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Paul Jäger (l.) und Arsenij Geld organisieren ein Benefizevent für die Clubszene.

Corona-Krise

Rettet die Clubs in Frankfurt

  • Anja Laud
    vonAnja Laud
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Frankfurter Studierende organisieren ein Benefizevent im „Nachtleben“. Sie wollen einen Beitrag dazu leisten, die Clubkultur in der Stadt zu retten.

Die Härten des Berufslebens spüren Arsenij Geld (22) und Paul Jäger (21) schon während ihrer Studienzeit. Die zwei haben am Frankfurter SAE-Institute Musik-Business belegt. Als Teil ihrer Ausbildung müssen sie zusammen mit ihrem Kommilitonen Tavis Essig (20) eine Veranstaltung organisieren und realisieren – in Zeiten von Corona eine Aufgabe, die selbst Profis den Schweiß auf die Stirn treibt. Doch den Studierenden ist es gelungen. Am Sonntag, 9. August, steigt im „Nachtleben“ an der Konstablerwache unter dem Motto „Save the Sound“ ein House- und Disco-Event. Und diese Veranstaltung ist gleichermaßen für die Noten der Studenten wie für die Clubszene der Region gut.

„Manchmal waren wir der Verzweiflung nah, aber dann haben wir uns der Herausforderung gestellt“, sagt der Offenbacher Paul Jäger. Im Februar bekamen er und seine Kommilitonen von Dozenten des SAE-Institutes, einer privaten Ausbildungsstätte im Bereich der audiovisuellen Medien in der Homburger Landstraße, die Aufgabe, ein Musikevent zu organisieren. Kaum hatten sie konkrete Pläne für ein Open-Air-Konzert gemacht, kam die Pandemie, und alles war Makulatur. Nach dem Ende des Shutdowns begannen sie von Neuem. Doch es erwies sich als schwer, einen Veranstaltungsort zu finden. Eventkneipen geht es schlecht. „Jemanden da für ein Uniprojekt zu finden, ist schwierig“, sagt Arsenij Geld, der in Wiesbaden lebt. Aus dieser Bredouille half ihnen ihr Live-Event-Dozent Ray Finkenberger-Lewin, der den Kontakt zum „Nachtleben“ herstellte. Dann begann für die Studierenden die Arbeit. Sie mussten ein sogenanntes Markenhandbuch erstellen. Mit Logo, Budgetplan, Werbe- und natürlich Hygienekonzept.

Benefiz-Event

„Save the Sound“, Live-Event im „Nachtleben“, Kurt-Schumacher-Straße 45, Frankfurt, am Sonntag, 9. August. Einlass beginnt um 17 Uhr, die Party um 18 Uhr. Sechs DJs spielen auf zwei Floors House und Disco bis 24 Uhr.

Eintrittskarten zum Preis von 15 Euro zuzüglich 2 Euro Vorverkaufsgebühr sind nur im Vorverkauf online über die Facebook-Seite von „Save the Sound“ (savethesound.ffm) oder Eventbrite unter „Save the Sound“erhältlich. Die Gewinne aus der Veranstaltung werden „United We Stream“ Frankfurt/Rhein Main, einer Initiative zur Rettung von Clubs und Musikspielstätten, gespendet.

Die Veranstaltung wird am Mittwoch, 12. August, von „United We Stream“ (frm.unitedwestream.org) gestreamt. Dazu gibt es Interviews mit den DJs zur Lage der Clubszene.

„Wir möchten so viel Clubfeeling herstellen, wie es in der aktuellen Lage möglich ist“, sagt Jäger. Die Gäste, etwa 100 dürfen kommen, werden auf zwei Etagen verteilt in Gruppen von vier Personen an Tischen stehen, während sechs DJs im Wechsel Musik machen. Tanzen darf aus Gründen des Infektionsschutzes niemand. Trotzdem, sagen Jäger und Geld, könne man „mal wieder gepflegt und in fast normaler Umgebung ein bisschen feiern“.

Mit ihrem Soul- und Disco-Event wollen die Studierenden auch ihren Teil zur Rettung der Clubkultur beitragen, denn Clubs sind in Hessen immer noch geschlossen. Um ihnen zu helfen, soll der Gewinn aus der Veranstaltung im „Nachtleben“ an den lokalen Ableger von „United We Stream“ gehen, eine Initiative, die für die Musikspielstätten eintritt. Sie wird auch einen Teil des Events Tage später, am Mittwoch, 12. August, auf ihrer Website streamen. Wem der Film gefällt, kann Geld spenden.

Obwohl sie hautnah erlebt haben, wie stark die Pandemie die Unterhaltungsindustrie gebeutelt hat, sehen beide Studierende positiv in die Zukunft. „Wenn ich meinen Abschluss habe, will ich nach Russland zurück, sagt Arsenij Geld, der sowohl die russische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Er produziert in seiner Freizeit Rap- und Hiphop-Songs auf Russisch, mit einigem Erfolg. Bei einem Battle-Project in seinem Geburtsland sei eines seiner Lieder 60 000-mal aufgerufen worden, erzählt er. Im Musik-Business will er deshalb bleiben.

Auch Paul Jäger sieht seine Zukunft dort. Ein Praktikums-tag in der „Batschkapp“ brachte ihn als 15-Jährigen auf die Idee, Eventmanagement zu seinem Beruf zu machen. Nach dem Abitur absolvierte er ein Freiwilliges Soziales Jahr bei den Maltesern im mobilen sozialen Dienst, dann schrieb er sich am SAE-Institute ein. „Ich würde gerne irgendwann einen eigenen Club eröffnen“, sagt er. Aber erst, wenn er genügend Berufserfahrung gesammelt habe. Die Organisation des Benefizkonzerts hat ihn und seine Kommilitonen in dieser Hinsicht einen Schritt weiter gebracht.

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