Corona-Demo

„Querdenken“-Demo in Frankfurt: Protest ohne Maske

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Die „Querdenken“-Demo wird von der Mundschutz-Auflage befreit. 500 Teilnehmer:innen kommen in die Innenstadt.

  • Corona-Demo in Frankfurt am Main: Ausnahmeregel setzt Maskenpflicht aus.
  • Querdenken-Demo: Wenig Demonstrant:innen, die einen Mund-Nasen-Schutz gegen das Coronavirus tragen.
  • Kritik an den Corona-Maßnahmen: Untätigkeit der Stadt Frankfurt gegen Querdenker-Demo stößt auf Unverständnis.

Frankfurt am Main – Mund- und Nasenschutz tragen am Samstagnachmittag (24.10.2020) auf dem Goetheplatz nur wenige Menschen. Während mittlerweile an mehreren Straßen und Plätzen in der Innenstadt Schilder auf die Maskenpflicht hinweisen, ist diese Pflicht bei der Demonstration von „Querdenken 69 Frankfurt“ am Goetheplatz für einige Stunden ausgesetzt.

„Durch eine Ausnahmeregelung der Versammlungsbehörde gibt es etwas erleichterte Bedingungen“, berichtet der Einsatzleiter der Polizei am Rande der Kundgebung, bei der er mehrere Dutzend Einsatzkräfte koordiniert. Wenn genug Abstand zwischen den Teilnehmern herrsche, müsse keine Maske getragen werden, so habe es das Ordnungsamt angeordnet. „Viele Bürger schütteln den Kopf und reagieren mit Unverständnis“, sagt er weiter. Insgesamt verlaufe die Demo jedoch friedlich.

„Querdenker“ demonstrieren am Goetheplatz gegen die Corona-Maßnahmen.

Querdenker-Demo in Frankfurt am Main: Unverständnis bei vielen Bürger:innen

Auf rund 500 Menschen schätzt der Polizist die Zahl der Teilnehmer, die unter dem Motto „Nicht unsre Normalität“ zusammengekommen sind, um gegen die Corona-Maßnahmen der Politik zu protestieren. Tatsächlich herrscht insbesondere in den hinteren Reihen viel Platz zwischen den Demoteilnehmer:innen, die dort auf einer Leinwand die auf einem Lkw improvisierte Bühne sehen können. Dort kreuzen auch immer wieder Passanten mit Masken den Weg, die zwischen Goethestraße oder Freßgass und Hauptwache unterwegs sind. In den vorderen Reihen, wo die Kundgebung großzügig mit Absperrgittern umzäunt wurde, stehen die Protestierenden etwas enger zusammen.

Dass gegen sie nichts unternommen wird, stößt bei der Stadtverordneten Jutta Ditfurth (Ökolinx) auf Unverständnis. „Die Stadt und Oberbürgermeister Peter Feldmann holen die Bundeswehr ins Gesundheitsamt, aber schaffen es heute nicht mal, die Corona-Querfront ohne Masken in Frankfurt aufzulösen“, schreibt sie auf Twitter.

Proteste gegen Corona-Maßnahmen: Maskenpflicht verweigern viele Demonstrant:innen

An einigen Gittern hängen Schilder mit Aufschriften wie „Corona-Maßnahmen = lebensverachtend!“, „Für freies Denken ohne Zensur“ und „Leben braucht Liebe, Luft, Licht“. Auf der Bühne kommt Dagmar Bremer zu Wort, die als Krankenschwester in der psychiatrischen Abteilung eines Frankfurter Krankenhauses gearbeitet hat. Sie sagt: „Ich möchte nicht allzu lange auf der Maske rumhacken, aber sie stellt in der therapeutischen Arbeit eine Behinderung dar.“ Sie sorge sich um Patienten, die heimgeschickt worden seien und ohne Unterstützung nicht zurechtkämen.

In der Menge befüllt unterdessen eine ältere Frau rote Luftballons in Herzoptik mit Helium und verteilt sie. Sie trägt einen Maleranzug, an dem zwei Schilder hängen mit der Aufschrift „Geburt mit Maske?“ und „Seid gehorsam!“. Ein Moderator, der unter dem Namen „Chris Querdenken-615“ auf der Leinwand angezeigt wird, fordert die Menschen auf, ihre rechte Hand auf ihr Herz zu legen und die Augen zu schließen. Einige machen mit. Dann sagt er: „Wir denken an die Menschen, die unter schädlichen Corona-Eindämmungsmaßnahmen leiden.“ Jeder Mensch sei wichtig und unverzichtbar.

Querdenker-Demo: Kritik an Corona-Maßnahmen, Merkel und Spahn

Der Politiker David Claudio Siber, der nach seiner Kritik an Corona-Maßnahmen sowie einer Rede bei einer Querdenken-Demo in Berlin als Fraktionsmitglied der Grünen in Flensburg von seiner Partei ausgeschlossen worden ist, wettert gegen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), gegen den Virologen Christian Drosten sowie gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Frau Merkel, haben Sie die absolute Weisheit gepachtet?“, fragt er rhetorisch. Aus dem Publikum wird gejohlt. „Hier geht es nicht um Gesundheit, hier geht es um Geld“, sagt Siber weiter und bekommt dafür Applaus.

Rubriklistenbild: © Rolf Oeser

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