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Der politische Demonstrationszug ist das Herzstück des mehrtägigen CSD-Programms.

Diversität

Regenbogenflagge an der EZB

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Beim CSD laufen auch viele Unternehmen mit, um für Diversität am Arbeitsplatz einzutreten.

Sichtbar sein. Darum geht es allen Unternehmensvertretern, die mit der FR über ihre Teilnahme am diesjährigen Christopher Street Day (CSD) in Frankfurt gesprochen haben. „Es ist wichtig, sichtbar zu sein, weil Sichtbarkeit Akzeptanz weckt. Nach innen, als Signal an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie auch nach außen, weil wir Teil der lokalen Community sind“, sagt etwa Gijsbert ter Kuile. Der 47-jährige Niederländer arbeitet als Jurist für die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank - und er ist Vorstand des 2014 gegründeten Rainbow Networks in der EZB, das am kommenden Samstag erstmals beim Demonstrationszug des CSD mitlaufen wird.

Gemeinsam.

180 europablaue T-Shirts ließen ter Kuile und sein Team mit den Umrissen der drei EZB-Gebäude in Regenbogenfarben und dem Netzwerk-Slogan „our euro, our pride“ bedrucken. „Aber es haben sich mehr als 300 Kolleginnen und Kollegen angemeldet, wir sind völlig überwältigt von diesem Zuspruch, das hatten wir nicht erwartet“, sagt ter Kuile, der sich auch freut, dass sein Arbeitgeber das Wochenende über die Regenbogenflagge hissen wird.

Die internationale Laufgruppe der Zentralbank ist eines von zahlreichen Firmenteams, die auf dem CSD unterwegs sein werden, um Flagge für ein buntes und vorurteilsfreies Arbeitsumfeld zu zeigen - darunter viele Unterzeichner der Charta der Vielfalt wie etwa die Deutsche Bank, die Commerzbank, Procter & Gamble oder die Verkehrsgesellschaft Frankfurt. „Dieses Jahr ist die Businesswelt sehr präsent auf der Parade“, bestätigt Jean-Luc Vey, Vorstand der Stiftung Prout at Work, die LGBTIQ-Netzwerke in Betrieben unterstützt und Arbeitnehmer wie Arbeitgeber zum Thema Coming-out am Arbeitsplatz berät. Auf dem CSD betreut Prout at Work einen gemeinsamen Stand mit einem Netzwerk schwuler Führungskräfte und Freiberufler und wird mit rund 200 Menschen diverser Firmen bei der Demonstration mitlaufen.

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Erfreulich sei, dass Diversität für immer mehr Unternehmen vom reinen Personalthema zum businessrelevanten Faktor im Ringen um die besten Fachkräfte geworden sei. Dennoch, zitiert Vey aus der Studie „Out im Office“, würden noch immer etwa ein Drittel der Schwulen und Lesben, 50 Prozent der Bisexuellen und 70 Prozent der Transmenschen ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität am Arbeitsplatz geheim halten. Ein Verlust für alle Beteiligten, sagt der 52-Jährige. „Denn wenn man sich verstecken muss, kann man nicht sein volles kreatives und innovatives Potenzial entfalten. Ein Doppelleben kostet viel Energie und lässt die Wahrscheinlichkeit psychischer Erkrankungen steigen.“

Dass ein Unternehmen deutlich zeigt, dass es für seine Beschäftigten in all ihrer Vielfalt einsteht, findet auch Marcel Mahnke-Wöhl vom „Railbow-Netzwerk“ der Deutschen Bahn wichtig. „In unserem Unternehmen wird sehr darauf geachtet, dass niemand diskriminiert wird. Aber wenn der Vorstand das so sieht, heißt das ja nicht, dass es schon bei jedem Mitarbeiter angekommen ist. Für eine Führungskraft mag es einfach sein, sich zu outen. Für jemanden, der in der Werkstatt arbeitet, sieht es vielleicht schon ganz anders aus.“

Gerade in Zeiten des Rechtsrucks müssten noch viel mehr Firmen Farbe bekennen für Diversität, findet der 48-Jährige, der in der DB-Netzzentrale in Frankfurt arbeitet. Auf dem Christopher Street Day fahre das Railbow-Netzwerk deshalb mit eigenem Truck auf, 55 Kolleginnen und Kollegen werden darauf mitfahren, noch einmal so viele mitlaufen. Auf ihren T-Shirts steht gut sichtbar, was für alle Menschen gelten sollte: „du passt“.

Programm

Donnerstag
Ab 20 Uhr: Gespräche und Filmvorführung (Hauptbühne = HB)

Freitag
15 Uhr: Eröffnung des CSD, Musik von DJ Sascha Dreyer (HB)
17.45 Uhr: Musik von The Dragonflies (Kulturbühne = KB)
18 Uhr: Musik von Tin (HB)
19 Uhr: Karaoke (KB)
21.10 Uhr: Musik von Access Icarus (HB)

Samstag
15.35 Uhr: Musik von Amy Wald (HB)
15.55 Uhr: Diskussion „Communi-Talk“ mit Sylvia Weber (HB)
16.55 Uhr: Diskussion mit Rainbow-Refugees (HB)
18 Uhr: Schweigeminute
19 Uhr: Stöckelschuhlauf (KB)
19.45 Uhr: Poetry Slam (KB)
20.45 Uhr: Musik von Laing (HB)

Sonntag
13 Uhr: Delia und Band (KB)
15.15 Uhr: Travestieshow Vanessa P. (HB)
18.10 Uhr: Musik Julian David (HB)
21 Uhr: Musik von Whigfield (HB)

Das ganze Programm online: www.csd-frankfurt.de

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