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Volker Kaiser-Klan Anfang März kurz vor dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft.

Porträt der Woche

Der Regisseur: Volker Kaiser-Klan im Portrait

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Richter Volker Kaiser-Klan verkündet heute das Urteil zum Mord an Irina A.

Wie gut, dass Volker Kaiser-Klan auch Mediator ist. Seine 250-stündige Zusatzausbildung hat dem Vorsitzenden Richter am Landgericht Frankfurt in den vergangenen sechs Monaten geholfen, die Scharmützel zwischen Staatsanwältin Miriam Haßbecker und Verteidiger Hans Euler zu schlichten. „Jetzt beruhigen wir uns alle mal wieder“, sagte der 64-Jährige dann in unaufgeregtem Ton. Aber der Vorsitzende Richter der 21. Strafkammer hat sich in dem enervierend langen Prozess nicht immer für die Beruhigung zuständig gefühlt. Als er etwa von der Verteidigung wissen wollte, wie es jetzt weitergehe, und er als Antwort erhielt, das werde jetzt in Ruhe überlegt, fragte Kaiser-Klan in einem Anflug von Ungeduld: „Wo soll die Ruhe hinführen?“ Oder als Verteidiger Euler sich auf einen Zeugen, der zu einer Latzhose Stellung nehmen sollte, erst noch vorbereiten wollte, entfuhr dem Vorsitzenden, „das kann man jetzt nicht ernst nehmen“.

Kaiser-Klan, gebürtiger Südhesse, hat in Frankfurt Jura studiert und das Staatsexamen als Bester seines Jahrgangs abgeschlossen. Der Vater von zwei Kindern leitete zunächst die 30. Strafkammer des Landgerichts, die sich auch um Staatsschutzverfahren kümmert, bevor er Anfang 2017 von Klaus Drescher den Vorsitz der 21. Strafkammer übernahm. Als Vorsitzender einer der Schwurgerichtskammern ist Kaiser-Klan mit den großen Fällen befasst, die mit Mediation nicht mehr zu lösen sind. Zuletzt etwa verhandelte er den Mord an dem Wettbürobetreiber Oliver F. , der in Sachsenhausen auf offener Straße erschossen worden war.

In seinen Prozessen redet Kaiser-Klan immer Klartext. Etwa, als er den Rapper Hassan Annouri schweren Herzens aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf des versuchten Totschlags freisprechen musste: „Die polizeiliche Ermittlungsarbeit war eine 4 minus, wenn überhaupt.“ Auch Angeklagtem und Verteidigung liest der Mediator in Urteilsverkündungen gerne mal die Leviten. „Makaber, absurd, völlig unglaubhaft“ seien die Angaben gewesen, die ein 37-Jähriger machte, der seine Frau im Schlafzimmer erstickt hatte. Seine Prozesse versucht Kaiser-Klan aber immer auch mit einer Prise Humor zu führen. Als im Verfahren gegen M. wieder mal eine Partynudel im Zeugenstand aussagte, warf der 64-Jährige ein: „Das sind die Codewörter dieses Verfahrens: Flasche und Handtasche“.

Nach seinen Hobbys befragt, überlegt Kaiser-Klan zunächst und sagt dann: „Ich organisiere gerne Veranstaltungen.“ Wie etwa den Richterratschlag im vergangenen Jahr in Frankfurt-Höchst. Kaiser-Klan arbeitete dort nicht nur das Programm für die dreitägige Zusammenkunft der Juristen aus, sondern trat dort auch mit einer Performance als inhaftierter Richter schauspielerisch in Erscheinung. Zudem ist der Güterichter am Landgericht auch als Ausbilder für andere Mediatoren und Güterichter aktiv und hat einen Lehrauftrag an der Hochschule Fulda.

Liiert ist Kaiser-Klan mit Yvonne Ott, die einst selbst Richterin am Frankfurter Landgericht war, heute aber am Bundesverfassungsgericht tätig ist. Auch sie bringt zwei Kinder in die Beziehung ein. Inwieweit Kaiser-Klan dabei als Mediator gefragt ist, ist nicht bekannt.

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