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So soll das neue Gemeindezentrum aussehen. Grafik: Königs Architekten

Goldstein

Religion als Erlebnis

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Der Kirchort Sankt Johannes feiert Spatenstich zum Neubau des Gemeindezentrums. Damit geht eine jahrelange Planungszeit zu Ende.

Die Kindergartenkinder singen das Lied „Wer will fleißige Handwerker sehen?“ Das passt. Schließlich hat sich die Gemeinde Sankt Jakobus versammelt, um den ersten Spatenstich für das neue Gemeindezentrum samt Kirche am Wiesenhof 76a zu vollführen. Den Abriss des alten Gotteshauses im Sommer 2017 haben sie ebenfalls treffend kommentiert. „Ein Dino hat sich durch das Gebäude gefressen.“ Das erzählt Pfarrer Werner Portugall belustigt.

Die Anekdote zeigt, der Pfarrer ist bei bester Laune. Und damit in guter Gesellschaft. Alle Besucher tragen ein Lächeln umher. „Endlich geht es los“, das spricht aus Gesichtern. „Seit 2005 ziehen sich die Planungen hin“, erzählt Gemeindereferentin Christine Sauerborn-Heuser. Die Kosten sind im Laufe der Jahre von 2,5 Millionen auf 5,2 Millionen Euro gestiegen. Eine Fehlkalkulation habe es nicht gegeben, versichert Sauerborn-Heuser. Die Mehrkosten sind „dem Bauboom in Deutschland geschuldet“.

2010 bis 2014 fusionieren die katholischen Gemeinden Goldstein, Niederrad und Schwanheim zum pastoralem Raum. Die Großgemeinde heißt Sankt Jakobus. Gleichzeitig muss sie Fläche reduzieren, das verfügt das Bistum. Die alten Kirchen sind zu groß, die Zahl der Christen geht zurück. 11 000 Katholiken sind es noch in Sankt Jakobus.

Die drei Kirchorte spezialisieren sich. Niederrad ist eher urban, dort wirkt die offene Kirche mit niedrigschwelligen Angeboten. Schwanheim ist die Familienkirche. Sankt Johannes in Goldstein wird Erlebnis-Kirche. Also zum Ort der Begegnung und des Austauschs.

Im Neubau wird es keine festen Bänke geben. Dafür Stühle. Bei manchen Gottesdiensten werden die Besucher auch auf Kissen sitzen, oder gar liegen. Eine Orgel wird es nicht mehr geben. Musikgruppen und eine Band begleiten die Gottesdienste. Sinnbildlich und konkret ist diese Gemeinde auf der Reise: durch Gärten, bei der Feuerwehr, zu ungewöhnlichen Orten.

„Wir wollen Kirche zukunftsfähig machen“, sagt Sauerborn-Heuser. Die Menschen wieder stärker ansprechen, das Alte nicht abstreifen aber weiter entwickeln. Pfarrer Werner Portugall geht da mit großen Schritten voran. Mit Blick auf den Bauplan für das neue Gotteshaus kündigt er die Grundsteinlegung für Februar an, Richtfest für Mai. Und für den 24. Juni 2020 hat er den Bischof zur Einweihung geladen.

Eine sensible Angelegenheit ist so ein Kirchen-Neubau aber schon. Das alte Haus musste erst offiziell entweiht werden. Beim Abriss haben die Arbeiter dennoch gezögert. Sie wollen sich keinen Fluch einhandeln, sagen sie zaghaft. Pfarrer Portugal eilt in den strömenden Regen hinaus und spricht ein Gebet. Dann erst rückt der Bagger vor.

Auch die Gemeinde ist nicht gleich begeistert. So eine Kirche ist ein Stück Heimat. „Meine drei Kinder sind dort getauft worden“, sagt Gemeindemitglied Angelika Mager. Zur Kommunion sind sie dort gegangen, waren Messdiener. Der Abriss hat sie getroffen. „Jetzt freuen wir uns aber auf ein schönes, neues Gebäude.“

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