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Auch Beamte des Spezialeinsatzkommandos waren an den Durchsuchungen in Frankfurt beteiligt.

Frankfurt & Rhein-Main

Razzien gegen Schwarzarbeit in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Zoll nimmt mehrere Verdächtige fest. Die haben einen sozialversicherungsrechtlichen und steuerlichen Schaden von etwa 3,5 Millionen Euro angerichtet.

Der Zoll hat am gestrigen Mittwoch Razzien in mehreren Städten gegen rund 50 Beschuldigte durchgeführt. Dabei geht es um den Verdacht auf Steuerhinterziehung, nicht gezahlten Lohn und gewerbsmäßige Beihilfe zu anderen Straftaten.

Schwerpunkte der Durchsuchungen waren Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet. Es gab aber auch Einsätze in Hamburg, München und Lörrach, teilte das Hauptzollamt Frankfurt mit. Insgesamt waren an den Durchsuchungen am Mittwochmorgen rund 890 Einsatzkräfte, darunter auch 75 Steuerfahnder und mehrere Spezialeinheiten von Zoll und Polizei, beteiligt. Bundesweit wurden somit insgesamt mehr als 100 Geschäftsräume und Wohnungen durchsucht und umfangreiche Beweismittel gesichert, so der Zoll.

Bei den Razzien konnten sechs Männer im Alter von 30 bis 46 Jahren festgenommen werden. Darüber hinaus wurden 14 sogenannte Vermögensarreste in die Vermögen der Beschuldigten und deren Gesellschaften in Höhe von insgesamt 6,4 Millionen Euro vollstreckt. Die Festgenommenen sollen zu einer Gruppe von 50 Personen gehören, die zum Teil als kriminelle Bande fungierten.

Nach bisherigen Ermittlungen betreiben die Hauptbeschuldigten Sicherheitsfirmen, mit denen sie Umsätze in Höhe von mehr als zehn Millionen Euro erwirtschafteten.

Dabei sollen Schwarzarbeiter eingesetzt worden sein, die nicht zur Sozialversicherung gemeldet worden sein sollen. Zur Generierung der Gelder, die zur Zahlung der Schwarzlöhne benötigt werden, sollen sich die Beschuldigten sogenannter Abdeckrechnungen von Scheinfirmen im Umfang von mehr als sechs Millionen Euro bedient haben. Durch diese Abdeckrechnungen sollen die Hauptbeschuldigten in die Lage versetzt worden sein, Schwarzlohnzahlungen an eigene Arbeitnehmer, die nicht oder nicht richtig zur Sozialversicherung gemeldet waren, zu verschleiern. Der sozialversicherungsrechtliche und steuerliche Schaden wird derzeit mit etwa 3,5 Millionen Euro beziffert.

Ein Beschuldigter soll über Jahre hinweg Rechnungen in Höhe von mehr als 30 Millionen Euro an mehr als 100 verschiedene Abnehmer verkauft haben. Inwieweit gegen weitere Personen auf Abnehmerebene ermittelt werden muss, werde derzeit geprüft. Im Rahmen des Einsatzes wurden außerdem mehrere Waffen, gefährliche Gegenstände, geringe Mengen an Drogen sowie größere Bargeldbeträge sichergestellt.

Einer der Beschuldigten im Schwarzarbeitsverfahren ist zugleich der Hauptverdächtige in einem Verfahren der Frankfurter Polizei, bei dem falsche Polizisten Geld von älteren Menschen erbeutet haben. Die Gesamtschadenssumme soll sich nach bisherigen Erkenntnissen auf knapp 1,2 Millionen Euro belaufen.

Der 32-Jährige wurde am Mittwoch bei einer Razzia in Frankfurt-Bornheim festgenommen, zwei weitere Tatverdächtige wurden festgenommen, aber später wieder freigelassen. Zudem wurden mehrere Objekte durchsucht, so die Polizei. Der 32-Jährige steht im Verdacht, illegal erlangte Gelder „gewaschen“ und an Hintermänner in die Türkei übermittelt zu haben.

Bei der Betrugsmasche wurden aus einem Callcenter in der Türkei vornehmlich ältere Menschen angerufen. Die Täter gaben vor, Polizisten zu sein, und brachten in 14 Fällen die Angerufenen dazu, eine hohe Bargeldsumme oder hochwertigen Schmuck an vermeintliche Polizisten auszuhändigen. Die Täter nahmen das Geld an sich und ergriffen anschließend jeweils die Flucht, so die Polizei. Einen Teil der Beute durften sie behalten, die weitaus größere Summe wurde über die am Mittwoch festgenommenen Personen an die Hintermänner in der Türkei übermittelt. Die Opfer blieben mit immensen finanziellen Schäden zurück. Häufig hatten die Täter das gesamte Ersparte betrügerisch erlangt. Die Ermittlungen in dem Fall laufen seit 2018. In dem Verfahren wurden seitdem acht Personen festgenommen, die sich alle in Haft befinden.

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