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Alexander Breit (vorne) ist Sprecher des Radentscheids Frankfurt.
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Alexander Breit (vorne) ist Sprecher des Radentscheids Frankfurt.

Mobilität

Radentscheid Frankfurt: „Die Umsetzung müsste schneller gehen“

  • Florian Leclerc
    VonFlorian Leclerc
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Alexander Breit vom Radentscheid Frankfurt fordert im Interview mehr Tempo bei der Umsetzung des Radentscheid-Programms.

Vor knapp zwei Jahren hat die Stadtverordnetenversammlung das Programm „Fahrradstadt Frankfurt“ beschlossen, das aus den Verhandlungen mit dem Radentscheid Frankfurt hervorgegangen war. Das Programm läuft zunächst bis Ende 2022. Alexander Breit vom Radentscheid zieht eine Zwischenbilanz.

Herr Breit, wie sieht Ihre Zwischenbilanz aus?

Wir sind so halb zufrieden. Es wurden gute Projekte umgesetzt wie die Radwege auf der Friedberger Landstraße und der Hochstraße. Gleichzeitig liegen viele Planungen seit Jahren in der Schublade. Wenn die umgesetzt werden, entsprechen sie nicht dem Standard, den wir wollen. Das Tempo der Umsetzung ist sehr niedrig. Es muss schneller gehen.

Ist das Radentscheid-Programm – 45 Kilometer Radwege, fahrradfreundliche Nebenstraßen, umgebaute Kreuzungen – bis Ende nächsten Jahres zu schaffen?

Ich glaube nicht. Man sollte sich aber nicht an der Zahl 45 Kilometer Radwege aufhängen. Wichtiger ist, dass die Politik weiter zum Programm steht.

Was müsste nun dringend angegangen werden?

Die restlichen Projekte aus dem Radentscheid-Programm. Sehr wichtig und sichtbar wäre eine Fortführung des Radwegs auf der Hochstraße über den Cityring und auf dem Anlagenring. Wenn es dort eine durchgängige Achse gebe, könnte man sehr komfortabel um die Innenstadt und die Zeil herumfahren.

Zu den fahrradfreundlichen Nebenstraßen, etwa im Oeder Weg oder im Grüneburgweg, gab es Kontroversen. Glauben Sie, dass die Umsetzung klappt?

Ich bin sehr zuversichtlich. Die Verwaltung hat die Pläne schon veröffentlicht. In den Ortsbeiräten und in der Stadtverordnetenversammlung wird die Diskussion weitergehen. Wir werden uns einbringen und mit den Gewerbetreibenden reden, um Überzeugungsarbeit zu leisten.

Welche Erwartungen haben Sie an die geplante Koalition?

Ich war sehr optimistisch, als ich den Koalitionsvertrag gelesen habe. Der liest sich sehr gut. Aber Papier ist geduldig. Im alten Koalitionsvertrag stand ein Radweg auf der Berliner Straße drin, den es bis heute nicht gibt. Auch der Mainkai war politisch verankert. Wir sehen jetzt, dass Teile der FDP beim Radverkehr dagegen halten. Ein Kritikpunkt, warum die FDP dem Koalitionsvertrag nicht zugestimmt hat, war die Mobilitätspolitik. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Momentan bin ich verhalten optimistisch.

Zur Person

Alexander Breit ist 29 Jahre alt und arbeitet als Stadtplaner im Stadtplanungsamt der Stadt Frankfurt am Main. Er engagiert sich seit 2017 für den Radentscheid Frankfurt. fle

Wo sehen Sie Widerstände gegen eine Mobilitätswende?

Alle Parteien in Frankfurt behaupten, sie unterstützen grundsätzlich den Radverkehr. Wenn es konkret wird, machen sie teilweise einen Rückzieher. Die FDP hatte ich genannt, dort ist Mobilität innerparteilich umstritten. Diese Debatte setzt sich auf Ortsbeiratsebene fort. Da hängt es oft an einzelnen Personen, die man überzeugen muss.

Und außerhalb der Parteien?

Die Industrie- und Handelskammer und die Handwerkskammer sprechen sich oft gegen Maßnahmen für den Fuß- und Radverkehr aus. Die Bürgerinitiative „Sachsenhausen wehrt sich“ von Herrn Schmoll hatte ein sehr spezifisches Thema, den Mainkai. Nun hat sich die Initiative „Vorfahrt Frankfurt“ gegründet. Wir bleiben gesprächsbereit und hoffen auf einen produktiven Austausch – auch wenn ich den Eindruck habe, dass diese Gruppen nur daran interessiert sind, ihre alten Privilegien zu behalten.

Wenn man www.vorfahrtfrankfurt.de in den Browser eingibt, landet man auf der Seite des Radentscheids.

Ja, das kann ich mir auch nicht erklären.

Sie sind Stadtplaner. Müsste man erst einen Gesamtverkehrsplan schreiben und dann die Stadt umbauen, oder einfach machen, und es dann in den Gesamtverkehrsplan einbetten?

Ich glaube, das muss Hand in Hand gehen. Pläne in allen Ehren. Aber dafür haben wir jetzt nicht mehr die Zeit. Wir können nicht zehn Jahre lang jedes Detail im Voraus diskutieren, wenn wir unsere Stadt lebenswerter machen wollen. Wir müssen jetzt einen Beitrag zur Abwendung der Klimakatastrophe leisten. Radwege tragen dazu bei. Mit einer einfachen Markierungslösung wie auf der Friedberger Landstraße geht das sehr schnell. Der Radweg wird auch sehr gut angenommen, die Staus sind erträglich. In einem zweiten Schritt kann man den Radweg mit einem Bordstein baulich trennen.

Wird es künftig mehr Pop-up-Radwege geben wie jüngst auf der Walter-Kolb-Straße?

Die Stadt Frankfurt hat sich bislang skeptisch gegenüber Pop-up-Radwegen gezeigt, wie sie etwa in Berlin sehr erfolgreich umgesetzt wurden, dafür werden aber zahlreiche andere Maßnahmen umgesetzt. Wir wollten mit unserer Aktion darauf hinweisen, dass der Radweg nach der Alten Brücke in Sachsenhausen an der Walter-Kolb-Straße abrupt aufhört. In Sachsenhausen hat sich im Ortsbeirat eine Koalition gegen die Grünen gebildet, wobei es auch um das Mobilitätsthema ging. Da wollen wir auch ins Gespräch kommen und produktiv Lösungen vorschlagen, wie wir weitermachen können.

Interview: Florian Leclerc

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