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Inge Braun, Geschäftsführerin der Pappnase. Sie hätte gerne den Laden in Frankfurt gehalten.

Pappnase schließt

Das Ende der "Pappnase"

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Nach fast 30 Jahren schließt das Fachgeschäft für Artistik und Spiel auf der Leipziger Straße. Die Stammkunden sind geschockt wie traurig. Am Samstag ist der letzte Tag.

Als Erstes ist da der Unglaube, gefolgt von Tränen. „Wie, Sie machen zu?“ „Die ,Pappnase‘ ist doch eine Institution in der Stadt.“ Eine Stammkundin drückt es am Donnerstagmittag so aus: „Meine ganze Familie heult, seitdem wir wissen, dass Sie schließen.“ Der Einzige, der noch lachen kann, ist Ernie von der Sesamstraße. Er hängt in einer Ecke des Bockenheimer Ladens „Pappnase & Co“ zum Verkauf.

Geschäftsführerin Inge Braun kämpft selbst mit den Tränen. Denn an diesem Samstag ist nach fast 30 Jahren Schluss mit dem legendären Fachgeschäft für Artistik und Spiel auf der Leipziger Straße. „Ich bin sehr traurig, aber ich kann so nicht weitermachen. Die Umsätze sind viel rückläufiger als in meinen anderen beiden Filialen in München und Stuttgart. Die Miete ist parallel gestiegen“, erzählt Braun. Die Fassade habe der Inhaber des Hauses erst vor wenigen Monaten sehr schön neu gestaltet, daher aber auch die Mieterhöhung. Der heiße Sommer habe zu sehr schlechten Einnahmen geführt. Überhaupt sei 2018 ein extrem schlechtes Jahr gewesen. „Dabei hatten wir erst 2016 in den Innenausbau investiert, und kurz nach dem Umbau lief das Geschäft die ersten Monate richtig Klasse“, erzählt Braun.

Das rückläufige Geschäft könne sie sich nicht wirklich erklären. „Das Konzept hat gestimmt, wir haben so viel Lob bekommen“, sagt die 58-Jährige, die in Schwäbisch Hall lebt.

Diese letzten Tage hilft sie ihren vier Mitarbeitern beim Schlussverkauf in Frankfurt. Am heutigen Freitag gibt es 30 Prozent Rabatt, am Samstag sogar 50 Prozent Rabatt. „Außer auf Bücher“, so Braun. Im April 1991 feierte sie hier einst die Eröffnung. Hier bekommt man so ziemlich alles, was Spaß macht. „Aber gleichzeitig auch pädagogisch wertvoll ist oder zumindest auch immer einen Sinn ergeben sollte“, wie es Braun ausdrückt.
Ein bisschen ist es auch eine Reise in die Vergangenheit, in eine Kindheit, in der man noch mit Seifenblasen statt mit der Playstation gespielt hat. Hier gibt es auch noch das Kartenspiel „Halli Galli“, bei dem man auf die Glocke haut, wenn man fünf gleiche Früchte auf seinen Karten hat.

Aber auch Einräder, Jonglier-Anleitungen, Zauberkästen und Bilderbücher gibt es. „Hier habe ich auch immer eine tolle Beratung bekommen, wenn ich Geschenke gesucht habe“, sagt eine Stammkundin. Lustige Geschenke sind die Wollmützen mit eingebautem Licht, eine winkende Queen, mit Solarenergie betrieben, oder Elvis-Koteletten names „Instant Sideburns“. Früher sei die „Pappnase“ auch eines der Geschäfte für Verkleidungen gewesen. „Aber da gibt es jetzt so viele große Läden, die auf günstige Faschingskostüme spezialisiert sind“, so Braun. Andor (7) löst gerade seinen Weihnachtsgutschein ein. Ein Luftballon und noch paar andere Kleinigkeiten. „Ich bin sehr traurig, dass die ,Pappnase‘ schließt“, sagt er.

„Wenn ich ein gutes Angebot von einem Vermieter mit einer bezahlbaren Miete in guter Lage bekomme, würde ich auch noch in Frankfurt weitermachen. Ich hatte auch gesucht, aber bislang nichts gefunden“, sagt Braun. An der Glasscheibe hängen zum Abschied die Liedzeilen von Reinhard Mey: „Die Zeit des Gauklers ist vorbei.“

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