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Elemente der ehemaligen Großmarkthalle hat die EZB in ihrem Gebäude aufgenommen.

Filmforum Höchst

Der Reiz alter und neuer Bilder

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Das Filmkollektiv Frankfurt widmet sich im vorletzten Teil seiner Architektur-Reihe der Großmarkthalle.

Der Einzug der Händlerwagen stumm und in Schwarz-Weiß, darauf folgend: lautes Baugetöse in Farbe. Filmische Gegensätze, Wehmut vergangener Zeiten und kritische Reflexion prägten den Abend „Die Großmarkthalle im Wandel der Zeit“ im Filmforum Höchst.

Es war Teil der Reihe „Architektur und Stadtentwicklung in Frankfurt“, präsentiert vom Filmkollektiv Frankfurt. Faszinierend gleich zu Beginn eine beeindruckende historische Filmdokumentation über den Bau der Großmarkthalle in der Zeit von 1926 bis 1928. Im Auftrag der Stadt Frankfurt begleitete der Filmemacher Paul Wolff mit der Kamera die Großbaustelle der vom Architekten Martin Elsaesser geplanten Großmarkthalle.

Sie stand damals für das Neue Frankfurt. Die historische Dokumentation zeigt nicht nur in baukünstlerischer und bautechnischer Hinsicht – zum Beispiel die im Betonspritzgussverfahren hergestellten Tonnengewölbe –, dass mit der Großmarkthalle ein besonderes Bauwerk entstand. „Der Film ist ein Klassiker der Frankfurter Film- und Architekturgeschichte“, begeistert sich Felix Fischl vom Filmkollektiv in seiner Einführung. Aber er ist noch mehr.

Das historische Filmmaterial vermittelt ein Stück Zeitgeist und ist im erweiterten Sinne auch eine ethnografische Alltagsdokumentation einer Baustelle der 20er Jahre. Ein Beispiel: Bauarbeiter, die mit dem Essen von zu Hause von Frau und Kind besucht werden und die Pause gemeinsam verbringen. Die beiden Dokumentationsfilme „Construction Works 2008“ und „Construction Works 2012“, von der EZB in Auftrag gegeben, werden in diesem Sinne auch einmal historische Filmdokumente sein.

An diesem Abend stellen sie erst einmal einen Kontrast zu dem stummen Schwarz-Weiß-Film dar: gleich zu Beginn die Frontalaufnahme eines Bauarbeiters mit gelbem Helm und ohrenbetäubender Baustellenlärm. Später dann die leere Halle und die leeren Kellerräume. Letztere dienten in den 1940er Jahren dem NS-Regime als Sammelpunkt für jüdische Männer, Frauen und Kinder vor der Deportation. Der zweite Teil dokumentiert die eigentlichen Baumaßnahmen mit Abriss der aus dem Denkmalschutz entlassenen Sozialgebäude, aber auch die Restaurierung der Klinkerfassade und des Tonnengewölbes nach dem alten Verfahren.

Konrad Elsässer, Geschäftsführer der Martin-Elsaesser-Stiftung und als Gast geladen, gab eine Einführung zum Umbau der Großmarkthalle und erläuterte in knappen Worten den Urheberrechtsstreit, der 2009 in einem Vergleich endete. Die Stiftung traf eine Vereinbarung mit der EZB und veranstaltet dort regelmäßig Führungen durch die Ausstellung „Elsaesser Exhibition“.

Die den Abend beschließenden beiden Experimentalfilme betrachten den Umbau und die Umnutzung als kritische Reflexion. Filmemacher Gunter Deller, der über zehn Jahre gegenüber der Großmarkthalle gelebt und dort auf den Kaffeegalerien „so manchen morgendlichen Absacker“ genommen hatte, wie er wehmütig erzählte, widmet sich in seinem Film „Fragile fossile“ (2014) den urbanen Veränderungen im Umfeld der EZB. Sabine Schöbl, die von ihrem Büro aus in den Jahren 2011 und 2012 morgens und abends jeweils drei Sekunden den Bau des EZB-Turms filmt, nennt ihr Experimentalwerk „EZB 2011-2012. Eine Super-8-Untersuchung“.

Sie hat die Sequenzen so geschnitten, dass der Turm wächst und immer wieder zusammenzufallen scheint. Trotz der filmischen Unterschiede haben beide Filme eines gemeinsam: In ihnen wird die in der EU seit 2010 währende griechische Finanzkrise thematisiert.

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