Familien fahren am liebsten mit dem Auto in Urlaub.  
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Familien fahren am liebsten mit dem Auto in Urlaub.  

Interview

Reisen in der Corona-Krise: Familien sind am liebsten mit dem Auto unterwegs

  • Anja Laud
    vonAnja Laud
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Trotz der Corona-Lockerungen sind Flugreisen für viele immer noch keine Option. Die Inhaber zweier Frankfurter Reisebüros erzählen von ihrem Alltag.

Reisen in Zeiten von Corona, das ist für viele wegen des Ansteckungsrisikos ein schwieriges Thema. Über das Buchungsverhalten etwa von Familien und über ihre eigene finanzielle Lage sprechen die Inhaber zweier Frankfurter Reisebüros.

Immer mehr Länder öffnen ihre Grenzen für Touristen. Sind Flugreisen wieder attraktiv?
Nein. Nur wenige Kundinnen und Kunden nehmen zu Pete Schöne, Inhaber der Reiselounge Frankfurt-Riedberg, Kontakt auf, um über sein Reisebüro Flüge zu buchen. „Viele Kunden sind immer noch sehr unsicher, ob Sie fliegen wollen“, sagt Schöne. Thomas Kolb, Inhaber des Reisebüros Thomas Kolb Reisen im Sandweg, kann das nur bestätigen. Er habe in den vergangenen Wochen einzelne Flüge für Kunden gebucht. In erster Linie seien das aber Geschäftsreisen gewesen. Privatkunden bevorzugten das eigene Auto oder die Bahn.

Was buchen Kundinnen und Kunden derzeit
„Meine Kunden bevorzugen landgebundene Reisen innerhalb der Europäischen Union“, sagt Thomas Kolb. Er habe beispielsweise gerade für einen seiner Stammkunden eine Rundreise mit dem Mietwagen durch die Normandie organisiert. Auch Buchungen für Bahnreisen nach Italien und Kroatien habe er gehabt, sagt er.

Unterscheidet sich das Reiseverhalten von Familien von denen der übrigen Urlauber?
Familien hätten derzeit nur wenig Interesse an Flugreisen, sagt Pete Schöne, dessen Reisebüro sich wegen der Bevölkerungstruktur auf dem Riedberg auf Familien spezialisiert hat. Familien gerade mit kleinen Kindern hätten nicht zwingend Angst vor einer Infektion, sondern sie seien unsicher, was sie vor Ort erwarte und ob die Lage dort stabil bleibe. Im Zweifel blieben Familien, so Schöne weiter, dann lieber zu Hause oder machten Urlaub bei den Großeltern. Wenn sie dennoch einen Urlaub buchten, wollten sie selbst mit dem Auto an- und abreisen.

Welche Reiseziele bevorzugen Familien?
Deutschland und das deutschsprachige Ausland, sagt Pete Schöne. Vor allem die Ostsee werde stark nachgefragt.

Wie ist das Kundenaufkommen in den Reisebüros?
Die Zahl der Kundinnen und Kunden hat auch nach den Lockerungen der Corona-Beschränkungen in beiden Reisebüros kaum zugenommen. „An mich wenden sich in erster Linie nur Stammkunden“, sagt Kolb. Es sei derzeit selten, dass jemand direkt in sein Geschäft komme. Im Herbst wollte er eigentlich einen Auszubildenden anstellen. Doch das könne er sich nicht mehr leisten. Auch in Schönes Reiselounge schauen nur wenige Kunden vorbei. „Wir haben bisher nur zehn Prozent der Buchungen erreicht, die wir im Vorjahr hatten“, sagt er.

Kann ich für meine Familie im Juli noch eine Reise im deutschsprachigen Ausland buchen?
Das kommt darauf an, was Sie wollen, sagt Schöne. Wenn Sie jetzt für Juli an der Ostsee ein Hotel oder eine Ferienwohnung direkt am Strand buchen wollen, sieht es schlecht aus, und auch sonst könnte es eng werden. Denn speziell in den Hotels stehe ja wegen der Sicherheitsauflagen nur eine begrenzte Zimmerzahl zur Verfügung.

Was erwarten die Reisebüros für den August?
„Wir hoffen, dass sich bis August die Lage mehr entspannt und bei den Reisenden die Zuversicht wächst, dass sie trotz Corona sicher reisen können“, sagt Schöne. Kolb, Reisespezialist für Oman, sieht für sein Reisebüro so schnell keinen Aufwind. Die Infektionszahlen in dem Sultanat seien, obwohl die dortigen Behörden einschneidende Maßnahmen ergriffen hätten, hoch. Die deutsche Bundesregierung habe deshalb eine Reisewarnung ausgesprochen.

Auf welche Probleme stoßen Reisebüros?
Während des Shutdowns waren die meisten damit beschäftigt, Reisen für Kundinnen und Kunden zu stornieren oder umzubuchen. Mit großem Zeit- und Arbeitsaufwand, wie Schöne sagt, und ohne etwas daran zu verdienen. Er und Kolb klagen über Reiseveranstalter, die nicht nur für deren direkte Kunden, sondern selbst für Reisebüros schlecht zu erreichen seien. „Ich verbringe endlose Zeit am Telefon in Warteschleifen, und wenn ich dann doch jemand erreiche, kann derjenige mir nicht helfen“, sagt Kolb und schildert den Fall eines Kunden, der Ende August auf die griechische Insel Mykonos reisen wolle und nicht wisse, ob er in dem bei DER Touristik gebuchten Hotel tatsächlich unterkomme. „Ich versuche seit Wochen, dies mit DER zu klären, aber immer ohne Ergebnis. Schließlich habe ich direkt im Hotel angerufen und erfahren, dass es geschlossen ist“, sagt er.

Wie ist die finanzielle Lage der Reisebüros?
Die Reisebüros profitieren von dem im Juni beschlossenen Konjunkturprogramm der Bundesregierung. Neben den Fixkosten, die sie seit Beginn der Corona-Krise erstattet bekommen, erhalten sie bis August eine sogenannte Überbrückungshilfe, um Umsatzrückgänge auszugleichen. „Das bezieht sich aber nur auf die Reisen, die bis Mitte März gebucht wurden und storniert werden mussten“, sagt Kolb, der derzeit wie viele seiner selbstständigen Kollegen auf Hartz IV angewiesen ist. Das, was den Reisebüros in den Monaten danach an Umsätzen verloren gegangen sei, würde nicht ausgeglichen. Auch werde die Hilfe nur bis August gewährt. Kritik übt er am Land Hessen. „Anders als in Baden-Württemberg stockt das Land hier nicht die Überbrückungshilfe des Bundes mit einem sogenannten Unternehmerlohn in Höhe von bis zu 1180 Euro pro Monat auf“, sagt er. Genau dies sei aber nötig, denn als Unternehmer sei er beispielsweise privat versichert, und diese Beträge müsse er weiter leisten. Das sei einer der Gründe, warum die Staatshilfe nicht ausreiche.

Die Gespräche wurden geführt von Anja Laud.

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