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Von der Decke hängt Efeu: Die Brüder Mengi, Yeshi und Taff (v.l.) Zeleke und ihr neuestes Baby, das Café Herz.

Gastronomie

Café Herz schlägt in der Frankfurter Altstadt

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Die Zeleke-Brüder laden nun zur etwas abgekürzten äthiopischen Kaffeezeremonie ein.

Efeugewächse ranken von der Decke. Sobald man das Café Herz in der Braubachstraße, in einem der Neuen-Altstadt-Gebäude betritt, ist man in einer anderen, einer sehr grünen Welt. Eine, die fern ab vom Großstadtgrau ist. Eine, die einem das Gefühl gibt, plötzlich mittendrin zu sein, wo der Kaffee herkommt.

An den Wänden hängen zudem große Fototapeten. „Die Bilder hat ein Freund gemacht, als er in der Region Kaffa im Südwesten Äthiopiens war. Das ist der Ort, an dem die Kaffeepflanze entdeckt wurde“, sagt Mengi Zeleke am Donnerstag, wenige Stunden vor der Eröffnung des Café Herz mit vielen Gästen am Nachmittag. Er betreibt es zusammen mit seinen Brüdern Taff und Yeshi.

Zum ersten Mal erwähnt wurde Kaffee in der Region Kaffa 900 nach Christus. „Der Legende nach entdeckte der Hirte Kaldi die Kaffeepflanze“, erzählt Mengi Zeleke und lacht. „Und zwar wunderte er sich, als seine Ziegen nach dem Verzehr der Kaffeekirschen plötzlich so aufgedreht herumsprangen.“

Die Kunst-Idee mit dem Efeugewächsen und anderen grünen Pflanzen, die von der Decke ranken, habe er bewusst gewählt: „Die Leute trinken Kaffee, aber die wenigsten wissen, wo die Geschichte eigentlich begann. Wir wollen, dass sie bei uns in diese Welt eintauchen können.“ Außerdem bekommen die Gäste hier auch Kaffee in einer Jabana, der traditionellen, nordostafrikanische Kaffeekanne serviert.

Frankfurt: Club Unity der Zeleke-Brüder ist legendär

Mit 15 kam Zeleke aus der damaligen äthiopischen Stadt Asmara nach Deutschland. Das war zur Zeit des Unabhängigkeitskriegs, noch vor der Abspaltung Eritreas. „In unserer Heimat sind wir mit traditionellen Kaffeezeremonie aufgewachsen. Diese kann bis zu drei Stunden dauern und hat etwas sehr Spirituelles.“ Im Café Herz gibt es die abgekürzte Version. Ohne Weihrauch, „aber trotzdem soll sie die Leute entspannen lassen und sie zusammenbringen“, sagt Zeleke. Eigentlich wollten die drei Brüder schon Ende Oktober eröffnen. „Aber weil das Gebäude neu ist und die Brandschutztür falsch eingebaut war, hat sich der Termin verschoben“, sagt Taff Zeleke.

Die Zeleke-Brüder haben sich seit Jahren in der Frankfurter Clubwelt einen Ruf erarbeitet. Ihr Club Unity, den sie von 1999 bis 2009 bespielten, ist bis heute legendär. „Jetzt wollen wir tagsüber Leute zusammenbringen“, sagt Mengi Zeleke. Ein Schichtwechsel. „Es wird hier Kaffee, Kuchen, aber auch Kleinigkeiten wie Salat, Suppe und Sandwiches geben. Außerdem wird das Café abends zu einer Bar mit Cocktails und Longdrinks“, erzählt Taff Zeleke. Musik läuft im Hintergrund, immer so, dass man sich unterhalten kann. Wie ihre früheren Clubs, sei auch das Café eine Herzensangelegenheit.

Passend dazu hat Tobias Rehberger, Städelschul-Professor und Gewinner des Goldenen Löwen der Biennale von Venedig, seinen Kumpels ein Neonlichtschild entworfen, das draußen hängt. Vier rote Buchstaben leuchten auf. Wenn man ganz genau hinschaut, sieht man, dass sie das Wort „Herz“ ergeben.

Café Herz, Braubachstraße 31, täglich von 10 bis 24 Uhr geöffnet. 

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