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Die Rembrandt-Ausstellung im Frankfurter Städel stößt auf großes Publikumsinteresse.
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Die Rembrandt-Ausstellung im Frankfurter Städel stößt auf großes Publikumsinteresse.

Frankfurt

Rembrandt-Ausstellung im Frankfurter Städel

Das Frankfurter Städel zeigt mit „Nennt mich Rembrandt“ seine erste Blockbuster-Ausstellung seit Beginn der Corona-Pandemie. Zeitkarten sollen ein Gedränge verhindern.

Es sind die Augen. Die vier Monate alte Lucia schwebt auf den Armen ihrer Oma, Tante oder Nanny vor dem „Bildnis einer Frau“, das Jacob Backer 1638 gemalt hat, und brabbelt es fröhlich an. „Sie spricht mit den Porträts, weil sie Augen haben und sie sich angesprochen fühlt“, erklärt Lucias Mutter. Und: Die Porträts sind die einzigen Gesichter im Städel, die in Gänze zu sehen sind. Die der Besucher:innen der Ausstellung „Nennt mich Rembrandt: Durchbruch in Amsterdam“ sind zur Hälfte hinter Mund-Nasen-Schutzmasken verborgen.

Es ist das erste Wochenende der Rembrandt-Ausstellung, die wegen der Pandemie um ein Jahr verschoben werden musste. Vor zwei Jahren, bei der großen Ausstellung „Making van Gogh“, standen die Menschen am Schaumainkai Schlange. Jetzt warten lediglich vier, fünf Personen an der Kasse des Städels, in weniger als einer Minute ist man drin im Museum.

Städel

Die Ausstellung „Nennt mich Rembrandt: Durchbruch in Amsterdam“ ist bis zum 30. Januar 2022 im Städel-Museum zu sehen.

Für den Besuch der Ausstellung kann man online (www.staedelmuseum.de) Zeitfenstertickets (ab 16 Euro) buchen, mit denen man Zugang zur Städel-Sammlung und den Sonderausstellungen hat. Es gilt die 3G-Regel. Die Online-Reservierung wird empfohlen. Es sind aber auch Tickets an der Tageskasse erhältlich, allerdings mit dem Risiko, ein wenig warten zu müssen, bis man Einlass zur Rembrandtausstellung erhält.

Begleitend zur Ausstellung gibt es den Städel Podcast „Blinded by Rembrandt“. elle

Es ist nicht so, dass die Menschen kein Interesse an der Ausstellung hätten oder dass die gleißende Sonne an diesem herrlichen Herbstsamstag den Besucherstrom in künstlich beleuchteten Ausstellungsräumen hemmt. Es ist das Online-Ticketsystem, das die Besucherströme regelt und Wartezeiten verhindert. „Es gibt auch Karten an der Tageskasse“, so Städel-Sprecherin Pamela Rohde. Länger als eine halbe Stunde müsse man nicht warten, bis man hinein dürfe.

Bis dahin kann man 700 Jahre Kunstgeschichte im Rest des Hauses studieren. Vorbei an „Goethe in der Campagna“ von Johgann Heinrich Wilhelm Tischbein und Franz Marcs „Liegendem Hund im Schnee“ geht es die Treppe hinab zum Beginn der Rembrandt-Ausstellung. Die Bilder sind großzügig an den grünlich schimmernden anthrazitfarbenen Wänden gehängt. Es ist reichlich Platz, um die vorgeschriebene 1,50-Meter-Distanz zu anderen einhalten zu können und einen großzügig weiten Blick auf die Kunstwerke zu haben.

Realistisch statt geschönt

Drei Freundinnen stehen vor zwei Ölportraits von Amalia von Solms, links das von Rembrandt, rechts das von Gerard van Honthorst, beide aus dem Jahr 1632. „Mensch, auf dem von Rembrandt sieht sie aber echt alt aus. Grau macht schon alt“, stellen sie mit Blick auf die Frisur fest – und haben vielleicht schon den Kern der Frage getroffen, warum Rembrandt in diesem Fall keinen Erfolg hatte. Dem niederländischen Statthalter Frederik Hendrik, der seine Ehefrau portraitieren ließ, war Rembrandts Darstellung auch nicht hübsch genug, zu bürgerlich, heißt es. Hendrik fand, dass Rembrandts zurückhaltende Inszenierung der Prinzessin nicht so schmeichelt wie der üppige Glanz, mit dem Van Honthorst sie darstellt: Bei ihm hat Amalia rotbraunes Haar. Rembrandts naturalistische, fast schon fotografisch anmutende Darstellung in Ehren, aber eine Frau mit grauem Haar darstellen? Für die drei Freundinnen – alle etwa im Alter der Amalia – ein Beleg dafür, dass man sich die Haare färben oder sich vom Anspruch einer realistischen Darstellung zugunsten einer geschönten trennen sollte.

Aber auch wenn Rembrandt bei Hofe damit nicht so gut ankam, setzte er sich in der anregenden Atmosphäre von Wettstreit und Konkurrenz der vielen talentierten Künstler im Amsterdam des 17. Jahrhunderts auf dem umkämpften Kunstmarkt durch. Davon erzählt die Ausstellung, in der 60 Kunstwerke Rembrandts in den Dialog mit anderen Künstlern seiner Zeit treten. Für das Städel soll die Rembrandt-Ausstellung „nach der Pandemie einen Aufbruch zurück zu Kunst und Kultur bedeuten“, so Rohde.

„Die Ölschinken interessieren uns eigentlich nicht so, aber wir waren so lange schon nicht mehr im Museum“, gibt eine Frankfurterin zu, die ein wenig planlos umherzugehen scheint. Auf (gemalte) Menschen zu blicken, die keinen Mundschutz tragen, sei für sie gar ein wenig irritierend: „Das ist man gar nicht mehr gewohnt“, stellt sie angesichts der vier „Regentinnen des Amsterdamer Spinhuis“ (1638) des Künstlers Dirck van Santvoort fest, die eng um einen Tisch beieinander sind und gerade Kasse zu machen scheinen. „Hauptsache, es geht wieder los“, findet die Frankfurterin. Hoffentlich bleibe es jetzt so, dass man ins Museum gehen könne, sagt sie, bevor sie wieder geht und draußen vorm Städel nach gut zwei Stunden den Mundschutz abnimmt.

Zwei Mal nach rechts abgebogen, führen die Schritte vorbei am Café-Restaurant Holbeins. Über die Terrasse klingt Doris Days Gesang: „Que sera, sera, whatever will be, will be“. Was wird sein? Was auch immer sein wird, wird sein.

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