Loreena McKennitt

Reisende Lieder

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Die Singer-Songwriterin Loreena McKennitt war in der Alten Oper zu hören.

Nur noch ein Hauch des einstigen Irisch-Rot überzieht im Scheinwerferlicht der Frankfurter Alten Oper die grausilberne Wallemähne von Loreena McKennitt. Sie hat ein neues Studioalbum im Gepäck, das erste seit zehn Jahren. „Das Leben“, hat sie kürzlich im Interview gesagt, sei dazwischengekommen: Tourneen, Recherchereisen, die Pflege der kranken Mutter. Von den Reisen erzählt sie gern in ihren mäandernden Ansagen: Sie spürt dem Keltentum nach, von den britischen Inseln bis nach Kleinasien und sogar ins uigurische Ürümqi, wo mutmaßlich keltische Mumien gefunden wurden. Ihre Lieder seien so eine Art Reiseberichte, sagt McKennitt.

Anfang und Mitte der 90er Jahre hatte McKennitt ihre größten Erfolge mit den Alben „The Visit“, „The Mask and Mirror“ und „The Book of Secrets“. Das neue Album „Lost Souls“ ist nur in Teilen neu: Viele Songs hat sie über die Jahre geschrieben und jetzt zum ersten Mal aufgenommen, in der bewährten melodischen Rezeptur mit Anklängen an keltisches Liedgut und mit orientalischen Ornamenten.

Vor zwei Jahren war McKennitt mit der reduzierten Besetzung ihres Grammy-nominierten Albums „Troubadours on the Rhine“ in der Alten Oper. Die täuschend echt blakenden Kandelaber hat sie wieder mitgebracht, ebenso wie den Gitarristen Brian Hughes, die Cellistin Caroline Lavelle und den Geiger Hugh Marsh. Hinzu kommen diesmal Dudley Philips am Bass und Robert Brian am Schlagzeug.

Dank der größeren Besetzung ragen intensive Momente aus dem behaglichen Ambiente, in denen der Rhythmus sich ins Tänzerische traut, die E-Gitarre ein verzerrtes Solo wagt oder die Streicher sich irischer Raubeinigkeit annähern. Hughes dickt den Sound oft mit synthetischem Wohlklang an, hat aber auch (irische) Bouzouki, Oud und Akustikgitarre dabei. Lavelle trägt neben ihrem Cello Blockflötenklänge bei, und Marsh lässt neben energischen Soli auch ätherische Flageolettschwebungen erklingen.

McKennitt wechselt zwischen Harfe, Flügel und Handharmonika. Ihre Singstimme hat in den Tiefen an Reife gewonnen, die Höhen sind druck- und klangvoll, manchmal etwas schrill abgemischt. Die im kanadischen Manitoba Geborene lebt auf dem Land bei Stratford, Ontario, einem nach dem englischen Geburtsort Shakespeares benannten Städtchen. Das passt zu ihrer Vorliebe für große Dichter englischer Zunge: Sie hat William Butler Yeats’ „The Two Trees“ und „The Ballad Of The Foxhunter“ sowie Alfred Tennysons „Lady Of Shalott“ im Gepäck.

Es gibt Standing Ovations. Man lebe zwar in wechselhaften Zeiten und solle mit Vorhersagen vorsichtig sein, sagt McKennitt, aber sie komme im Sommer wieder. Im Juli wird sie in Mainz auf der Zitadelle spielen.

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