+
Fürchten die Insolvenz: Reisebüro-Inhaberinnen.

Corona-Krise

Reisebüros stehen vor Insolvenzwelle

  • schließen

Mittelständische Unternehmer fühlen sich als wahre Leidtragende der Corona-Krise.

Auf dem Römerberg sind mal wieder Menschen mit Koffern unterwegs. Allerdings sind es keine Touristen. Die gibt es derzeit ja kaum, und das ist genau das Problem der Menschen mit den Koffern. Vor dem Römer demonstrieren an diesem Mittwoch Inhaber kleiner Reisebüros, die durch die Corona-Krise doppelt hart getroffen sind. „Leere Koffer – leere Kassen“ lautet ein gleich mehrmals bemühter Slogan der Demonstranten. Während Gastronomen und Einzelhändler wieder geöffnet haben und auf Kunden hoffen dürfen, sieht es bei den Reisebüros mau aus. „Es kommt doch niemand mehr“, klagt Thomas Kolb. Der Besitzer eines Reisebüros im Sandweg hat den bundesweiten Protest der Branche für Frankfurt organisiert. Die Soforthilfe der Bundesregierung sei für die Reisebüros nicht ausreichend. Denn sie hätten nicht nur die Einnahmeverluste aus der Zeit der Schließung, sondern müssten auch noch viel Geld und Provisionen ausgefallener Reisen zurückzahlen, das sie eingenommen haben, als es die Krise noch nicht gab, so die Argumentation der Betroffenen.

Während viele Einzelhändler oder Dienstleister derzeit von ihren Kunden große Solidarität erfahren, versteht der Deutsche beim Reisen offenbar keinen Spaß, wie Frauke Schirmer zu berichten weiß. „Ich werde gerade von einem Kunden verklagt“, sagte die Reiseexpertin, die Safaris anbietet. „Safari ohne Reisen - Zoo“, hat Schirmer auf ihrem Schild stehen. Ein enttäuschter Kunde wolle Geld zurück, das sie selbst noch nicht von der Fluggesellschaft erhalten habe. Zu den Einnahmeausfällen kämen also Forderungen nach Geld, das gar nicht im Reisebüro verblieben sei. „Als ich den Kunden gefragt habe, ob ich eine Servicepauschale für meine Dienstleistung abziehen dürfe, hat er Nein gesagt“, zeigt sich Schirmer enttäuscht.

Die Reisebüros fordern einen Schutzschirm für ihre Branche, eine Fondslösung für eine anteilige Übernahme der entgangenen Provisionen der vermittelten und abgesagten Reisen. Andernfalls sehe es sehr düster aus, fürchtet Kolb.

Wie viele Reisebüros es noch in Frankfurt gibt, weiß Kolb nicht, aber er sagt, dass es bald sehr viel weniger sein werden. Im Juli, wenn die Soforthilfe ausgelaufen sei, müsse etwa die Hälfte Insolvenz anmelden. „Wir brauchen eine Perspektive, aber wir haben einfach keine Lobby wie die Autoindustrie“, klagt Kolb und zeichnet ein düsteres Bild von der Zukunft der Reisebüros. Bald schon könnten Internet-Giganten wie Amazon die Branche übernehmen, fürchtet er. Dann sei es mit persönlicher Reise-Beratung vorbei. Die Branche hofft daher auf einen Schutzschirm - und darauf, dass es bald wieder Touristen mit Koffern gibt, in denen etwas drin ist.

Auch in Wiesbaden wurde am Mittwoch demonstriert. Dort zeigte Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) Verständnis für die Reisebranche. Die Situation sei ernst und es sei ein Anliegen der Landesregierung, dass möglichst viele Reisebüros die Krise überständen. Die Soforthilfe habe viele Betriebe unterstützt. „Alle Umsatzausfälle aber konnten und können nicht aufgefangen werden“, dämpfte der Minister die Hoffnungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare