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Das freut die Touristen: Mit dem Hubschrauber über die Stadt. 

Reiseziel Frankfurt

Ebbelwei für Kanadier

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Nordamerikaner sollen mit traditioneller Küche und zentraler Lage gelockt werden.

Natürlich geht es um die neue Altstadt, die Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) in den höchsten Tönen lobt. Und um das Opernhaus, auch bekannt als „das Bayern München unter den deutschen Opern“ (Tourismus-Chef Thomas Feda). Fehlt noch der Handkäs, über den Jasmin Bischoff, Marketingdirektorin bei der städtischen Tourismus- und Congress GmbH (TCF), sagt: „Vielleicht müssen Sie ihn ein paar Mal probieren, bevor Sie ihn mögen.“

Das alles mag für Frankfurterinnen und Frankfurter bekannt und womöglich etwas klischeehaft klingen. Doch auf der Delegationsreise der Stadt nach Toronto sind diese Informationen wichtig und müssen bei einer Videopräsentation ausführlich dargestellt werden. Denn die Zielgruppe sind die Vertreter der kanadischen Tourismusbranche, die zur Frankfurt-Show in ein Hotel in Toronto gekommen sind.

Die Touristenzahlen steigen von Jahr zu Jahr. Laut der städtischen Tourismus- und Congress-Gesellschaft besuchten im Jahr 2018 rund 5,9 Millionen Gäste die Stadt Frankfurt . Insgesamt wurden über 10 Millionen Übernachtungen gebucht. Das ist ein Plus von 5,9 bzw. 6,3 Prozent.

Rund 58 Prozent der Touristen kommen aus dem Inland, 19 Prozent aus Europa, die restlichen 23 Prozent aus Asien, Amerika, Afrika und Ozeanien.

Spitzenreiter bei den Gästezahlen ist Großbritannien (rund 187 000), gefolgt von Spanien, Italien und Frankreich.

Aus Kanada kamen im vergangenen Jahr rund 37 600 Menschen nach Frankfurt, das ist gesamt gesehen ein Anteil von 0,6 Prozent

Eine Delegationsreise, an der Peter Feldmann und weitere Politiker teilnehmen, ist für Bischoff ein „wichtiger Türöffner“. Die Marketingdirektorin will nicht einfach Werbeplakate für Frankfurt in der Innenstadt von Toronto aufhängen. Zumindest auf Dauer wäre das auch gar nicht zu bezahlen.

Deshalb hat sie es auf Multiplikatoren abgesehen, auf Reisejournalisten etwa. Vor ein paar Jahren war eine Reporterin der „New York Times“ in Frankfurt. Insbesondere vom Bahnhofsviertel war sie derart angetan, dass sie Frankfurt in die „52 Places to see“ aufnahm. Dieser Bericht sei für die Stadt einfach großartig gewesen.

Bis sich ein Reporter der „Globe and Mail“, der größten Zeitung Kanadas, in Frankfurt blicken lässt, müssen Bischoff und Feda die Vertreter von Reise- und Fluggesellschaften überzeugen, dass sich für ihre Kunden ein Aufenthalt in Frankfurt lohnt. Dabei könne man kanadische Touristen durchaus auch mit traditioneller Frankfurter Küche locken, sagt Bischoff. Insofern sei der obligatorische Hinweis auf den Handkäs wichtig. Anders als etwa viele Gäste aus Indien, die vor allem in indischen Restaurants essen wollten, gingen die Nordamerikaner durchaus in die Ebbelwei-Wirtschaften in Sachsenhausen und Bornheim.

Doch Illusionen machen sich die TCF-Vertreter nicht. Nur um Frankfurt zu besuchen, werde kaum ein Tourist aus Kanada den mehr als siebenstündigen Flug aus Toronto auf sich nehmen, sagt Bischoff – trotz der Wiedereröffnung des Jüdischen Museums, trotz der Van-Gogh-Ausstellung im Städel und der anderen bevorstehenden kulturellen Attraktionen, die sie aufzählt.

Und so wirbt Frankfurt in Toronto auch mit der Nähe zu anderen Städten. In einer Stunde lasse sich Köln erreichen, zählt Peter Feldmann auf, nach Stuttgart brauche es nur etwas länger, und Heidelberg sei quasi um die Ecke. Hinzu kommen Ausflugsziele in der Region. Der Taunus und der Rheingau etwa ließen sich hervorragend mit dem Motorrad erkunden, sagt Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU): „Oder Sie mieten sich einen Porsche und fahren über die Autobahn – ohne Tempolimit.“

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