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Auch das Wintersemester läuft ohne Präsenzveranstaltungen, nur im Internet.

Bildung

An drei Unis gleichzeitig studieren

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Die großen Hochschulen bieten erstmals ein gemeinsames Studienprogramm an. Das kommende Wintersemester verbleibt wegen Corona im virtuellen Raum.

Das Wintersemester an den Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet bietet ungeahnte Möglichkeiten. Im sogenannten RMU-Studium können Studierende der Frankfurter Goethe-Uni, der TU Darmstadt oder der Gutenberg-Uni in Mainz an einer der drei Einrichtungen eingeschrieben sein und gleichzeitig Angebote der anderen beiden nutzen – und sich aufs Studium anrechnen lassen. Zumindest in den Fächern ohne Zulassungsbeschränkung.

Würden Studierende wie Lehrende nicht unter einem beispiellosen Uni-Lockdown ächzen, wäre das eine fantastische Neuerung. Eine Verdreifachung des Angebots, ohne zusätzliche Gebühren. Nur – da ist noch immer diese verflixte Pandemie. Darum verlassen die Besucher der virtuellen Konferenz der Rhein-Main-Universitäten am Montag das digitale Tagungszimmer mit gemischten Gefühlen.

RMU-Studium

Studierende der Goethe-Universität Frankfurt, der Technischen Universität Darmstadt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz können sich ab Wintersemester 2020/2021 ohne zusätzliche Gebühren in das neue RMU-Studium einschreiben. Das Kürzel steht für Rhein-Main-Universitäten.

Über ihren eigenen Studiengang hinaus können Studierende ebenso Lehrveranstaltungen an den beiden anderen Universitäten besuchen und dort auch Prüfungen ablegen. Zusätzlich profitieren sie von Bibliotheken, Rechenzentren und Mensen.

Ihre strategische Allianz haben die drei Hochschulen vor fünf Jahren begonnen. Einmal im Jahr treffen sie sich zur Konferenz. Weitere Informationen zum neuen RMU-Studium unter www.rhein-main-universitaeten.de/studium. sky

Dabei ist das vergangene Sommersemester besser gelaufen als befürchtet, da sind sie sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung weitgehend einig. Rund 300 haben sich in zwei Stunden zugeschaltet, haben einer Podiumsdiskussion gelauscht und Workshops zur Zukunft der digitalen Lehre gestaltet. Lediglich zwölf davon schätzen das Semester als schlecht oder schlechter als gedacht ein.

Allerdings sind die Erwartungen nicht gerade hoch gewesen. „Im März, April haben wir noch befürchtet, es könnte ein Null-Semester werden“, sagt etwa Tanja Brühl, Präsidentin der TU Darmstadt. Entsprechend froh ist sie, dass entgegen der Befürchtung alle Prüfungen und mehr als 95 Prozent der Veranstaltungen gelaufen sind. Wenn auch womöglich nicht mit der gewohnten Qualität.

Die TU hat ihre Studierenden nach den größten Hemmnissen befragt. 60 Prozent monieren, dass sie nicht in Sprechstunden kommen können, 80 Prozent vermissen ihre Lerngruppen, 90 Prozent fehlt der persönliche Umgang. Der fehlt auch Brühl. „Es ist schrecklich, über den leeren Campus zu gehen.“

Von einem Semester mit großen Belastungen spricht auch Kyra Beninga, die Vorsitzende des Frankfurter Studierendenausschusses. Viele hätten über technische Hürden geklagt, auch, dass im digitalen Semester mehr Leistungen zu erbringen waren. Gleichzeitig kämpfen die Studierenden mit Belastungen, haben Jobs verloren, sich verschuldet, mussten Kinder zu Hause hüten, Eltern pflegen. Lob äußert sie, dass die Uni in vielen Dingen entgegengekommen sei, etwa mit flexibleren Prüfungen.

Gleichwohl setzen die Hochschulen auch im Wintersemester auf den virtuellen Raum. Die Rückkehr zu Präsenzveranstaltungen sind zwar Wunsch von Lehrenden wie Studierenden. Derzeit aber noch nicht umzusetzen, obschon die Hochschulen an Konzepten dafür arbeiten. Anders als etwas in den Schulen, ist es an den Unis sehr viel schwieriger, Abstände einzuhalten. „Zu uns kommen 30 000 Menschen“, sagt Georg Krausch, Präsident der Mainzer Uni. An den drei Hochschulen zusammen sind es etwa 100 000 Studierende. Da könne schnell ein sogenannter Hot Spot entstehen.

Die Studierenden vermischen sich auch viel mehr, besuchen unterschiedliche Seminare, sind nicht streng nach Klassen geordnet. Entsprechend wünscht sich Krausch von der Politik, dass sie sich nicht unter Druck setzen lässt, sondern weiter auf Rat aus der Wissenschaft höre.

Manch Gutes hat die Digitalisierung, daran erinnert Birgitta Wolff, Präsidentin der Frankfurter Uni. Das neue Studienangebot etwa, das RMU-Studium, ist dadurch noch ein Stückchen niedrigschwelliger geworden. Wer ohnehin im virtuellen Raum studiert, hat womöglich weniger Scheu, Credit Points auch an anderen Orten einzusammeln.

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