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Rätsel um tote Nilgänse

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Von: Georg Leppert

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Der Ostpark ist weiterhin stark von Nilgänsen bevölkert.
Der Ostpark ist weiterhin stark von Nilgänsen bevölkert. © Christoph Boeckheler

Die Polizei findet acht Nilgänse-Kadaver im Ostpark in Frankfurt. Ob ein Mensch oder ein Tier die Tiere getötet hat, sollen nun Pathologen klären.

War es ein Fuchs, ein Hund oder ein Tierquäler? Nachdem am Dienstagabend im Frankfurter Ostpark acht tote Nilgänse gefunden wurden, setzt die Polizei bei ihren Ermittlungen auf das Hessische Landeslabor in Gießen. Dort wurden die Kadaver am Mittwoch untersucht. Mit Ergebnissen wird Ende der Woche gerechnet.

Eine Tierschützerin hatte am Dienstagabend mehrere tote Nilgänse in der Nähe des Ostparkweihers entdeckt und die Polizei gerufen. Die Beamten durchkämmten auch die umliegenden Gebüsche und fanden insgesamt acht tote Vögel. Die Kadaver waren zum Teil schon stark verwest, bei zwei Tieren fehlte der Kopf. Offenbar seien die meisten Nilgänse schon länger tot, sagte Polizeisprecher Manfred Füllhardt am Mittwoch auf Anfrage der FR. Zudem geht Füllhardt davon aus, dass die Tiere nicht in kurzer Folge hintereinander, sondern vermutlich an mehreren Tagen getötet wurden.

Der Fall erinnert an den Tod von 15 Flamingos im Frankfurter Zoo im März 2014. Die Tiere waren geköpft worden. Sofort gab es Spekulationen über irre Tierquäler, die sich nachts aufs Zoo-Gelände schleichen. Doch nach wenigen Tagen kam aus dem Hessischen Landeslabor die Nachricht: Die Tiere wurden von einem Fuchs getötet. Der damalige Zoo-Direktor Manfred Niekisch zeigte sich erleichtert. Vor Füchsen könne man die überlebenden Tiere durch einen Zaun schützen, gegen einen Sadisten hätte man deutlich weniger Handhabe gehabt.

Das Landeslabor soll auch diesmal klären, wie die Tiere umgekommen sind. Tierärztin Anne Nesseler, die mit ihrem Team am Mittwoch drei tote Vögel zumindest oberflächlich begutachten konnte, wollte auf FR-Anfrage gar keine Todesursache ausschließen. Möglich sei etwa auch eine Infektion, die bei dem heißen Wetter vergleichsweise häufig vorkomme. Sollte ein Fuchs oder ein Hund die Tiere umgebracht haben, „finden wir im Idealfall sogar Bissspuren“, wobei Nesseler die Erwartungen dämpfte. Die Kadaver seien in keinem besonders guten Zustand angeliefert worden, sagte die Pathologin.

Einige sprechen von Nilgans-Plage

Auf das Ergebnis der Untersuchung ist auch Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) gespannt. Sie hatte am Mittwoch zahlreiche Gespräche mit Journalisten. Denn das Thema Nilgänse wird in Frankfurt emotional geführt. „Zumindest erreichen uns Anfragen und Beschwerden immer in Wellen“, sagte Heilig am Mittwoch.

Einige Nutzer der Frankfurter Grünanlagen sprächen von einer Nilgans-Plage, sagte Heilig. Vor allem im Ostpark, wo seit Jahren viele der Tiere unterwegs sind. „Natürlich ist es nicht schön, wenn der Kot der Vögel auf der Wiese liegt“, sagte Heilig. Als Umweltdezernentin seien ihr aber die Hände gebunden.

Im März hatte Heilig einen Zaun im Ostpark aufstellen lassen, der die Tiere von der Liegewiese fernhalten soll. Diesen sehe sie nicht als nutzlos an – anders als die „Bild“-Zeitung, die regelmäßig über die Barriere spottet und Fotos von Tieren veröffentlicht, die den Zaun überfliegen, daran vorbeilaufen oder durch einen (inzwischen geschlossenen) Spalt durchkriechen. Zwar werde die Stadt erst am Ende des Sommers eine Bilanz in Sachen Nilgänse ziehen. Doch die Barriere soll in jedem Fall auch im nächsten Jahr aufgestellt werden. Heilig verwies darauf, dass in Darmstadt und Offenbach nun ebenfalls Zäune gegen Nilgänse errichtet würden.

Im Frankfurter Brentanobad greift man zu drastischeren Mitteln. Da das Gelände regelmäßig von Nilgänsen bevölkert ist, hatten die städtischen Bäderbetriebe im vorigen Jahr einen Jäger beauftragt, einige Tiere zu erschießen. Auch in diesem Jahr soll wieder gefeuert werden. Nach einem Bericht der dpa warten die Bäderbetriebe auf die Abschussgenehmigung. Unlängst war ein zweijähriger Junge nach einem Besuch im Bad erkrankt. Ob er mit dem gesundheitsschädlichen Kot der Tiere in Berührung gekommen war, ist unklar.

Wie Heilig berichtete, wollten auch Bauern in Oberrad auf Nilgänse schießen lassen, die sich auf ihren Feldern herumtreiben. „Der beauftragte Jäger hat das aber abgelehnt“, sagte die Umweltdezernentin. Die Gefahr, auf dem freien Feld versehentlich ein anderes Tier oder gar einen Menschen zu treffen, war ihm laut Heilig zu groß.

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