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Die Demonstrierenden trafen sich am Merianplatz. Foto: Michael Schick
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Die Demonstrierenden trafen sich am Merianplatz.

Protest

Radeln gegen Corona und Kapitalismus

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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Initiative fordert dezidiert linke Antworten auf die Krise. Die Themen sind vielfältig: von der Situation in der Pflege bis hin zum Waffenhandel.

Politische Parolen beherrschen am frühen Samstagnachmittag die Szenerie am Merianplatz. Mit gelben, grünen und roten Sonnenschirmen werben Mitglieder von Parteien um Stimmen für die anstehende Kommunalwahl. Währenddessen radelt eine kleinere Gruppe als Fahrraddemonstration die Berger Straße hinunter. „Fahrradfahren wie in Kopenhagen“ ist auf einem der Schilder zu lesen, die an den Rädern befestigt wurden.

Das eindeutig größere Pendant sammelt sich derweil auf dem Merianplatz.

Unter dem Titel „Corona; Kapitalismus; Krise“ hatte die Initiative „Aufklärung statt Verschwörungsideologien“ zu ihrer Fahrraddemonstration aufgerufen.

Die wartenden Radler:innen bekommen Drahtkleiderbügel angeboten, an denen Papierbögen mit Botschaften hängen – wie „Lockdown für Lohnarbeit“, „Corona tötet! Grenzen auch!“ oder „Klatschen hilft nicht“. An Gepäckträgern, Lenkstangen und Fahrradkörbe werden die Schilder gehängt oder sogar zwischen den Speichen befestigt. Alle, die zu sehen sind, tragen Mund-Nase-Bedeckung.

Auf rund 200 schätzt Timo Brym, Sprecher der veranstaltenden Initiative, die Zahl der Teilnehmenden. Ein Polizist spricht von „mehr oder weniger 180“.

Über die Nibelungenallee rollt die Demo in Begleitung von Polizeiautos und -motorrädern am Bürgerhospital vorbei, die Eschersheimer Landstraße hinauf, durch Praun- und Heddernheim. Dabei sind neben lauter Musik immer mal wieder die Fahrradklingeln von Teilnehmenden zu hören. Nach einem Stopp am St.-Elisabethen-Krankenhaus geht es zum Abschluss zur Bockenheimer Warte. Bewusst habe das Organisationsteam eine Route in einige weiter entfernte Stadtteile gewählt, um auch außerhalb der Innenstadt wahrgenommen zu werden, berichtet Brym. Die Kundgebungen an zwei Krankenhäusern, die auf dem Weg liegen, seien ebenfalls bewusst ausgesucht worden: „Weil sich vor Ort in den Krankenhäusern die Krise zuspitzt“, sagt Brym.

Laura Miller ist selbst Intensiv-Krankenschwester. Nur neun Tage Urlaub habe sie im letzten Jahr gehabt, berichtet sie. In ihrer Rede vor dem Bürgerhospital sagt sie: „Eine Bewältigung von Krisen wie der derzeitigen Pandemie ist in einem gewinnorientierten Gesundheitssystem nicht möglich.“ Sie fordert ein Ende von „prekären Arbeitsbedingungen in der Pflege“. Besonders betroffen seien überwiegend Frauen, die „mit Schichtarbeit und Familie oft extrem belastet“ seien. Daneben spricht sich Miller für eine weltweite Solidarität aus. „Globale Gesundheitssicherung kann es nur gemeinsam geben“, sagt sie. Impfstoffe und Tests müssten durch einen „globalen Mechanismus“ gerecht verteilt werden. Das Patentsystem solle abgeschafft werden, weil es „öffentliche Forschungsinvestitionen in private Gewinne der Pharmakonzerne“ umwandle.

Teilnehmerin Ute Christmann sagt, sie habe eine „lange Liste“ an Gründen, warum sie zur Demo gekommen sei. „Die Einsparungen und Privatisierungen im Gesundheitssystem müssen rückgängig gemacht werden“, sagt die 67-Jährige. „Alle sozialen Bereiche, also auch Kitas und Flüchtlingsheime, werden vollkommen ausgebeutet und sind überfordert“, so Christmann. Niklas Dörrhöfer, ein weiterer Demo-Teilnehmer, sagt: „Ich beschäftige mich schon länger mit Möglichkeiten, wie die Linke auf die Corona-Pandemie antworten kann.“ Der Student möchte mit seinem Protest Aufmerksamkeit für „sozial schwächere Gruppen“ erzeugen. „Die leiden mehr als große Unternehmen“, sagt der 23-Jährige.

„#Healthcare – No Warfare“ haben Aktivist:innen der Gruppe „Rheinmetall entwaffnen“ auf ein orangefarbenes Transparent geschrieben, das sie hochhalten. Christoph Brandt, Sprecher des antimilitaristischen Bündnisses, sagt: „Angesichts der Bedrohung durch eine weltweite Pandemie mit zurzeit 2,5 Millionen Toten ist die Forderung, Rüstungsproduktion, Waffenexporte und Kriege zu stoppen, bestimmt keine radikale.“ Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall profitierten vom milliardenschweren Konjunkturprogramm der Bundesregierung zur Bewältigung der Pandemie.

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