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Daniel Anthes und Katharina Schulenburg wollen mit Geschmack überzeugen.

Gastronomie in Frankfurt

Aus Resten lecker kochen

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Der "Resteküche"-Foodtruck in Frankfurt verwendet gerettete Biolebensmittel für Burger und Co. Auf die Reise schickt ihn der gemeinnützige Verein "Shout Out Loud", der gegen Lebensmittelverschwendung kämpft.

Noch steht der Foodtruck mit der weißen Aufschrift „Resteküche – Beste Küche“ auf einem Parkplatz an der Hanauer Landstraße. Zum ersten Mal zum Einsatz kommen wird er am Sonntag vor dem Kunstverein Montez unter der Honsellbrücke. Das ist aber nicht irgendein neues Hipsterding. Denn hier ist keine Möhre zu krumm, keine Zucchini zu unschön. Beim „Resteküche“-Foodtruck wird mit geretteten Biolebensmitteln gekocht. Zur Premiere gibt es vegane Grünkernburger, frischen Salat und selbst gemachte Pommes.

„Jedes Lebensmittel ist es wert gerettet zu werden“, sagt Katharina Schulenburg. Sie ist Vorstandsmitglied des Frankfurter Vereins „Shout Out Loud“. „Vor allem, wenn man bedenkt, dass in Deutschland pro Sekunde 313 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen werden“, sagt Daniel Anthes, der Vereinsvorsitzende und Gründer der „Resteküche“. 

Bereits seit 2013 engagiert sich der gemeinnützige Verein „Shout Out Loud“ mit verschiedenen Projekten gegen die Verschwendung von Lebensmitteln, aber auch für „Kein Plastik für die Tonne“ – oder veranstaltet Kochevents zur Integration von Flüchtlingen. Im Sommer 2016 hatten die allesamt ehrenamtlich arbeitenden Mitglieder ein sehr erfolgreiches Streetfood-Festival mit geretteten Lebensmitteln veranstaltet. „Da kamen mehr als 1000 Leute, und wir hatten die Idee, so etwas statt an Ständen mit einem eigenen Foodtruck zu machen, an dem die Leute direkt zusehen können, was wir kochen“, erzählt Anthes, der als Berater beim Zukunftsinstitut arbeitet.

Crowdfunding-Projekt

Da ein Foodtruck eine „coole, aber teure“ Angelegenheit sei, wie Anthes betont, startete der Verein eine Crowdfunding-Kampagne. Und weil viele Leute die Idee sehr gut fanden, kamen auf diese Weise 40 000 Euro zusammen. „Wir hoffen, den Foodtruck alle sechs Wochen einzusetzen“, sagt Schulenburg. „Gerne auch öfter, dazu bräuchten wir aber aber noch mehr Ehrenamtliche“, sagt Schulenburg. Essen haben sie hingegen genug. „Das fischen wir aber nicht aus einer Tonne“, betont Anthes, sondern sie holen das Obst und Gemüse direkt beim Biogroßhändler Phönix in Rosbach ab.

Phönix gebe bereits einiges an die Tafel ab, sagt der 31-Jährige, „trotzdem bleibt immer noch ein Überschuss an unverkäuflichen Lebensmitteln.“ Die Foodtrucker nehmen das, was Naturkostfachgeschäfte nicht annehmen, „weil vielleicht die Banane einen braunen Fleck hat, die Verpackung nicht mehr so schön ist oder weil ein Behälter vom Lastwagen gefallen ist“, sagt Schulenburg. „Oder weil das Salz oder der Honig ‚abgelaufen‘ sind“, ergänzt Anthes. 

„Mit Spaß und Genuss überzeugen“

„Wir wollen die Leute nicht missionieren, sondern mit Spaß und Genuss überzeugen“, betont Schulenburg. Die 30-Jährige schreibt derzeit ihre Doktorarbeit in Biochemie. Zu Hause kocht das Paar, das seit 2014 im Verein aktiv ist, zweimal am Tag. „Wir essen auch mal Fleisch, haben uns aber entschieden, das beim Foodtruck nicht anzubieten, weil im Alltag einfach viel zu viel Fleisch gegessen wird und wir auch mal leckere Alternativen zeigen wollen“, sagt Anthes.

Unabhängig vom Verein haben die beiden ein Kochbuch mit kreativen Rezepten verfasst. „Statt wie immer Spaghetti Bolognese zu machen, kann man in den Kühlschrank schauen und etwas mit den Resten kochen“, empfiehlt Schulenburg. „Und nein, da gibt es viel mehr Möglichkeiten, als nur eine Gemüsepfanne zu zaubern.“

Von Chutneys aus Äpfeln und Pfirsichen und ein paar Zwiebeln bis hin zu Burgern und Waffeln aus Kartoffeln: „Wie wollen einfach Tipps geben für mehr Aufmerksamkeit im täglichen Umgang mit Lebensmitteln“, sagt Anthes. Also so, dass die Leute nicht nur vom Foodtruck mit einem guten Gewissen weggehen, sondern das auch in ihren Alltag integrieren.

Auch dieses Buch ist ein Crowdfunding-Projekt: Wenn genügend Leser vorbestellen, werden Katharina Schulenburg und Daniel Anthes es drucken lassen. Noch haben sie 38 Tage Zeit, und schon mehr als die Hälfte der nötigen Vorbestellungen sind eingegangen.

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