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„Cannabiskonsum hat in der Regel langsames Fahren zur Folge.“

Unfall nahe Hofheim

Prozess wegen drei Toten bei Unfall: Rätselhafte Cannabiswerte

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Zweiter Prozesstag gegen einen jungen Mann, der seine drei besten Freunde getötet hat.

Frankfurt - Mit der Vergebung ist das so eine Sache. Als Außenstehender fällt es leicht, Mitgefühl mit Benjamin B. (Name geändert) zu empfinden, der im Juli 2020 drei Tage nach seinem 18. Geburtstag mit dem SUV seiner Mutter nahe Hofheim einen Unfall baute, bei dem seine drei besten Freunde starben, und der sich nun vor dem Amtsgericht Frankfurt wegen fahrlässiger Tötung verantworten muss. Und ihm zu wünschen, dass er sich eines Tages selbst vergeben kann. Von den Hinterbliebenen der Opfer wäre Vergebung wohl etwas viel verlangt.

Und es sind erneut fast ausschließlich Familienangehörige der Opfer, die den Zuschauerraum des viel zu kleinen Gerichtssaals füllen. Wie schon am ersten Prozesstag werden auch am Mittwoch (13.10.2021) mehrere Besucher nach langer Wartezeit an der Gerichtstür abgewiesen. Und wie zuvor ist die Stimmung gereizt – der Vater eines der Opfer hatte den Angeklagten am ersten Prozesstag während einer Verhandlungspause auf die Toilette verfolgt, dort auf ihn eingetreten und war deshalb vom weiteren Prozessbesuch ausgeschlossen worden.

Unfall nahe Hofheim: Gutachten einer Toxikologin im Mittelpunkt

Am zweiten Verhandlungstag geht es hauptsächlich um das Gutachten einer Toxikologin, das klären soll, wie die Cannabinoide in B.s Blut gekommen sind, in dem nach dem Unfall THC-Spuren „in mittlerer Konzentration“ nachgewiesen worden waren. B. hatte angegeben, er habe aus Lockdown-Langeweile das Kiffen ausprobiert, es zwei Wochen vor seinem 18. Geburtstag aber wieder sein lassen. Die THC-Werte versuchte er durch den Besuch der vier Freunde in einer Shisha-Bar kurz vor dem Unfall zu erklären.

Laut Gutachterin ist das eine Schutzbehauptung. Sollte B. vor dem Unfall tatsächlich zweieinhalb Wochen abstinent gewesen sein, wären die Werte nicht erklärbar. Allerdings sei es nicht nachzuweisen, dass B. an jenem Tag berauscht gewesen sei. Im Gegensatz zu Alkohol hält sich THC hartnäckig im Blut und bildet dort „Depotwerte“. Gegen einen Rausch spricht laut Gutachterin, dass B. statt der erlaubten 100 Kilometer pro Stunde mit 130 auf der Landstraße unterwegs gewesen war: „Cannabiskonsum hat in der Regel langsames Fahren zur Folge.“ Weitaus wichtiger bei der Unfallhäufigkeit seien außerdem drei andere Indikatoren: „Alter, Erfahrung und Anzahl der Beifahrer“.

Drei Toten bei Unfall nahe Hofheim: Bitte um Vergebung

Die meisten Hinterbliebenen wollen davon nichts hören. Fast scheint, als könne die Überzeugung, B. habe sich vorsätzlich einen Vollrausch angeraucht und dann seine drei Freunde ins Auto gezwungen, ihr Leid mildern. „Ich kann Ihr Leid nicht mildern. Ich kann Sie nur um Vergebung bitten“, hatte sich B. schon zu Prozessbeginn an die Hinterbliebenen gewandt und damit das Kernproblem der Vergebung angesprochen: Man kriegt sie nicht geschenkt, man kann sie nicht kaufen, man kann sie nur erbitten.

Der eigentlich vom Prozess ausgeschlossene Vater sitzt am Mittwoch erneut im Zuschauersaal. Einen Tag nach seinem Ausschluss hatte sich Benjamin B. mit einem Bittbrief an die Jugendschöffenrichterin gewandt. Er könne „die Emotionen verstehen“, er wisse auch, wie wichtig dem Vater „der weitere Zugang zur Hauptverhandlung“ sei und bitte sie, ihm diese auch zu gewähren. Die Richterin akzeptierte.

Aber es ist natürlich so, dass sich manche Taten viel leichter vergeben lassen als andere. (Stefan behr)

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