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Nimmt die Wertverluste bei Dieselautos gelassen: Gebrauchtwagenhändler Maged Saad.

Frankfurt

"Der Endverbraucher hat das Minus"

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Gebrauchtwagenhändler Maged Saad sieht sein Geschäft trotz des Fahrverbots in Frankfurt nicht bedroht. Seine Abnehmer sitzen meist im Ausland

Maged Saad tritt aus dem kleinen Bürocontainer in die Mittagssonne und zeigt auf einen grauen Renault Laguna. „Das ist ein Euro-4-Diesel mit 100 000 Kilometern“, erklärt er. Saad betreibt in Griesheim den Gebrauchtwagenhandel „Maurice Cars“. Den Renault zu verkaufen sei nicht einfach gewesen, berichtet er. Zunächst habe er ihn für 4300 Euro angeboten, ohne Erfolg. Selbst für den Preis von 3600 Euro wollte niemand das Auto haben. Schließlich habe er es nach Serbien verkauft, für 3300 Euro – ein Preis, den er sonst für Autos mit 200 000 Kilometern mache.

Zurück in dem kleinen verglasten Büro erzählt Saad, dass nicht nur er solche Probleme habe. „Von so etwas kann jeder Händler berichten. Die Preise für Euro-4-Diesel sind schon seit Monaten im Keller.“ Das dürfte sich so schnell auch nicht ändern – erst recht nicht, nachdem das Verwaltungsgericht Wiesbaden vor knapp zwei Wochen entschieden hat, dass es in Frankfurt ein Dieselfahrverbot geben wird. Dieselfahrzeuge mit Euro-4-Norm sind bereits ab kommendem Februar von dem Verbot betroffen.

Die Folgen bekommen auch Gebrauchtwagenhändler wie Maged Saad schon jetzt zu spüren. Auf dem Firmengelände von „Maurice Cars“ stehen derzeit knapp 30 Autos. Zwei von ihnen, darunter der verkaufte Renault, sind Diesel mit Euro-4-Norm. Für solche Autos müsse er derzeit einen Wertverlust von 30 bis 40 Prozent hinnehmen, sagt Saad.

Trotzdem nimmt er auch solche Autos noch an und verkauft sie ins Ausland, meist nach Osteuropa. Weil er andere Wagen etwas teurer verkaufe, könne er den Wertverlust der Dieselautos mit Euro-4-Norm ausgleichen, sagt er – im Gegensatz zu den Autofahrern, die das nicht könnten. „Der Endverbraucher hat nur ein Auto. Er hat am Ende das Minus.“

Besitzer von Dieselautos zunehmend verunsichert

Tatsächlich sind viele Besitzer von Dieselautos zunehmend verunsichert – so die Beobachtung des Autohändlers. „Nach dem Urteil zum Fahrverbot waren einige Leute hier und wollten ihren Euro-4-Diesel verkaufen“, erzählt er. Auch seine Freunde und Bekannte hätten sich schon erkundigt, was sie jetzt mit ihrem Auto machen sollten. „Wenn ich dann sage, welchen Preis ich im Moment für einen Diesel mit Euro-4-Norm machen kann, bekommen die meisten einen Schock.“

Gleichzeitig weise er sie aber immer auch auf die Alternative hin: nämlich erst einmal abzuwarten. „Denn“, das betont der Unternehmer immer wieder, „vieles in Bezug auf das Fahrverbot ist ja noch gar nicht klar.“ So sei offen, wie die Stadt kontrollieren wolle, wer welches Auto fährt, und wie hoch im Zweifelsfall das Bußgeld sei. Außerdem gelte das Fahrverbot ja nur für Frankfurt, nicht für ganz Deutschland. „Es gibt im ganzen Land kleinere Orte, in denen die Leute noch mit einem Euro-4-Diesel fahren können“, sagt er. „Die kaufen die Autos noch.“

Maged Saad selbst hat die Entscheidung für das Fahrverbot gelassen hingenommen. Für seinen Ein-Mann-Betrieb erwartet er durch das Fahrverbot und den Wertverlust der Dieselautos „keine wirtschaftlichen Probleme“. Die betroffenen Autos könne er ins Ausland verkaufen. „Abgesehen davon habe ich ja auch noch andere Autos im Angebot.“

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