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Frankfurter Klapperfeld feiert 14. Geburtstag : „Nichts hat sich geändert“

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Von: Kathrin Rosendorff

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Führungen gab es auch im früheren Polizeigefängnis. Rolf Oeser
Führungen gab es auch im früheren Polizeigefängnis. Rolf Oeser © ROLF OESER

Der Kampf gegen Rassismus hat im linken Kulturzentrum Klapperfeld höchste Priorität. Die Initiative „Faites votre jeu!“ feiert Geburtstag mit Sommerfest

Die Stimmung beim Sommerfest mit über 500 Gästen auf dem Außengelände des linken Kulturzentrums Klapperfeld in Frankfurt ist extrem entspannt. An einem Stand gibt es T-Shirts mit roter Aufschrift: „Sportlich, kritisch, stabil“ zu kaufen, Besucher:innen spielen Karten auf dem Boden und die weibliche DJ SK.LIBRA legt auf. Ein junger Mann trägt eine Goldkette auf der: „Alles allen“ steht. Er sagt, er sei nicht nur hier, um Party zu feiern, sondern weil das Klapperfeld eben „ein wichtiger und richtiger Ort“ sei.

Die Initiative „Faites votre jeu!“ feierte am Samstag ihren 14. Geburtstag im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld. „Der jüngste Polizeiskandal um rechte Chatgruppen schlägt uns um die Ohren, dass sich nichts geändert hat“, sagt Matthias Schneider, ein Sprecher der Initiative. Es sei wichtig, dass sie weiter in direkter Nachbarschaft zum ersten Polizeirevier unweit der Konstablerwache seien.

Denn wie der Fall um NSU 2.0 und rechte Polizeichatgruppen ebenso wie die Attentate wie in Hanau oder der Lübcke-Mord zeigten, seien es keine Einzeltäter, sondern ein strukturelles rassistisches Problem. Die Pandemie habe in der Gesellschaft rechte Verschwörungsideologien verstärkt. Beim Sommerfest müssen alle einen negativen Corona-Test vorweisen.

„Faites votre jeu!“ nutzt das Gebäude seit über dreizehn Jahren als linkes Zentrum. Zwei Dauerausstellungen erinnern bewusst an die Historie. Das Gebäude an der Klapperfeldstraße diente von 1886 bis 2002 als Polizeigefängnis. In der NS-Zeit nutzte die Gestapo das Haus. Später wurden Abschiebehäftlinge kurzzeitig im Klapperfeld untergebracht.

Im April 2009 zog die Initiative ein. Die Gruppe hatte zuvor das leerstehende Jugendzentrum in Bockenheim besetzt. Damals forderten sie bereits ein autonomes Kulturzentrum. „Das war in der ersten Augustwoche 2008, daran wollen wir beim Sommerfest erinnern“, erzählt Maja Koster, sie war damals schon bei der Besetzung in Bockenheim dabei. Genauso wie Matthias Schneider (40), der 2008 sagte: „Ateliers und Ausstellungsräume zu finden und bezahlen zu können, ist fast unmöglich“.

Das sei auch 2022 noch so, sagt eine Besucherin: „Es gibt zu wenig unkommerzielle Orte wie das Klapperfeld.“ Schneider und Koster betonen, dass sei der Grund, warum sie anderen linken Gruppen die Räume kostenlos zur Verfügung stellten. Auch Barabende und Ausstellungen kosten keinen Eintritt: „Es ist ein Ort, wo man kein Geld braucht, um hinzugehen“, so Koster. Aktuell gibt es im ersten Stock die vom Verein „turn the corner“ entwickelte Gastausstellung „Mixtape Migration“. Das Thema: migrantisches Leben und Arbeiten in Frankfurt. Betroffene sowie Aktivist:innen erzählen in Videos von Ausgrenzungen, Diskriminierungen und dem Kampf dagegen. „Faites votre jeu!“ finanzieren sich durch Spenden und viele Ehrenamtliche: Einmal die Woche gibt es ein Plenum, wo über alles diskutiert wird: vom Putzplan bis zur Stadtpolitik. „Wir wünschen uns nichts, wir stellen Forderungen“, sagt Schneider. Beispielsweise wollen sie eine bezahlbare Stadt für alle. Nicht nur die Ursprungsbesetzer:innen seien aktiv, sondern auch eine junge Generation komme nach, aber auch Renter:innen seien dabei. Besucher:innen kämen gerne, erzählen sie, weil es ein geschützter Raum sei: Thau (27) sagt: „Für mich ist es eine Bubble fern vom Alltag, wo es einen Konsens darüber gibt, dass weder Sexismus noch Rassismus hier toleriert wird“.

Was sagen Koster und Schneider dazu, dass der CDU-Politiker Boris Rhein, der 2017 spätnachts mit einer teils alkoholisierten Gruppe Einlass ins Zentrum forderte und kein Freund des Klapperfeld ist, jetzt Ministerpräsident ist? „Begeistert sind wir nicht“, sagt Koster. Die politische Entwicklung sei überhaupt erschütternd. Innenminister Peter Beuth (CDU) hatte das Zentrum als „Rückzugsraum für Linksextremisten und politisch motivierte Gewalttäter“ bezeichnet.

Wie wird das Sommerfest in 14 Jahren? „Da haben wir definitiv mehr Falten, aber hoffentlich sind wir nicht zu frustriert, um weiterzukämpfen“, so Koster.

Das ehemalige Polizeigefängnis von außen. Rolf Oeser
Das ehemalige Polizeigefängnis von außen. Rolf Oeser © ROLF OESER

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