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Ein Falschparker auf dem Fahrradstreifen.

Untersuchung

Rhein-Main-Gebiet: Den Lieferverkehr in Städten effizienter machen

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Forscher aus Frankfurt liefern Ideen, um den Wirtschaftsverkehr in Städten zu optimieren. Sie empfehlen Mikrodepots, Lieferinseln und Änderungen beim Handwerkerparkausweis.

Jeden Tag kommen die Lieferwagen von DHL, UPS und Co. in die Stadt, um Pakete auszuliefern. Wenn es keinen freien Parkplatz gibt, parken sie in zweiter Reihe, auf Radwegen, Bürgersteigen und Fahrstreifen, meist zum Ärger der anderen Verkehrsteilnehmer.

Die University of Applied Sciences in Frankfurt hat den Wirtschaftsverkehr in Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt und Seligenstadt untersucht und einen Katalog mit Handlungsempfehlungen entwickelt, um die Parkprobleme zu lösen. Denn die nehmen stetig zu. Jedes Jahr wächst die Branche der sogenannten Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP) den Angaben zufolge durchschnittlich um vier Prozent. Gerade in Corona-Zeiten boomen die Absätze der Onlinehändler.

Wie aus der Arbeit des „Research Lab for Urban Transport“ unter Leitung von Petra Schäfer und Kai-Oliver Schocke hervorgeht, machen die KEP-Dienste gleichzeitig nur zehn Prozent des Wirtschaftsverkehrs aus. Der größte Anteil wird durch Lieferanten und Handwerker hervorgerufen.

Mikrodepots einrichten

Für die Innenstadt und Mischgebiete empfehlen die Forscher, weitere Mikrodepots einzurichten, wie es sie schon an der Meisengasse und der Klapperfeldstraße in Frankfurt gibt. Im ersten Schritt sollten bevorzugt Elektrofahrzeuge oder vorhandene Dieselfahrzeuge zum Mikrodepot fahren. Die Auslieferung auf der letzten Meile erfolgte dann per Lastenrad oder Sackkarren. In Industrie-, Gewerbe- und Wohngebieten sind demnach meist so viele Parkplätze vorhanden, dass sich eine Auslieferung per Lieferwagen anbietet. Temporär könnten auch Fahrstreifen zum Halten und Parken freigegeben werden, in der für den Wirtschaftsverkehr maßgeblichen Zeit von 9 bis 11 Uhr, schlagen die Forscher vor.

Um mehr Parkflächen für den Wirtschaftsverkehr zu schaffen, empfehlen sie, private Fahrzeuge in Tiefgaragen und Parkhäuser zu verlagern, etwa durch günstige Tarife in den Tiefgaragen und Parkhäusern oder eine kürzere Höchstparkdauer und höhere Parkgebühren am Straßenrand.

Lieferinseln in Fußgängerzonen könnten dem Wirtschaftsverkehr ganztägig als zentraler Anlaufpunkt dienen, heißt es weiter. Von dort erfolgte die Lieferung per Lastenrad oder Sackkarre.

Der Handwerkerausweis sollte den Angaben zufolge gemeinsam mit der Handwerkskammer überprüft werden. Denn im Rhein-Main-Gebiet dürfen Handwerker die für das Be- und Entladen vorgesehenen Flächen mit ihren Fahrzeugen nutzen. Diese generelle Parkerlaubnis führe zu langen Parkvorgängen und Engpässen für den Wirtschaftsverkehr, heißt es.

Baustellen anzeigen

Ein Informationsportal wie die Ladezonen-App aus Wien könnte die freien Parkplätze, optimale Routen und Baustellen anzeigen. Damit Unternehmen besser über Fördermöglichkeiten für Elektromobilität informiert werden, wird eine Zusammenarbeit mit den Landesministerien empfohlen.

Die Lieferanten, etwa für Bäckereien, Apotheken und den Einzelhandel waren den Angaben zufolge für 40 Prozent der Haltevorgänge verantwortlich. Danach folgten Handwerker, KEP-Dienste, Müllfahrzeuge und Techniker.

„Fast die Hälfte der Fahrzeuge stand bei Halte- und Parkvorgängen komplett oder teilweise auf den Fahrstreifen“, heißt es. Auf vorgesehenen Parkstreifen standen ein Drittel der Fahrzeuge. Die dritthäufigste Abstellfläche war der Gehweg.

In den Spitzenzeiten morgens zwischen 8 und 9 Uhr belegte der Wirtschaftsverkehr unter der Woche ein Drittel der vorhandenen Parkplätze. Die meisten Parkvorgänge dauerten nicht länger als zehn Minuten. Besonders kurz wurde demnach auf dem Radstreifen gestanden. Techniker und Handwerker standen besonders lange.

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