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Vielfaches menschliches Versagen ist ursächlich für den Tod der Sechzehnjährigen. Foto: Maik Reuß
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Vielfaches menschliches Versagen ist ursächlich für den Tod der Sechzehnjährigen.

Verkehrssicherheit

Reihe von Fehlern und Mängeln an Bahnübergang in Frankfurt

  • VonMichael Forst
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Bericht zum Unfall an der Bahnschranke Nied kritisiert fehlende Sicherheitschecks

Die beim tödlichen Unfall an der Bahnschranke Oeserstraße am 7. Mai 2020 diensthabende Schrankenwärterin hätte nicht eingesetzt werden dürfen. Zu diesem Schluss kommt der 50 Seiten starke abschließende Bericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung in Bonn. Zwar hatte die Frau gut fünf Monate zuvor sowohl die schriftliche als auch die mündliche Schrankenwärterprüfung bestanden – zur mündlichen Prüfung hätte sie jedoch gar nicht erst zugelassen werden dürfen, weil ihr eine „Bescheinigung über die Durchführung der Ausbildung am Arbeitsplatz“ gefehlt habe. Bei dem Unglück war eine 16 Jahre alte Jugendliche aus Nied auf dem Bahnübergang getötet und zwei weitere Menschen schwer verletzt worden, als ein Regionalzug der Hessischen Landesbahn (HLB) bei geöffneten Bahnschranken durchfuhr.

Zudem bestätigt der Bericht, was bereits ein Zwischenreport Ende Juli vergangenen Jahres festgestellt hatte: „Primär ereignisursächlich“ soll demnach ein Arbeitsfehler der Schrankenwärterin gewesen sein. Sie hatte, möglicherweise in der falschen Annahme, dass der Unglückszug den Bahnübergang bereits in Richtung Mainzer Landstraße passiert hatte, die Schranke von Hand geöffnet.

Gegen die Schrankenwärterin wird wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung des Bahnbetriebs ermittelt. Der Abschlussbericht führt aber auch viele Punkte und Mängel auf, die nicht in der Verantwortung der Bahnmitarbeiterin liegen. Angefangen bei der langjährigen Stagnation in den politischen Bemühungen, den Bahnübergang zu beseitigen, bis hin zu einer auffallend langen Liste technischer Störungen am Bahnübergang Oeserstraße.

Auch kurz vor dem Unglück hatte es laut Bericht Probleme gegeben: Etwa 30 Minuten lang ließen sich die Schranken nicht mehr öffnen. Das habe „erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen“ zur Folge gehabt. Die „störungsbedingte Stresssituation durch die unmittelbare Nähe zu den wartenden Bahnübergangsbenutzern“ habe wohl „zusätzlich stressverstärkend und ablenkend“ gewirkt. Ebenso stellt der Bericht die mangelnde Schlagzahl an technischen Überprüfungen des Zustands der Anlage fest. Vorgesehen sind diese sogenannten Verkehrsschauen alle zwei Jahre. Im Falle der Oeserstraße habe es die bislang letzte jedoch bereits im April 2015 gegeben. Die nächste hätte kurz vor dem Unglück stattfinden sollen, war aber wegen der Pandemie abgesagt worden.

Ein künftig einzuhaltender Zwei-Jahres-Turnus bei den Verkehrsschauen gehört denn auch zu den abschließenden Sicherheitsempfehlungen des Berichts. Weiter empfehlen die Gutachter, „die Bedingungen für das Zulassen von Zugfahrten über den Bahnübergang unter ausschließlicher menschlicher Sicherheitsverantwortung um risikominimierende Maßnahmen zu erweitern“. Gemeint sein könnte damit beispielsweise ein zweiter Mitarbeiter im Schrankenwärterhäuschen, der über die korrekte Bedienung der Technik wacht.

Auch empfiehlt der Bericht, die Bahnübergangstechnik unabhängig der laufenden Bestrebungen zur Beseitigung des Bahnübergangs zu ersetzen. Genau das haben Bahn und Stadt angekündigt: In einem dreistufigen Plan soll zunächst bis zum Jahresende die veraltete Sicherungsanlage durch moderne Technik ersetzt werden.

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