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Server, die in einem sogenannten Kaltgang hinter der Tür mit Luft gekühlt werden.
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Server, die in einem sogenannten Kaltgang hinter der Tür mit Luft gekühlt werden.

Frankfurt

Rhein-Main: Die Digitalisierung nachhaltiger machen

  • Claudia Isabel Rittel
    VonClaudia Isabel Rittel
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Das Wachstum der Datenindustrie im Rhein-Main-Gebiet belastet zunehmend die Umwelt. Der BUND Hessen und die Lokale Agenda 21 Offenbach fordern ein Umdenken von der Politik.

Diese Forderungen haben es in sich: Der BUND Hessen und die Lokale Agenda 21 Offenbach sehen die Politik in der Pflicht, die Umweltauswirkungen von Rechenzentren im Raum Frankfurt zu regulieren. Und zwar die Politik auf allen Ebenen – Kommunen, das Land Hessen und die Bundesregierung. Ihr Hauptargument sind dabei die umweltschädlichen Emissionen der Datenfabriken.

Schon jetzt verbrauchen Rechenzentren laut Ralph Hintemann vom Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit mehr als ein Viertel des Stroms in Frankfurt. Bis 2030 wird sich ihr Verbrauch seinen Berechnungen zufolge verdoppeln. Denn die Branche wächst. Regelmäßig kündigen die großen Betreiber:innen Neubauten im Rhein-Main-Gebiet an – erst gerade hat Equinix den Bau von drei neuen Datenfabriken in Seckbach bekanntgegeben. Und im Mai wurden die Pläne für den Bau eines der größte Rechenzentren Europas in Hanau abgesegnet: Auf 250 000 Quadratmetern sollen dann Server stehen, die alleine doppelt so viel Strom verbrauchen werden wie ganz Hanau derzeit.

Gebraucht wird der Strom vor allem, um Daten zu bewegen und Rechenprozesse durchzuführen. Dabei entsteht Wärme, die aktuell meist an die Außenluft abgegeben wird. Es muss also einerseits sehr viel Strom produziert werden und zur Verfügung stehen und am Ende bleibt sehr viel Wärme übrig.

Wärmenetz aufbauen

„Insgesamt kann durch effiziente, saubere Rechenzentren mit Abwärmenutzung ein großer Beitrag zum Klimaschutz und Immissionsschutz geleistet werden“, sagt Barbara Levi-Wach von der Lokalen Agenda 21 Offenbach. In ihrem gemeinsamen Positionspapier fordern BUND und Lokale Agenda deshalb ein generelles Umdenken bei der Planung der Datenfabriken.

Wenigstens mit einer der Forderungen dürften sie offene Türen einrennen: Denn die Rechenzentren energieeffizienter zu gestalten, ist auch vielen Betreiber:innen selbst ein Anliegen – machen doch die Stromkosten einen großen Teil der Kosten der Datenindustrie aus. Diejenigen Unternehmen, für die eine direkte Anbindung an den Datenknoten De-Cix nicht relevant ist, siedeln sich laut Staffan Reveman, der Unternehmen aus energieintensive Branchen in Nachhaltigkeitsfragen berät, daher schon jetzt in anderen Ländern an – denn nirgendwo in der EU ist der Strompreis so hoch wie in Deutschland.

Die Branche selbst sucht daher bereits nach Lösungen. So hat sich beispielsweise unter Beteiligung des Borderstep-Instituts und gefördert von der Stadt Frankfurt bereits das Netzwerk Energieeffiziente Rechenzentren gegründet und auch im Verband der Internetwirtschaft ECO ist Energieeffizienz ein Thema. Doch Effizienz hin oder her – je mehr Prozesse digitalisiert werden, je mehr Videos wir streamen und online konferieren, desto mehr Rechenleistung wird in den Datenzentren nachgefragt und damit steigt auch der Strombedarf trotz immer effizienterer Technik.

Andere Forderungen der Umweltschützer:innen sind technisch und politisch durchaus dickere Bretter, die es zu bohren gilt. So fordern die Umweltschützer:innen auch die Nutzung der Abwärme, die die Datenfabriken produzieren.

Zukünftig sollten neue Rechenzentren nur noch genehmigt werden, wenn die Abwärme genutzt werde, fordern die Initiator:innen Barbara Levi-Wach und Kurt Müller von der Lokalen Agenda 21 Offenbach sowie Werner Neumann vom BUND Hessen. Zudem sollten sie nur noch an Orten gebaut werden dürfen, wo die Wärme genutzt werden könne. Um das Verteilen der Abwärme zu ermöglichen, sollten Kommunen eine integrierte Wärmeplanung erarbeiten und den Aufbau von Wärmenetzen voranbringen, fordern sie. Die Wärme tatsächlich zu nutzen, ist ein komplexes Unterfangen (siehe nebenstehender Text).

100 Tonnen NOx pro Jahr

Den Bund fordern Wach, Müller und Neumann zudem auf, das Bundesimmissionsschutzgesetz zu überarbeiten. Der Hintergrund: Um sich von einem möglichen Stromausfall unabhängig zu machen, halten die großen Rechenzentren zusätzlich zum Anschluss an das öffentliche Stromnetz jeweils eine eigene Notstromversorgung bereit. Diese funktioniert meist über Dieselgeneratoren, die regelmäßig getestet werden.

Laut Berechnungen von BUND und Lokaler Agenda entstehen bei diesen Tests in Frankfurt und Offenbach jährlich Stickstoffoxidemissionen (NOx) von 100 Tonnen. Ähnlich sehe es bei den Emissionen von Feinstaub aus. Durch geringere Schornsteinhöhen entstünden allein durch das Testen der Notstromversorgung „deutlich höhere Emissionen als bei Großkraftwerken“, monieren sie.

Um diese und weitere Aspekte der nachhaltigeren Gestaltung der Digitalisierung in den Griff zu bekommen, müssten sowohl die hessische Landesregierung wie auch die Bundesregierung diese Aspekte in ihren jeweiligen Digitalstrategien berücksichtigen. Das sei bislang „noch nicht oder nur unzureichend“ geschehen, kritisieren die Initiator:innen.

Positiv sei immerhin, dass die Betreiber:innen des zukünftigen Megadatenzentrums in Hanau von der Stadt zu einer hohen Energieeffizienz verpflichtet worden seien, sagt Neumann. Das aber könne nur ein erster Schritt sein.

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