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Die Pferde laufen hier schon lange nicht mehr, doch um die Rennbahn in Frankfurt gibt es immer noch juristischen Streit.

DFB-Akademie

Rennbahn-Streit als politisches Lehrstück

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Übereilte, teure Zusagen an den DFB, die die Stadt Frankfurt nicht halten kann: Die Verantwortlichen im Römer sollten aus dem Rennbahn-Gezerre lernen. Unser Kommentar

Vor mehr als 25 Jahren elektrisierte eine Serie die Fernsehzuschauer: „Rivalen der Rennbahn“. Fasziniert verfolgten die Menschen vor den TV-Geräten „das brutale Intrigenspiel rund um den Pferdesport“. Ein Vierteljahrhundert später haben die Geschehnisse rund um die alte Galopprennbahn in Frankfurt längst alles getoppt, was sich damals Drehbuchschreiber mühsam abgerungen hatten.

Dass zum Beispiel eine Gerichtsverhandlung wegen des Penisbruchs eines Hauptbeteiligten verschoben wird, das wäre 1989 niemals von einem deutschen Fernsehsender ausgestrahlt worden. Eher schon hätten es die Verfasser von Dokusoaps goutiert, dass die Politiker von Frankfurt eine Fußball-Akademie zum Objekt der Begierde erklären. Und dafür gewillt sind, die Welt des Turfs untergehen zu lassen. Koste es, was es wolle. Für das Prestigeprojekt des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) haben die Frankfurter Steuerzahler schon jetzt einen hohen Preis aufgebracht. Etliche Millionen Euro hat die Stadt an reiche Geschäftsleute entrichtet, um das Rennbahn-Gelände freizuräumen.

Neues Kapitel in der Frankfurter Realityshow

Am Donnerstag hat es das Oberlandesgericht in der Hand, in der Frankfurter Realityshow ein neues Kapitel aufzuschlagen. Zeit dafür ist es. Die Einschaltquoten gehen zurück. Neben politischer Torheit und dem Schaden für die Stadtkasse konnten dem Magistrat strafrechtlich relevante Vergehen allerdings nicht nachgewiesen werden.

Wenn das Gericht nun den Weg freimacht für die Räumung des Rennbahn-Geländes, dann bleibt ein politisches Lehrstück. Es handelt von Verantwortlichen im Römer, die blind und übereilt dem DFB teure Zusagen gemacht haben. Die sie am Ende nicht halten konnten, weil der Gegner mit viel Geld und bis an die Grenze des Rechtsstaates agierte.

Die bittere Ironie ist, dass König Fußball seit 2014 viel Glanz eingebüßt hat. Gelohnt hat sich der Aufwand der Stadt nicht.

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