Rettungskräfte in Hessen schlagen Alarm

Retter fordern mehr Respekt für ihre Arbeit

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Eine Podiumsdiskussion im Haus am Dom zeigt die schwere Situation von Rettungskräften in Hessen. Übergriffe müssten hart sanktioniert werden, fordern einige Verantwortliche.

Ein 23 Jahre alter Mann rastet aus, weil ein Rettungswagen ihm den Weg versperrt. Eigentlich sind die Retter da, um einem Kind das Leben zu retten. Statt Dankbarkeit weht ihnen Aggressivität entgegen und ihr Seitenspiegel wird abgetreten. Zwar ein Fall aus Berlin aber auch in Frankfurt haben Rettungskräfte ihre Mühe. Etwa bei einer Rettungsaktion an der Hauptwache, wo 20 Menschen versuchten die Helfer zu behindern. Es sind Beispiele wie diese. die die Verantwortlichen bei einer Podiumsdiskussion des Frankfurter Domkreises Kirche und Wissenschaft Alarm schlagen ließen.

„Täglich widerfährt uns verbale Gewalt“, berichtete Oliver Pitsch, Vorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe und selbst noch aktiv im Einsatz. Es gebe eine mangelnde Wertschätzung gegenüber den Rettungskräften und nur noch wenig Verständnis für deren Arbeit. „Man muss heute aufpassen, dass man nicht bewusst bepöbelt oder beworfen wird“, sagte Pitsch.

Auch Leo Latasch, langjähriger Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Frankfurt hat bemerkt, dass der Respekt „total nachgelassen“ habe. Vor 40 und auch noch vor zehn Jahren sei das anders gewesen. „Es hat eine Verrohung der Gesamtgesellschaft stattgefunden.“ Drastische Strafen könnten helfen, doch die Justiz setze das verschärfte Gesetz bei Übergriffen auf Rettungskräfte nicht um. „Ich werde wohl niemals erleben, dass jemand für solch eine Straftat sechs oder zwölf Monate ins Gefängnis geht“, sagte Latasch.

Umdenken gefordert

Zustimmung bekam er von Sicherheitsdezernent Markus Frank. Der CDU-Mann glaube auch, dass harte Strafen gut seien und helfen würden. „Strafen zeigen, dass wir als Gesellschaft solch ein Verhalten nicht dulden.“ Auch Frank konstatierte, dass sich die Haltung der Gesellschaft dramatisch geändert habe. Man müsse dafür sorgen, dass wieder mehr Respekt gegenüber den Rettungskräften vorherrsche. „Respekt ist das Fundament, dafür müssen wir kämpfen“, sagte der Dezernent.

Lars Oschmann, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, wies darauf hin, dass Rettungskräfte auch im ländlichen Raum Probleme hätten. Er forderte ein Umdenken in der Gesellschaft und sagte, dass es um Werte und Respekt gehe.

Die Respekt-Kampagne der Stadt Frankfurt, die in der Vergangenheit auch kritisiert wurde, verteidigte Markus Frank. Man habe das Thema schnell umgesetzt und sich mit kleinem Geld auf den Weg gemacht. „Man kann aber noch mehr machen“, so der Dezernent. Leo Latasch erwiderte: „Hier läuft etwas falsch, wenn wir eine Kampagne brauchen, damit Rettungskräfte nicht verprügelt werden.“ Er habe kein Verständnis dafür, dass Retter auch noch für sich werben müssten.

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