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Ein beschlagnahmter Weinkühlschrank wird abtransportiert.

AWO-Skandal

Razzia bei fünf Beschuldigten

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Die Staatsanwaltschaft will ein Vermögen von 2,2 Millionen Euro sichern. Hochwertige Unterhaltungsgeräte werden beschlagnahmt.

Jürgen Richter wirkt blass, als er am Dienstagvormittag mit einem weiteren Mann von seinem Privatgrundstück auf die Straße tritt, um von dort zur Garage zu gelangen. Das Auto muss ein Stück nach hinten gesetzt werden, damit sich das Tor öffnen lässt. Später durchsuchen drei Personen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Frankfurt die mit Gartengeräten, Koffern und Plastiksäcken vollgestopfte Garage.

Ein Transporter fährt vor, in den Männer mehrere Gegenstände laden. In dem Privathaus des früheren Vorsitzenden der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO) und seiner Frau Hannelore, frühere Geschäftsführerin der Wiesbadener AWO, herrscht reges Treiben. Das stattliche und gepflegte Reihenendhaus im Wiesbadener Stadtteil Biebrich ist eine der Privatwohnungen von fünf Beschuldigten in Wiesbaden, Walluf im Rheingau-Taunus-Kreis und Schöneck im Main-Kinzig-Kreis, die die Staatsanwaltschaft am Dienstag durchsuchen lässt.

Es sind diesmal die Ermittler der Schwerpunktabteilung für Vermögensabschöpfung und Finanzermittlungen, die sich für das frühere Führungspersonal der beiden AWO-Kreisverbände interessieren. Bei der Razzia sei es darum gegangen, Vermögen in Höhe von etwa 2,2 Millionen Euro zu sichern und bei einem Beschuldigten Wertgegenstände zu beschlagnahmen, darunter auch hochwertige Unterhaltungselektronik.

Die Finanzermittler der Staatsanwaltschaft hatten diesen sogenannten Vermögensarrest beim Amtsgericht Frankfurt erwirkt. Ziel der Aktion ist die Sicherung von Erstattungsansprüchen Geschädigter, zu denen mutmaßlich auch die Stadt Frankfurt gehört. Wie die Sprecherin der Ermittlungsbehörde dazu mitteilt, wurden bei einer vorangegangenen Durchsuchung Anfang August dieses Jahres bei einem der fünf Beschuldigten „eine Vielzahl an hochwertigen Gegenständen aus dem Bereich der Kommunikations- und Unterhaltungsindustrie“ festgestellt. Der Beschuldigte soll bereits beim Erwerb oder der Entgegennahme dieser Dinge gewusst haben, dass diese auf AWO-Rechnung angeschafft worden seien. Gegen alle Beschuldigten ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue. Seit mindestens Januar 2015 sollen sie durch Untreuehandlungen umfangreiche Zahlungen unrechtmäßig erlangt haben, bei denen die Voraussetzungen der Vermögensabschöpfung vorlägen, so die Ermittlungsbehörde.

20 Polizisten an Razzia beteiligt

Dabei soll es sich unter anderem um Dienstwagenpauschalen, Bonuszahlungen, steuerfreie Aufwandsentschädigungen sowie Ehrenamtspauschalen und fingierte Gehaltszahlungen gehandelt haben. Die Beschuldigten sollen zudem in zahlreichen Fällen ohne Rechtsgrund Bargeld für angebliche Darlehen, Gehälter und Dienstreisen sowie Auslagen für private Bewirtungen oder Festivitäten aus der Hauptkasse der Arbeiterwohlfahrt erhalten haben.

An der Razzia waren laut Staatsanwaltschaft 20 Beamte der Frankfurter Polizei, außerdem je drei Staatsanwälte und Gerichtsvollzieher beteiligt.

Das Strafermittlungsverfahren gegen anfangs sechs Beschuldigte, vorwiegend ehemalige Führungseliten der AWO-Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden, hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt im Januar dieses Jahres eingeleitet, auch aufgrund einer umfangreichen anonymen Anzeige, die von weitreichenden internen Kenntnissen des Geschäftsgebarens getragen war. Bei einer umfangreichen Razzia in den Geschäftsräumen der Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden und in Privathäusern der Beschuldigten hatten die Strafermittler seinerzeit zahlreiche Akten und Datenträger beschlagnahmt, deren Auswertung noch andauert.

Die Wiesbadener und die Frankfurter AWO sind seit mehr als einem Jahr wegen überhöhter Gehälter, überteuerter Dienstwagen und Scheinarbeitsverhältnisse in den Schlagzeilen. Die ehemalige Wiesbadener AWO-Geschäftsführerin Hannelore Richter soll im dortigen Kreisverband die Hauptverantwortliche für die Machenschaften gewesen sein und selbst ein Jahresgehalt von rund 300 000 Euro bezogen haben. Ihr Ehemann Jürgen Richter war als Geschäftsführer des Frankfurter Kreisverbandes tätig und ähnlich üppig dotiert. Nachdem Jürgen Richter im Rechtsstreit um seine fristlose Kündigung vor Gericht eine Niederlage einstecken musste, läuft der Arbeitsgerichtsprozess im Fall Hannelore Richter noch. Auch sie klagt gegen ihre Kündigung.

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