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Als Referentin für Diversitätsentwicklung thematisierte Mahn bei der Verleihung Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ihre Ängste bezüglich Rassismus und rechten Tendenzen.
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Als Referentin für Diversitätsentwicklung thematisierte Mahn bei der Verleihung Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ihre Ängste bezüglich Rassismus und rechten Tendenzen.

„Was ist jetzt mit der Afrikanerin?“

Rassismus im Krankenhaus: Frankfurter Politikerin erhebt drastische Vorwürfe

  • Sophia Lother
    VonSophia Lother
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Die Stadtverordnete Mirrianne Mahn wirft ihrem Arzt im Krankenhaus Rassismus vor. In ihrem Heimatland wäre sie gestorben, soll ihr ein Mediziner gesagt haben.

Frankfurt – Mirrianne Mahn trägt ein weiß-blaues Krankenhaushemd. Mit tränenverschleiertem Blick schaut sie in ihre Smartphone-Kamera. „Ich hab noch nie so etwas gemacht“, erklärt die Stadtverordnete für die Fraktion der Grünen* in Frankfurt*. Doch „ich mach es einfach, bevor mich der Mut verlässt“, sagt sie dem Publikum ihres Instagram-Videos.

Dann erzählt sie ihre Geschichte, die für die einen völlig fremd klingen mag, während andere möglicherweise an ihren eigenen Alltag erinnert werden. Sie erhebt schwere Vorwürfe. Es geht um Rassismus und um Ohnmacht.

Frankfurter Politikerin erhebt Rassismus-Vorwürfe: Als „die Afrikanerin“ betitelt

Mahn ist im Krankenhaus. In welchem sagt sie nicht. Sie hat starke Schmerzen, wurde frisch operiert. Trotzdem filmt sie sich in ihrem Krankenhausbett, „weil ich einfach nicht mehr kann, weil es heute Morgen einen Arztwechsel gab und der Arzt, der jetzt für mich zuständig ist, halt echt rassistisch ist“ – so beginnt sie ihr Video.

Über sie werde nicht als Mirrianne Mahn gesprochen, sondern der Arzt soll sie als „die Afrikanerin“ betitelt haben. So seien Sätze gefallen wie: „Ja, was ist jetzt mit der Afrikanerin?“. Und die Vorwürfe gehen noch weiter: „Wenn ich in irgendeiner Weise darauf hinweise, dass hier etwas unbequem ist, muss ich hören: ‚Ja, aber wenn Sie in Afrika wären, wäre es viel schlimmer. Seien Sie doch froh, dass Sie hier sind, weil in Ihrem Geburtsland würde es Ihnen ja viel schlimmer gehen und Sie wären tot‘“, schildert sie.

Auf ihre Fragen werde nicht eingegangen, teilweise soll der Mediziner nur in gebrochenem Deutsch mit ihr gesprochen haben. Auf ihre Frage, ob ihre Schmerzen normal seien, soll der Arzt geantwortet haben: „Das wissen Sie wohl selbst, also Schmerzen sind natürlich nie normal. Aber Ihre Landsleute halten ja mehr aus als andere“, betont sie in ihrem erschütternden Bericht. Doch nicht nur die rassistischen Äußerungen seien für sie nicht auszuhalten.

Frankfurter Politikerin mit drastischen Vorwürfen: Als Patientin rassistisch beleidigt

„Ich bin kein Opfer, aber ich merke einfach, wie schlimm es ist, dass wenn ich nicht in diesem Bett liegen würde in diesem würdelosen Hemd“, dann würde sie sich vehement wehren, sagt sie und fügt hinzu: „Einfach die Klappe halten zu müssen und mir das gefallen lassen zu müssen, ist einfach belastend zusätzlich dazu, dass ich anscheinend krank bin.“ Als Patientin einem Arzt ausgeliefert zu sein, der einen nicht als Mensch ansehe, mache die Situation für sie so untragbar, berichtet Mahn im Video.

Sie wolle jedoch kein Mitleid, betont Mirrianne Mahn. Was sie will, sei Sichtbarkeit schaffen für diejenigen, die ähnliches bereits durchleben mussten. „Weil das der Alltag von so vielen schwarzen Menschen ist, von People of Color“, so die Frankfurter Politikerin. Sie schildert, wie sie bereits von ähnlichen Geschichten gehört hatte. Und schließt mit den Worten: „Ich will nur alle anhalten, wenn ihr so etwas mitbekommt, falls ihr mitkriegt, wie mit eurer Zimmernachbarin gesprochen wird: Seid sensibel, supportet die Leute, das ist einfach scheiße in dieser hilflosen Situation, wenn man so untergeordnet ist, sich selbst zu wehren.“ (slo) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Die Frankfurter Stadtverordnete Mirrianne Mahn warb in der Römer-Koalition dafür, diskriminierende Begriffe* zu ächten. Doch der Antrag wurde abgelehnt. Das belastete die Koalition nachhaltig.

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