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Ein Zeitdokument: Die Münchner Fotografin Helena Heilig fotografiert im Restaurant Schönemann des Sofitels Frankfurt Opera Chefkoch Marc-Oliver Herbert.
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Ein Zeitdokument: Die Münchner Fotografin Helena Heilig fotografiert im Restaurant Schönemann des Sofitels Frankfurt Opera Chefkoch Marc-Oliver Herbert.

Fotografie

„Restaurants und Cafés sind der Kitt der Gesellschaft“

  • Anja Laud
    vonAnja Laud
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Die Münchner Fotografin Helena Heilig dokumentiert in Frankfurt „Wirte im Lockdown“.

Marc-Oliver Herbert, Chefkoch im Restaurant Schönemann des Sofitels Frankfurt Opera, findet sich in diesen ungewöhnlichen Zeiten in einer ungewöhnlichen Rolle wieder. Statt in der Küche des Fünf-Sterne-Hotels steht er vor der Kamera von Helena Heilig. Die Münchner Fotografin porträtiert ihn für das Fotoprojekt „Wirte im Lockdown“, für das sie in Deutschland herumreist. Ihre Aufnahmen von Gastronom:innnen in ihren leeren Gasträumen seien ein Kunstprojekt und ein zeitgeschichtliches Dokument, sagt Heilig.

„Sehen Sie, hier stehen die Stühle auf den Tischen, da liegen jede Menge To-Go-Verpackungen“, sagt Helena Heilig, als sie nach dem Fototermin im Sofitel an ihrem Computer die Bilder von Wirt:innen zeigt, die sie in Frankfurt gemacht hat. Bei ihren Aufnahmen beschönigt sie nichts. Sie zeigt die Menschen und die Gasträume so, wie sie jetzt im Lockdown aussehen.

Auf die Idee brachte sie ein Freund, der Concierge ist. Er rief sie im März an, als die Gastronomie das erste Mal schließen musste, und sagte: „Warum machst du nicht Bilder von Gastwirten und erzählst ihre Geschichte.“ Heilig tat sich mit der Journalistin Susanne Fiedler zusammen, mit der sie schon vorher zusammengearbeitet hatte, und gemeinsam besuchten sie im April vergangenen Jahres 26 Münchner Gastronom:innen, die sie für die Teilnahme an dem Fotoprojekt gewannen. „Die Leute waren sehr empfänglich für unser Anliegen. Sie hatten auf einmal ja Zeit, etwas, was sie davor nie hatten“, erzählt Heilig.

Kunstprojekt

Die Ausstellung „Wirte im Lockdown“ ist, wenn es die Entwicklung der Pandemie zulässt, von März an im München Zentrum, Burgstraße 5, in München zu sehen.

In Frankfurt ist eine Ausstellung für 2022 im Sofitel Frankfurt Opera geplant. wirte-im-lockdown.de

Dann entwickelte das Ganze eine Eigendynamik. Wirt:innen, meldeten sich bei ihnen mit dem Wunsch, auch fotografiert zu werden. Inzwischen ist die Fotografin in Berlin, Hamburg, Stuttgart und anderen großen Städten gewesen. Und weil Susanne Fiedler das alles nicht mehr allein aufschreiben kann, hat sich die Zahl der Schreiber:innen auf vier erhöht. In Frankfurt begleitet Katrin Fischer die Fotografin. 60 Minuten dauern die Fototermine. Während Helena Heilig ihre Ausrüstung aufbaut, führt die Münchner Texterin die Interviews. Neben dem „Schönemann“ waren die beiden in zwölf weiteren Gastronomiebetrieben der Stadt, darunter die Cafés und Restaurants „Die Brücke“ in Sachsenhausen und „Margarete“ in der City.

„Die meisten in der Gastronomie-Branche empfinden den zweiten Lockdown härter als den ersten“, erzählt die Münchner Texterin von ihren Gesprächen mit Wirt:innen. Im Frühjahr seien sie davon ausgegangen, dass die Schließung einmalig sei. Auch habe die Aussicht auf den Sommer und die damit einhergehenden Lockerungen der Hygiene-Vorschriften ihnen eine Perspektive gegeben. Der zweite Lockdown jetzt im Winter sei zermürbender. Weinerlichkeit habe sie bei den Gastronom:innen, die sie interviewt hat, dennoch nicht beobachtet, sagt Katrin Fischer.

„Jeder der Wirte geht mit der Situation anders um, die einen besser, die anderen schlechter. Sie sind ernst, aber nicht hoffnungslos. Sie haben ein hohes Durchhaltevermögen und Power“, sagt Helena Heilig. Katrin Fischer kann das bestätigen. „Die staatlichen Hilfen finden die meisten okay, auch wenn viele die für November und Dezember noch nicht bekommen haben“, sagt sie. Außerdem helfe ihnen die Wertschätzung, die ihnen vor allem Stammkunden entgegen bringen, indem sie Gutscheine für künftige Essen kaufen oder To-Go-Angebote nutzen. Und dann sei da auch die Erkenntnis, die viele jetzt im Lockdown gewonnen hätten, dass Restaurants eine wichtige Funktion im Alltag haben. „Sie sind der Kitt der Gesellschaft“, sagt Katrin Fischer.

Sofitel-Chefkoch Herbert musste nicht lange darüber nachdenken, als er gefragt wurde, ob er bei dem Kunstprojekt, das im März in München als Ausstellung und später auch im Sofitel zu sehen sein wird, mitmachen will. „Es ist wichtig, dass diese Zeit, in der wir das nicht machen können, was wir am liebsten tun, dokumentiert wird: Unsere Gäste empfangen und sie bewirten.“

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