Nicht so dicht. Auch auf dem Rad ist Abstand halten die Devise. 
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Nicht so dicht. Auch auf dem Rad ist Abstand halten die Devise. 

Verkehr

Radweg auf Zeit in Frankfurt

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Aktivisten zwacken dem Autoverkehr auf der Untermainbrücke eine Stunde lang eine Fahrspur ab und widmen sie den Radfahrern. Auch die Umwelthilfe fordert weitere Radwege.

Die Untermainbrücke in Frankfurt bekommt einen eigenen Radweg. Zumindest für kurze Zeit. Am heutigen Donnerstag von 17 bis 18 Uhr stellen der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und der hiesige Radentscheid Pylonen an einer Fahrspur auf, damit Radfahrer mehr Platz bekommen.

Es ist nicht die erste Aktion dieser Art, um zu zeigen, dass den Autos in der Stadt deutlich mehr Platz als Fußgängern und Radfahrern eingeräumt wird. Zuletzt hatte der Radentscheid unter anderem auf der Friedberger Landstraße demonstriert und einen temporären Radweg an der Gallusanlage eingerichtet.

Bislang gibt es auf der Untermainbrücke nur einen gemeinsamen Fuß- und Radweg. Nun wird eine der vier Autospuren für die Radfahrer abgetrennt. „Wir wollen den Radfahrenden und zu Fuß Gehenden ermöglichen, in Corona-Zeiten einen gesunden Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen Menschen halten zu können und gleichzeitig aufzuzeigen, dass in Frankfurt mehr als genug Platz für nachhaltigen Verkehr vorhanden ist, wenn man ihn sinnvoll und fair verteilt“, teilen die Veranstalter mit. Interessierte sind eingeladen vorbeizukommen. Sie sollten aber den nötigen Abstand wahren.

Website

Anträge für Fahrradstraßen: www.duh.de/fahrradstrassen-jetzt

Über diesen Pop-up-Radweg hinaus soll die Stadt während der Corona-Krise weitere temporäre Radwege einrichten, fordern ADFC und Radentscheid. Denn der Autoverkehr sei stark zurückgegangen, Busse und Bahnen seien leerer als üblich. Dafür führen die Menschen mehr Fahrrad als ohnehin schon.

Allerdings sei die Infrastruktur schnell überlastet, wenn sich viele Radfahrer auf den oft schmalen Radwegen begegneten. Dann sei es auch schwierig, die Abstandsregeln einzuhalten. Dieses Phänomen gebe es auch in anderen deutschen Städten. Berlin habe deswegen bereits Ende März an mehreren Hauptstraßen temporäre Radwege angelegt und bestehende verbreitert.

Unterstützung kommt von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Sie hat Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, ihren Stadtpolitikern Anträge für Fahrradstraßen zukommen zu lassen; in den Musterschreiben können sie konkrete Streckenabschnitte benennen. In 203 Städten seien diese Fahrradstraßen schon beantragt worden, teilte die Umwelthilfe mit. In Hessen zählten dazu unter anderem Frankfurt, Offenbach, Bad Vilbel, Darmstadt, Mörfelden-Walldorf, Oberursel, Rodgau und Wiesbaden.

Der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), der am Mittwoch Geburtstag feierte, will allerdings keine temporären Radwege einrichten lassen. „Die Verwaltung ist gut damit beschäftigt, den Radentscheid-Kompromiss abzuarbeiten“, sagte er. Es stehe außer Frage, dass den Radfahrern mehr Platz eingeräumt werden müsse, auch zulasten des Autoverkehrs. Allerdings erwarte er, dass nach der Öffnung der Geschäfte der Autoverkehr wieder anziehe. Auf temporäre Radwege müsse sich die Koalition verständigen.

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