Schulen in Frankfurt

Amok-Warnanlage in Schulen unzuverlässig?

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Frankfurt will zehn Millionen Euro in weitere Amok-Warnanlagen an Schulen stecken. Das Revisionsamt rügt, dass die Systeme instabil arbeiten würden. 

Fast genau zehn Jahre ist der Amoklauf von Winnenden her. Am 11. März 2009 erschoss ein 17-Jähriger an einer Realschule 15 Menschen und tötete sich zuletzt selbst. In Frankfurt wurde daraufhin ein Teil der Schulen mit Kommunikationsanlagen einschließlich Amok-Warnsignal ausgestattet. 65 haben inzwischen ein solches System – 41 weitere Schulen sollen nun folgen. Dann hätten alle weiterführenden Schulen eine Amok-Alarmanlage. Auch Grundschulen, die benachbart zu weiterführenden Schulen liegen, wären ausgestattet. Fast zehn Millionen Euro soll das kosten.

Doch das Revisionsamt, das städtische Finanzvorlagen prüft, hat etwas dagegen. Es bemängelt, dass keine der Anlagen stabil und sicher funktioniere. Es hat eine Umfrage an den Schulen mit solchen Kommunikationsanlagen durchgeführt und kam zu dem Ergebnis: Von den 32 Schulen, die sich beteiligten, gab die Hälfte an, dass das System nicht durchgehend stabil laufe.

Stefan von Wangenheim, bildungspolitischer Sprecher der FDP im Römer, findet es erschreckend, dass die Anlagen offenbar ihren eigentlich Zweck nicht erfüllen. „Nicht auszudenken, wenn sich die Schulen in einem Krisenfall auf eine Technik verlassen sollen, die im entscheidenden Moment nicht funktioniert.“ Bevor weitere Anlagen installiert werden, sollten die jetzigen ausreichend geprüft werden. „Wenn die Technik nicht den nötigen Anforderungen standhält, darf nicht weiter in das System investiert werden.“

Hilfe im Notfall fraglich

Bei den bisher installierten Kommunikationsanlagen kann aus jedem Klassenzimmer ein Notruf bei der Polizei abgesetzt werden. Zudem fungieren sie als Sprechanlagen. Es können Durchsagen im ganzen Schulgebäude oder in einzelnen Klassenzimmern gemacht werden. Auch aus den Klassenzimmern kann Kontakt zu anderen Räumen aufgenommen werden. „Das ist aber ein Nebeneffekt“, sagt Günter Murr, Sprecher von Baudezernent Jan Schneider (CDU). „Der Hauptzweck ist das Alarmierungssystem im Amokfall.“

Und nach Aussage des Baudezernats laufen die Anlagen ordnungsgemäß. „Die Technik funktioniert“, sagt Murr. „Es gibt höchstens Probleme bei der Bedienung.“ Denn für die Nutzung der Gegensprechanlage in der Schule kann nicht einfach ein Hörer abgehoben werden, die berechtigten Personen wie Lehrer müssen sich mit einem Transponder am System anmelden. „Das ist ungewohnt, da gibt es möglicherweise Schulungsbedarf“, sagt Murr. Deshalb gab und gibt es nun für die Schulen Termine zur Fortbildung.

Je nach Größe der Schule kostet bei den Neuinstallationen eine solche Anlage zwischen 70 000 und 800 000 Euro. Aber die alten Anlagen müssen auch noch nachgerüstet werden. Denn sie können zwar einen Alarm bei der Polizei auslösen, jedoch gibt es keine Kommunikationsmöglichkeit bei ihnen. „Die ist aber einsatztaktisch für die Polizei von Nutzen“, sagt Murr. Sie könne etwa mithören, was im Raum geschehe, wenn jemand bedroht werde. Die neuen Anlagen sind alle mit einer solchen Zwei-Wege-Kommunikation mit der Polizei ausgestattet.

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