Razzia bei Multifunktionshallen-Chef

Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen des Verdachts der Bestechung

Überraschend Besuch von der Polizei bekam am Dienstag Felix Scheuerpflug, Geschäftsführer der The Dome Besitzgesellschaft. Die Beamten durchsuchten die im Bürogebäude „The Squaire“ am Flughafen gelegenen Geschäftsräume des Unternehmens. Sie beschlagnahmten einen Datenträger und Akten von The Dome. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen des Verdachts der Bestechung im geschäftlichen Verkehr. Das bestätigte gestern eine Sprecherin der Ermittlungsbehörde. Wer Anzeige gegen Scheuerpflug erstattet hat, ist unklar.

Scheuerpflug will am Flughafen im Auftrag der kanadischen Katz Group eine Multifunktionshalle, Projektname „The Dome“, für gut 23 000 Zuschauer bauen. Die Investitionssumme von 300 Millionen Euro wollen die Kanadier eigenem Bekunden zufolge ohne Inanspruchnahme von Fremdmitteln aufbringen. Zwei Frankfurter Profi-Sportvereinen hat „The Dome“ das Angebot gemacht, mietfrei und mit Gewährung weiterer Vergünstigungen dort spielen zu können: dem Eishockey-Club „Löwen“ und den Basketballern „Skyliners“. Die „Löwen“ haben bereits einen Vorvertrag mit „The Dome“ geschlossen. Die „Skyliners“ zeigten sich von Anfang an eher der am Kaiserlei geplanten Halle zugeneigt, auch weil diese mit 13 000 Zuschauerplätzen passender für die Spiele des Clubs erscheint. Aus seiner Präferenz für das Kaiserlei-Projekt macht Gunnar Wöbke, geschäftsführender Gesellschafter der Skyliners, bis heute kein Hehl.

In dem Ermittlungsverfahren gegen Felix Scheuerpflug ist Gunnar Wöbke nun ein wichtiger Zeuge. Scheuerpflug soll versucht haben, Wöbke zu bestechen, sagt die Staatsanwaltschaft. Bei einem Treffen im August 2019 in der Gerbermühle soll Scheuerpflug angeboten haben, im Gegenzug für den Abschluss eines Vormietvertrages mit „The Dome“ die eigentlich den Skyliners zustehende Provision von 15 Prozent für die Vermittlung von Sponsoren Wöbke privat zahlen zu wollen und in einem gesonderten Vertrag diese Abrede festzuhalten. Wöbke soll darauf nicht eingegangen sein. Scheuerpflug: „Der Vorwurf ist alleine deswegen absurd, weil wir mit der Bestechung hätten erreichen sollen, dass Herr Wöbke den Vormietvertrag mit ,The Dome‘ abschließt. Ein Vertrag, der nachweislich mit völlig überzogenen, für jeden Hallenbetreiber unannehmbaren Forderungen gespickt ist.“

Im Januar dieses Jahres hörte die Polizei Gunnar Wöbke zwei Mal dazu an. Das bestätigte der Skyliners-Manager . Über den Inhalt seiner Einlassungen wollte er keine Angaben machen. Nur so viel: „Ich habe die Wahrheit gesagt.“ Wöbke betont, nicht Anzeige gegen Scheuerpflug erstattet zu haben. Die polizeiliche Zeugenbefragung sei für ihn „überraschend“ gewesen.

Bernhard Schmittenbecher, Sprecher der Dome GmbH, bezeichnet die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft als „haltlos“. Der Vorwurf sei allein schon deshalb „absurd“, weil in diversen Gesprächen zwischen Spitzenpersonal der The Dome GmbH und Wöbke dieser mit „völlig überzogenen Forderungen“ aufgetreten sei. Laut Schmittenbecher habe Wöbke etwa eine Million Euro für die Skyliners bei Unterzeichnung eines Vormietvertrages gefordert, gleichsam als Unterschriftsgebühr. Zudem habe er eine Zusicherung von 15 Prozent Provision für vermittelte Sponsorenverträge verlangt, was von der Gesellschaft stets abgelehnt wurde. „Etwaige Zahlungen wären selbstverständlich nicht für Herrn Wöbke persönlich, sondern an ihn als geschäftsführenden Gesellschafter der Skyliners gegangen“, so Schmittenbecher. Der seitens der Staatsanwaltschaft als Verdachtsmoment eingeführte „gesonderte Vertrag“ sei deshalb vorgeschlagen worden, weil Provisionsvereinbarungen nicht im Rahmen eines Mietvertrags geregelt werden könnten.

Dass die Staatsanwaltschaft jetzt die Durchsuchung der Dome-Räumlichkeiten angeordnet hat und gegen Felix Scheuerpflug wegen Korruption ermittelt, könnte aus Sicht von Schmittenbecher vor allem Ergebnis der Zeugenaussage Wöbkes sein. Deshalb werde der Rechtsbeistand von Scheuerpflug nun um Akteneinsicht bei den Strafermittlern nachsuchen und gegebenenfalls rechtliche Schritte gegen Gunnar Wöbke prüfen, wegen möglicher Falschbeschuldigung.

Gunnar Wöbke hatte im Januar, etwa eine Woche vor seiner ersten polizeilichen Befragung als Zeuge, in einem Interview bekundet, möglicherweise selbst eine Halle bauen zu wollen, zusammen mit einem Investor.

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