+
Skyline von Frankfurt am Main.

Reaktionen

Rhein-Main-Gebiet: Mehr bezahlbare Wohnungen

  • schließen
  • Christoph Manus
    Christoph Manus
    schließen

Nassauische Heimstätte will wachsen. Mietendeckel stößt auf geteiltes Echo.

Wer in einer Immobilie der Nassauischen Heimstätte / Wohnstadt (NHW) lebt, muss sich derzeit nicht sorgen: In den nächsten fünf Jahren wird die Miete um maximal ein Prozent pro Jahr steigen. Jetzt hat auch die Deutsche Wohnen angekündigt, den möglichen Spielraum für Mieterhöhungen künftig nicht auszunutzen. Das durch die Enteignungsdebatte stark unter Druck geratene Unternehmen verspricht, die Mieten nach Modernisierungen nicht zu erhöhen, wenn die Jahresbruttowarmmiete für die Wohnungen dann auf mehr als 30 Prozent des jährlichen Nettoeinkommens der Mieter stiege.

Der Frankfurter Wohnungsdezernent Mike Josef (SPD) nennt das einen Schritt in die richtige Richtung. Auch der Geschäftsführer des DMB-Mieterschutzvereins, Rolf Janßen, sieht zumindest ein positives Signal. Der Deutsche Wohnen gehören im Rhein-Main-Gebiet 9750 Wohnungen, davon 4100 in Frankfurt.

Kritik von der FDP

Nach einer langen Zeit der Konsolidierung sei die Nassauische Heimstätte wieder auf Wachstumskurs, sagte Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), der an der Spitze des Aufsichtsrats des landeseigenen Unternehmens sitzt, am Montag in Wiesbaden. Ziel sei, den Wohnungsbestand von derzeit 60 000 auf 75 000 wachsen zu lassen; einen Zeithorizont gebe es nicht. Das geschehe, ohne den erhitzen Markt weiter anzufachen: „Kein anderer Anbieter vermietet so günstig und hält die Mieten für Normalverdiener derart stabil“, sagte Al-Wazir. Eine wichtige Rolle werde das Unternehmen auch bei dem „ Großen Frankfurter Bogen“ spielen, seiner Vision eines Baubooms im Umkreis von einer halben Zugfahrtstunde rund um den Frankfurter Hauptbahnhof. Die NHW berät auch Kommunen bei der Entwicklung von Flächen.

Neubau, Instandhaltung, Zukäufe: Das sind die drei Säulen der Unternehmenspolitik. Bis 2023 sollen alle aus der Sozialbindung fallenden Wohnungen zu den gleichem Konditionen wie bisher vermietet werden. Bis Ende vergangenen Jahres sei der Bestand um 5000 Einheiten gewachsen, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Thomas Hain. In Kelsterbach etwa gebe es 270 neue Wohnungen, ein Drittel davon geförderte, 330 in Kassel. Bei der Lincoln-Siedlung in Darmstadt liege die Quote sogar bei 47 Prozent. Am Kaiserleikreisel in Offenbach habe das Unternehmen nicht selbst gebaut, sondern die mehr als 200 Wohnungen schlüsselfertig erworben. Soziale Projekte für Senioren oder andere Hilfebedürftige gehörten auch dazu. „Wir bauen für alle Zielgruppen, insbesondere Familien“, ergänzte Geschäftsführerin Monika Fontaine-Kretschmer. In Wiesbaden sei jetzt das erste Wohnheim für Studenten entstanden.

Lesen Sie auch: Alter Flugplatz Bonames erzählt ergreifend die Geschichte einer kurdischen Familie

Kritik übte der wohnungsbaupolitische Sprecher der FDP im Landtag, Jürgen Lender: Die Sanierung der Wohnungen sei mit einer Quote von 1,4 Prozent zu niedrig. „Mit dem unternehmensspezifischen Mietendeckel, den die Landesregierung der NHW auferlegt hat, schwächt sie das Unternehmen, das sich am Markt behaupten muss, und dämpft weitere Investitionen ab.“ Lob gab es hingegen von der wohnungsbaupolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Elke Barth. Die Bilanz der Nassauischen Heimstätte sei erfreulich, der Jahresüberschuss „beruhigend und erfreulich“. Dies zeige, dass das Unternehmen seine Anstrengungen im Segment der bezahlbaren Wohnungen noch steigern könne. Und der angekündigte Wachstumskurs beweise, „dass ein Mietendeckel kein Todesstoß für die betroffenen Unternehmen ist“. Jan Schalauske von der Linken nannte die angekündigten 15 000 neuen Wohnungen einen „Tropfen auf den heißen Stein“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare