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Ein Fahrrad-Corso sammelt für das Kinderhospiz.

Fahrradkorso

Radeln für kranke Kinder

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Mehr als 200 Menschen rollen beim Fahrradkorso des Hospizdienstes durch die Stadt. Sie wollen auf ambulante Kinderhospizarbeit aufmerksam machen.

Wie im Tandem sitzen Jesse und sein Vater am Samstagnachmittag im Sattel und strampeln mit weiteren Dutzenden Radlerinnen und Radlern durch Frankfurts Straßen. Der Junge ist mit dem Rad seines Vaters durch eine spezielle Anhängerkonstruktion verbunden und kann gleichzeitig mitstrampeln.

Jesse ist einer der wenigen Betroffenen, die beim Kinder-Fahrradkorso des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes (AKHD) dabei sein können. Der zehnjährige Junge hat Epilepsie, wie Vater Wolfgang Dihn sagt, „wir müssen uns stark auf ihn konzentrieren und brauchen ab und zu Luft und Zeit für uns und für unseren anderen, gesunden Sohn.“ Und bei diesem „Luft holen“ helfe der AKHD. Jeweils einmal wöchentlich kämen zwei Ehrenamtliche vorbei, um mit Jesse Spaziergänge zu unternehmen. „Sehr liebevoll“ gingen sie mit dem Jungen um. „Das ist auch für Jesse positiv, weil er so außer uns einen anderen Bezugspunkt hat“, bekräftigt Dihn.

Rund 70 Ehrenamtliche verbringen in Frankfurt regelmäßig Zeit mit Kindern, die an „lebensverkürzenden Krankheiten“ leiden, darunter neurologische und onkologische, Stoffwechsel- und Muskelerkrankungen sowie Gendefekte. Das berichtet Angelika Möschter. Die 45-jährige Musiktherapeutin ist eine von drei hauptamtlichen Koordinatorinnen, die in Frankfurt die Freiwilligen an Familien vermitteln. Im Ostend ist das Büro, wohin der Radkorso nach dem Start am Römer, dem Weg über den Hauptbahnhof und die Senckenberganlage und nach Halt am Goetheplatz am Samstag hinrollt.

Auf 200 bis 250 schätzt Möschter die Anzahl der Teilnehmenden. „Wir wollen so auf die ambulante Kinderhospizarbeit aufmerksam machen und die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung erhöhen“, sagt sie. Drei Viertel seines Etats müsse der Verein, der aus dem vor drei Jahrzehnten gegründeten Deutschen Hospizverein hervorgegangen ist, aus Spenden akquirieren. Auch das Jubiläum des bundesweiten Vereins sei ein Anlass zu dem Fahrradkorso gewesen.

Die Freunde Liam und Rajveer sind gesund und radeln am Samstag auf ihren eigenen Rädern mit. „Wir sind hier für Kinder, die kein Rad fahren können“, sagt der neunjährige Liam. Und der ein Jahr jüngere Rajveer ergänzt, „wenn für Kinder, die krank sind, Geld gesammelt wird, geht es ihnen besser“. Seine Mutter Jasmin Deo hat mit ihrem Sohn ein Schild gebastelt hat, das an der Rückenlehne des Fahrradsitzes hängt, in dem die kleine Schwester schläft. Darauf steht: „Gemeinsam sind wir stark für Kinder.“

Die 35-Jährige hat just während des Radkorsos überlegt, sich als Ehrenamtliche beim AKHD zu engagieren. „Ich würde gerne ein Kind sonntags begleiten und mit ihm in Respekt und Würde einige der Tage verbringen, die es noch hat“, sagt sie. Ideen für Ausflüge mit den kranken Kindern haben Liam und Rajveer bereits: „In den Wald gehen, ein letztes Mal zelten oder in den Park.“ Rajveer ergänzt: „Und wenn sie Rad fahren können, ein letztes Mal mit ihnen Rad fahren.“

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