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Ab 2025 will die Mainova das Heizkraftwerk West von Kohle auf Gas umstellen. Peter Jülich

Energie

Rechenzentren treiben den Stromverbrauch in Frankfurt

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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In Frankfurt wächst der Stromverbrauch, anders als im Bund oder im Land. Drei Netzbetreiber investieren 750 Millionen Euro, um die Versorgung zu sichern.

Die Betreiber Tennet, Mainova und Avacon bauen das Stromnetz rund um Frankfurt aus. Unter anderem erneuern sie Umspannungswerke und verlegen Leitungen. Bis 2027 investieren sie 750 Millionen Euro. Damit erhöhe sich die Kapazität des Netzes um die Hälfte, teilten die Geschäftsführer der Unternehmen am Donnerstag in Frankfurt mit.

Mainova und Avacon übernehmen je 200 Millionen Euro der Kosten, Tennet 350 Millionen Euro. Avacon betreibt Hochspannungsleitungen mit 110 Kilovolt (kV) bis nach Frankfurt, Tennet solche mit 220 und 380 kV.

Hintergrund ist der wachsenden Stromverbrauch in der Stadt. Während er in Hessen und Deutschland sinke, wachse er in Frankfurt, führte der hessische Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir (Grüne) aus. Er begründete diese „Sondersituation“ mit den zahlreichen Rechenzentren.

Allein Interxion betreibt 15 Rechenzentren im Frankfurter Osten; demnächst errichtet das Unternehmen weitere auf dem früheren Neckermann-Gelände. Hinzu kommen ähnlich viele der anderen Betreiber wie E-Shelter und Equinix. Mit dem DE-CIX ist in Frankfurt der größte Internetknoten der Welt. Die Rechenzentren in Frankfurt verbrauchen mittlerweile mehr Strom als der Frankfurter Flughafen, der der zweitgrößte gewerbliche Stromabnehmer ist. Bei den Frankfurter Haushalten hingegen sinkt der Stromverbrauch trotz steigender Einwohnerzahl – unter anderem wegen Energiesparmaßnahmen, LED-Technik und A++-Kühlschränken.

Die Linke im Römer setzt sich dafür ein, dass nur noch Rechenzentren genehmigt werden, die mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden und deren Abwärme umliegende Gebäude versorgt oder ins Fernwärmenetz fließt.

Die Grünen im Hessischen Landtag wollen Rechenzentren „so minimalinvasiv und energiesparend wie möglich“ betreiben lassen, teilte Kaya Kinkel, Sprecherin für Energie und Wirtschaft der Grünen-Landtagsfraktion, mit: „Mittelfristig muss das digitale Wachstum in Hessen effizient und mit 100 Prozent ökologisch produziertem Strom gelingen“, sagte sie. Zusätzlich müsse Abwärme genutzt werden. Rechenzentrumsbetreiber sollten in Wasserkühlung und Fernwärme investieren, sagte auch Al-Wazir. Der Forderung, Rechenzentren mit Ökostrom betreiben zu lassen, schloss er sich nicht an. Er warb für die „drei E“ bei der Energiewende: Einsparung, Effizienz, erneuerbare Energien.

Frankfurt hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 den Energieverbrauch zu halbieren und aus erneuerbaren Energien zu speisen

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