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Regionaltangente West: Spatenstich nach 30 Jahren Planung

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Von: Florian Leclerc

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Im Jahr 2028 soll die RTW fahren - im südlichen Abschnitt vielleicht schon etwas früher. Christoph Boeckheler
Im Jahr 2028 soll die RTW fahren - im südlichen Abschnitt vielleicht schon etwas früher. Christoph Boeckheler © Christoph Boeckheler

Der Abschnitt Süd eins der Regionaltangente West geht in den Bau. Verkehrsminister Al-Wazir spricht von einem „historischen Tag“.

Klaus Oesterling geht gemessenen Schrittes zum Spatenstich der Regionaltangente West am Stadion. Der frühere Frankfurter Verkehrsdezernent ist einer der vielen Väter - und Mütter - dieses Infrastrukturprojekts, das seit Jahrzehnten im Rhein-Main-Gebiet diskutiert und geplant wird. „Es muss etwa 1989 gewesen sein, als ich im damaligen Umlandverband gearbeitet habe, als die Pläne für die RTW aufkamen - damals als Magnetschwebebahn“, erinnert sich Oesterling.

In die spitzen weißen Zelte am Parkplatz Gleisdreieck strömen am Montagmorgen Dutzende Menschen, die sich für die RTW engagiert haben. Rolf Valussi ist dabei, der frühere Geschäftsführer der RTW-Planungsgesellschaft, dem es gelang, EU-Fördermittel einzuwerben. Sein Nachfolger Horst Amann natürlich auch, der den Bau bis spätestens 2028 zu Ende bringen will.

Züge im Abschnitt Süd eins könnten 2026 fahren

Womöglich könnten die Züge im Abschnitt Süd eins, in dem die Arbeiten nun offiziell beginnen, schon 2026 fahren - der Abschnitt reicht vom Knoten Schwanheim über den Frankfurter Flughafen und den Bahnhof Frankfurt-Stadion nach Neu-Isenburg Bahnhof und Dreieich-Buchschlag.

Es ist nicht übertrieben, dass der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) von einem „historischen Tag“ spricht. Denn in 30 Jahren ist viel geplant und noch mehr geredet worden über die Schienenstrecke, welche Frankfurt im Westen nur streift und ansonsten umkurven wird.

Zunächst mussten die anliegenden Kommunen überzeugt werden mitzumachen. Die wollten dann bei der Trassenfindung und der Finanzierung auch mitreden. Die Stadt Frankfurt wiederum war lange gewohnt, dass alle Bahnverbindungen zentral in die Innenstadt führen. Sie musste umdenken. Dabei half, dass der S-Bahn-Tunnel und der Zulauf zum Hauptbahnhof an ihren Kapazitätsgrenzen sind.

Ein Selbstläufer war die RTW aber nie. „Das Projekt stand mehrfach auf Messers Schneide“, erinnert sich Stefan Majer (Grüne), Verkehrsdezernent in Frankfurt. Das habe nicht nur am Hin und Her mit den Anliegerkommunen gelegen, sondern auch am Planungsrecht, das keine schnellen Abläufe vorsehe.

Das Projekt

Die Regionaltangente West wird in vier Abschnitten gebaut. Für den Abschnitt Süd eins war am Montag offizieller Baubeginn. Die übrigen vier Abschnitte, die bis Bad Homburg und Bad Soden reichen, befinden sich in unterschiedlichen Planungsstadien. Die Gesamtkosten werden momentan mit einer Milliarde Euro angegeben, die überwiegend von Bund und Land finanziert werden.

Die RTW besteht aus zwei Linien - eine von Bad Homburg bis Neu-Isenburg Birkengewann - die andere von Bad Soden beziehungsweise dem Frankfurter Nordwestzentrum bis nach Dreieich-Buchschlag. Eine Verlängerung von Dreieich nach Langen wird untersucht. Beide Linien sollen alle 30 Minuten fahren. Auf den gemeinsam befahrenen Abschnitte ergibt sich ein Viertelstundentakt. Eingesetzt werden sollen Zweisystemfahrzeuge, die auf Bahngleisen und Tramgleisen fahren können.

Die RTW soll an 26 Haltestellen halten, darunter dem Frankfurter Flughafen. Zwölf Haltestellen gibt es bereits. Die gesamte Strecke ist etwa 50 Kilometer lang.

Schritte auf dem Weg zum Baubeginn waren die Gründung der RTW Planungsgesellschaft (2008), die Zusicherung von Planungsunterstützung durch das Land Hessen (2010), der Beitritt des Landes und weitere Kommunen als Gesellschafter (2014), die Förderung der RTW durch die Europäische Union (2015), die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung und die Abgabe von Planfeststellungsunterlagen (ab 2017). fle

„Noch ein Gutachten hier, ein Gutachten da“, erinnert sich einer, der es wissen muss. Außerdem die Bürgerbeteiligung mit Einwendungen von Betroffenen - und auch den Verwaltungen. Zum Schluss der Planung können noch Klagen folgen und Projekte verzögern - siehe den Ausbau von A66 und A661 im Frankfurter Osten.

Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), erinnert daran, dass die Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr im RMV-Gebiet bis 2030 um ein Drittel steigen sollen - in Bezug auf das Niveau vor der Pandemie. Die Auslastung von etwa zwei Dritteln der Fahrgäste während der Pandemie im Vergleich zu 2019 steige mittlerweile wieder spürbar, sagt er. Im RMV-Gebiet sei die RTW die erste wirkliche Neubaustrecke. Sie soll 60 000 Menschen am Tag befördern.

Weil sie den Flughafen ohne Umweg über die Frankfurter Innenstadt anbindet, nennt Stefan Majer sie gerne „Arbeitsplatzlinie“. Er schwärmt von ihr aber auch als „Sportstättenlinie“ - wegen des Waldstadions und der möglichen Multifunktionsarena - und „Wohngebietslinie“ - denn Planungsdezernenten würden nun auf die Idee kommen, entlang der ausgebauten Infrastruktur auch Wohnraum anzusiedeln.

Claudia Jäger (CDU), Erste Beigeordnete aus dem Kreis Offenbach und einzige Sprecherin in der männerdominierten RTW-Sphäre, legt noch Wert darauf zu erwähnen, dass die Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach in einer Vorstudie gezeigt hatte, wie eine Südtangente aussehen könnte - im Korridor Offenbach, Oberrad und Sachsenhausen.

Für diese Südtangente stehen noch weitere Untersuchungen aus. Sie sind abhängig davon, wie die Deutsche Bahn den Fernbahntunnel durch Frankfurt führen will und ob er im Osten zwei Ausgangspunkte nördlich und südlich des Mains bekommt oder nur einen.

Die Südtangente soll Teil eines Schienenrings rund um Frankfurt werden. Für eine Regionaltangente im Osten will der RMV in Kürze eine Machbarkeitsstudie starten.

Vielleicht werden dann auch Radwege parallel zur Strecke mitgeplant. Das haben die Kommunen, die rechtlich dafür zuständig sind, gemeinsam mit der Planungsgesellschaft bei der Regionaltangente West versäumt.

So soll die RTW an der Mörfelder Landstraße aussehen. RTW Planungsgesellschaft
So soll die RTW an der Mörfelder Landstraße aussehen. RTW Planungsgesellschaft © RTW Planungsgesellschaft
Die Stabbogenbrücke nahe dem Parkplatz Gleisdreieck soll im August 2024 fertig sein. RTW Planungsgesellschaft
Die Stabbogenbrücke nahe dem Parkplatz Gleisdreieck soll im August 2024 fertig sein. RTW Planungsgesellschaft © RTW Planungsgesellschaft

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