereine, die keltern. Aktuell werde die Liste der Betriebe aktualisiert, so Bastian Sauer, regionaler Streuobstbeauftragter.

Main-Äppel-Haus ist Streuobstzentrum, Weiterbildungsstätte und betreibt einen Hofladen samt Gaststätte auf dem Lohrberg in Frankfurt-Seckbach. Es verfügt über 17 Hektar Streuobstwiesen und kooperiert bei der Pflege der rund 300 Hektar Wiesen zwischen Frankfurt-Bergen und Maintal-Bischofsheim mit dem Landschaftspflegeverband. Weitere Infos und Keltertermine im Internet unter mainaeppelhauslohrberg.de

Im Taunus in Oberursel ist die Kelterei Steden in der Altstadt, Wiederholtstraße 7, die älteste und größte Lohnkelterei. Sie ist über Telefon 06171 /570 13 oder www.kelterei-steden.de zu erreichen; die „Apfelweinagentur“ Oberursel, Organisator der Hessischen Apfelweinmeisterschaft, über www.apfelweinagentur.de oder Telefon 0172 / 898 414 6. Alles über die Interessengemeinschaft der Apfelfreunde im Bad Homburger Stadtteil Kirdorf unter www.kirdorfer-feld.de

Der Regionalverband unterstützt 75 Kommunen beim Erhalt ihrer Streuobstwiesen. In einer Streuobstwiesen-Börse können Grundstücke zur Pflege mit Ernterecht nachgefragt und angeboten werden. Mehr über Streuobstwiesen, Apfelkultur, Keltereien und Brennereien auf der Homepage www.streuobst-frm.de (ann/sun)

Grund sich zufrieden zu geben, besteht dennoch nicht. „Die Situation ist durch den Klimawandel dramatisch“, sagt Hensel. Längere und heißere Sommer sowie regenarmen Jahre werden vermutlich Sorten verschwinden lassen. Mit der Hochschule Geisenheim wolle das MÄH prüfen, welche Sorten in zehn Jahren noch eine Zukunft hätten, sagt Weinrich. Es werden genügsame Vertreter sein, etwa der wegen seiner Säuerlichkeit als Essapfel wenig beliebte Boskoop.

Künftige Apfelbäume müssen dem Klima standhalten und ebenso die seit jüngstem vermehrt auftretenden schädlichen Sekundärerscheinungen wie Rindenruß oder die Apfelgespinstmotte, die den ganzen Baum einweben kann. Und es müssen Hochstämmige mit viel Laub sein. „Wir sehen seit vier, fünf Jahren das Phänomen, dass bei den leicht zu erntenden Buschbäumen die Früchte einen Sonnenbrand bekommen“, sagt Weinrich.

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