Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

100 Meter hinab: der Bohrturm am Rebstockweiher.
+
100 Meter hinab: der Bohrturm am Rebstockweiher.

Reise zum Mittelpunkt der Erde

Klimaschutz: Rebstockbad in Frankfurt soll mit Erdwärme beheizt werden

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
    schließen

Eine Probebohrung lotet die Chancen auf Geothermie aus. Das Verfahren soll klimafreundliche Energie zutage fördern – für einen langen Zeitraum und nicht nur in Frankfurt.

Frankfurt - Die Bohrmaschine erinnert ein wenig an den ungebetenen Gast aus „Alien“, Teil 1 bis 6. Aber solche Riesenapparate wirken ja immer wie unheimliche Wesen aus einer fremden Welt. Und dieser spezielle Apparat führe nur Gutes im Schilde, versichern alle Beteiligten.

Na, dann los. Die Fachleute schrauben am Montagmorgen (21.11.2021) einen Bohrkopf, etwa so groß wie eine Paprikaschote, ans Gestänge und versenken ihn im Bohrloch. Hintendran schrauben sie das nächste Gestänge, alles mit viel lautem Klengelklongel, und dann wird gebohrt, dass es knirscht. Das Ganze wiederholt sich, bis die Paprika, pardon, der Bohrkopf, 100 Meter tief in der Erde angekommen sein wird. Das alles, damit das neue Rebstockbad eine möglichst klimafreundliche Energieversorgung erhält.

Rebstockbad in Frankfurt soll klimafreundliche Energieversorgung erhalten

„Ich war hier schon als Kind im Jahr der Eröffnung“, sagt der hessische Energieminister Tarek Al-Wazir (Grüne) – damals elf, heute 50 Jahre alt – bei der Probebohrung im Rebstockpark. Er setzt große Hoffnungen in Erdwärme als Energieträger. „Wir heizen vielerorts zum Fenster raus“, sagt er. „Das A und O ist, Energie einzusparen.“

Und neue Quellen anzuzapfen. Die Geothermie eigne sich dafür, weil Wärme aus dem Erdinneren „praktisch unerschöpflich“ sei, versichern die Leute von der Landesenergieagentur (LEA) Hessen. 5000 Grad in der Mitte des Globus, und dann je drei Grad kühler pro 100 Meter.

Geothermie

In 17 hessischen Kommunen macht die Landesenergieagentur Probebohrungen für Erdwärme:
2021: Alsfeld, Düdelsheim, Frankfurt, Habichtswald, Homberg (Efze), Pohlheim, Riedstadt-Goddelau, Stockstadt, Twistetal, Vellmar, Waldeck
2022: Frankenberg (Eder), Groß-Gerau, Hofheim-Wallau, Langgöns-Dornholzhausen, Offenbach, Solms

Informationen, auch zu Fördermitteln: www.lea-hessen.de

Neubau des Rebstockbads ist Meilenstein für Stadt Frankfurt

Dort, wo der Bohrer dann aus der anderen Richtung ankommt, sei der Boden in der Regel zehn bis 15 Grad warm, sagt Sven Rumohr vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie. „Das klingt nach wenig“, gibt er zu, „aber in fünf Grad Unterschied steckt schon viel Energie drin.“

In Frankfurt habe die Erde in Oberflächennähe auch schon mal 24 Grad. Die Wärme wird dann mit „endlosen Rohren“ voller Wasser und Frostschutzmittel geerntet - zum Beispiel, um Energie für das neue Rebstockbad zu gewinnen, das 2026 fertig sein soll.

Dann sei die Erdwärme ein willkommener Faktor im Verbund mit einem Blockheizkraftwerk und großflächigen Sonnenkollektoren, sagt der Frankfurter Planungsdezernent und Aufsichtsratsvorsitzende der Bäderbetriebe, Mike Josef (SPD). Der Neubau des Rebstockbads sei ein Meilenstein für die Stadt, es solle künftig ressourcen- und energieschonend arbeiten.

Rebstockbad in Frankfurt: An 280 Orten arbeitet bereits Wärme aus der Tiefe

Aber nicht nur dort, überall soll Geothermie weiterhelfen. An 280 Orten in Frankfurt arbeite bereits Wärme aus der Tiefe, sagt Al-Wazir und nennt die Stadt einen „Hotspot“ dieses Verfahrens. Der Preis des Produkts sei absolut stabil, und bei den Investitionen am Anfang helfe das Land, sagt LEA-Geschäftsführer Karsten McGovern. Es gebe Zuschüsse für die Anlagen bis zu 45 Prozent.

Im Übrigen sei der Wärmeverlust für den Boden gar kein Problem, sagt Rumohr, und beim Bohren achteten die Fachleute gut darauf, keine Wasserkreisläufe zu stören. Die Kunst bestehe darin, eine Anlage so zu bauen, dass sie 50 Jahre lang Wärme entnehmen könne.

Aber besser nicht zu tief bohren. Wen man bei so einer Reise zum Mittelpunkt der Erde alles treffen kann, hat Jules Verne ja eingehend beschrieben. (Thomas Stillbauer)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare