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Rat der Religionen: Im Dialog weiter Vorurteile abbauen

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Von: Timur Tinç

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Joachim Valentin, Vorstandsvorsitzender, und Sandra Ince, Geschäftsführerin des Rats der Religion.
Joachim Valentin, Vorstandsvorsitzender, und Sandra Ince, Geschäftsführerin des Rats der Religion. © Michael Schick

Die neue Geschäftsführerin des Rats der Religionen Sandra Ince will sich zusammen mit dem Vorsitzenden Joachim Valentin für das gegenseitige Verständnis einsetzen.

Sandra Ince ist noch dabei, in ihrer neuen Position anzukommen. Seit August ist die 39-Jährige neue Geschäftsführerin vom Rat der Religionen in Frankfurt und hat sich in den ersten Wochen zunächst eingearbeitet, um zu schauen, wer wo zuständig ist. Sie hat viele Gespräche geführt und plant weitere. Als Nächstes stehen Treffen mit politischen Parteien bevor. Bei zehn Stunden in der Woche, die der Job umfasst, vergeht die Zeit wie im Flug.

„Ich wäre gerne bereit, mehr zu machen, und es wäre auch locker möglich“, sagt Ince lachend. Sie hat Jüdisch-Christliche Religionswissenschaft sowie Archäologie und Kulturgeschichte des Vorderen Orients an der Goethe-Universität in Frankfurt studiert. Später promovierte sie an der Universität Koblenz-Landau in biblischer Archäologie. Ince hat sich schon früh für Religionen interessiert. Sie hat in ihrer Jugend viel Zeit bei ihrer türkischen Freundin und ihrer Familie verbracht. Vor einigen Jahren hat Ince die Ausschreibung für die Stelle als Geschäftsführerin des Rats schon einmal gesehen. Damals hat es aus verschiedenen Gründen noch nicht gepasst. Nun hat sie die Gelegenheit beim Schopf gepackt.

Seit 2009 gibt es den Rat der Religionen in Frankfurt, der sich für das friedliche Miteinander der Konfessionen in der Stadt einsetzt. In den Vorstand entsenden die neun Mitgliedsgemeinden einen oder mehrere Vertreter:innen. „Wir sind dran, den interreligiösen Dialog stärker in die Herkunftsgemeinden zu tragen“, sagt der Vorsitzende Joachim Valentin. Er ist froh, dass der Rat gut durch die Coronavirus-Pandemie gekommen ist und den Dialog aufrechterhalten konnte. Die Sitzungen der Ratsmitglieder konnten online abgehalten werden, bei vielen anderen Räten in der Republik „haben wir erschrocken festgestellt, dass es nicht so war“.

Sandra Ince will mitwirken, den Rat in seiner Arbeit zu unterstützten. „Wenn es dazu beiträgt, dass die Kommunikation unter den Religionen gefördert wird, Missverständnisse, Misstrauen und Vorurteile abgebaut werden können, wäre ich glücklich“, sagt sie und fügt hinzu, „da ist noch viel Arbeit zu tun“.

Der Rat der Religionen

Der Rat der Religionen in Frankfurt ist im Jahr 2009 gegründet worden. Bis heute setzt er such aus neun Religionsgemeinschaften zusammen. Vertreten sind christliche Gemeinden, die durch führende Kirchenvertreter repräsentiert werden, die jüdische Gemeinde, islamische, buddhistische und hinduistische Gemeinden, die Baha’i und die Sikh-Religion sowie die Ahmadiyya und die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen). FR

Große Projekte

Vor allem der Nahostkonflikt beschäftigt den Rat immer wieder. Vor rund zehn Jahren war die Jüdische Gemeinde nach Konflikten mit muslimischen Gemeinden ausgetreten und nach vielen Gesprächen und einem gemeinsamen Positionspapier wieder zurückgekehrt. Bei der ersten Mitgliederversammlung, an der Ince teilgenommen hat, „hatte ich das Gefühl, alle wollen etwas Gutes auf die Beine stellen. Das war ein gutes Miteinander“. Sie steht als Geschäftsführerin auch immer bereit, bei Mitgliederversammlungen der Gemeinden mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Im Fokus der Arbeit des Rats stehen jährlich drei, vier große Projekte wie der Tag der Religionen in diesem Sommer oder der Bundeskongress des Rats der Religionen. Im Mai gibt es das Paulskirchenjubiläum. Ein Dauerprojekt ist die Wanderausstellung „Divercity Frankfurt“ von dem Fotografen Rafael Herlich. Sie zeigt das religiöse Leben der unterschiedlichsten Religionsgemeinschaften. „Die Bilder stehen jederzeit zur Verfügung, um sie in die Gemeinden auszuleihen“, sagt Valentin.

Der Rat der Religionen hat auch einen eigenen Youtube-Kanal. Vor zwei Jahren wurden für 10 000 Euro zehn Videos zum Thema Natur und Religion in allen Mitgliedsgemeinden produziert. Außerdem werden Diskussionsveranstaltungen, die zweimal im Jahr organisiert werden, gestreamt und anschließend hochgeladen. Kürzlich diskutierten jüdische und muslimische Mitglieder des Rats über „Diskriminierung aufgrund von Religionszugehörigkeit“.

Ein Thema, das auch Joachim Valentin besonders am Herzen liegt. „Dass Frauen mit Kopftuch und Männer mit Turban nach wie vor in der Öffentlichkeit diskriminiert werden, wird öffentlich leider kaum wahrgenommen und geht in der Diskriminierungsdebatte unter“, findet der Vorstandsvorsitzende. Er wünscht sich mehr Sensibilität und Bewegung seitens der Politik. Zusammen mit Sandra Ince wird er da noch viele dicke Bretter bohren müssen.

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