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Im Rebstockpark kommen am Sonntag rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen - bei wiederholt einsetzendem Regen. Foto: Rolf Oeser.
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Im Rebstockpark kommen am Sonntag rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen - bei wiederholt einsetzendem Regen.

Demonstration

„Querdenken“ in Frankfurt: Unzufrieden mit der Corona-Politik

  • Florian Leclerc
    VonFlorian Leclerc
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  • Clemens Dörrenberg
    Clemens Dörrenberg
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In Frankfurt drücken rund 500 Menschen ihre Skepsis gegenüber Medien und Impfungen aus.

Es war eine organisatorisch vertrackte, inhaltlich etwas wirre, im Ablauf aber weitgehend friedliche Veranstaltung, die die „Querdenker“-Bewegung am Sonntag in Frankfurt abgehalten hat.

Ursprünglich wollten sich laut Anmeldung rund 1000 Personen ab 14 Uhr vor dem Hessischen Rundfunk versammeln, um kundzutun, dass sie wenig von den Corona-Maßnahmen halten und in der Berichterstattung aus ihrer Sicht zu kurz kommen. Das Ordnungsamt der Stadt Frankfurt hatte allerdings verfügt, dass die Demonstration wegen des Infektionsschutzes im Rebstockpark stattfinden sollte.

Vorfall nahe der EZB

In sozialen Medien kursierten Gerüchte, die Veranstalter der Demonstration würden dagegen gerichtlich vorgehen. Allerdings war der Polizei, die davon wissen müsste, bis Sonntagmittag kein Eilantrag bekannt. Dann zog die Person, die die Veranstaltung angemeldet hat, die Anmeldung am Sonntagmittag zurück, was für reichlich Verwirrung sorgte.

Erst hieß es, nun gebe es keine Kundgebung am Rebstockgelände. Daraufhin begaben sich einige Demonstrantinnen und Demonstranten zur Weseler Werft, wo eine Kundgebung für Julian Assange stattfinden sollte. Diese Kundgebung wurde daraufhin abgesagt, weil die Anmelderin sich nicht von „Querdenken“ instrumentalisieren lassen wollte.

Nahe der EZB kam es zu einem Vorfall, bei dem ein Demonstrant eine Gegendemonstrantin aneinander gerieten. Dieser Vorfall ist auf einem Video in sozialen Netzwerken festgehalten. Die Polizei hat den Vorfall den Angaben zufolge aber noch nicht ausgewertet.

Polizei kontrolliert Masken und Abstände

Zwischen 14 und 16 Uhr trafen laut Polizei rund 500 Personen am Rebstockgelände ein. Dort hatte die Polizei ein Areal abgesperrt, das sie später vergrößerte. Der Entertainer Nana Domena meldete als „Spontananmelder“ eine neue Demonstration an, was die Polizei zuließ.

Sie wies per Durchsage mehrfach auf die Einhaltung der Masken- und Abstandspflicht hin und kontrollierte diese auch. Vereinzelt seien Personen, die die Maske verweigerten und keinen Attest gehabt hätten, herausgeführt worden, sagte ein Sprecher. Er sprach von einer weitgehend friedlichen Veranstaltung.

Inhaltlich gaben die Rednerinnen und Redner ihrem Misstrauen gegenüber der Presse und vor allem öffentlich-rechtlichen Medien Ausdruck. So werde etwa über die psychischen Folgen der Corona-Maßnahmen bis hin zu Suiziden von Minderjährigen zu selten berichtet.

Gegenprotest vorm HR

Die Corona-Maßnahmen erachteten sie als zu starke Einschränkung der Freiheitsrechte. Rednerinnen und Redner drückten ihre Skepsis aus, dass Impfungen und PCR-Tests Wirkung zeigten. Auf der Bühne sangen „Thomas, der Busfahrer“ und „Björn Bahnane“: „Eine Pandemie war niemals da, sie belügen uns seit einem Jahr.“

Dass die Kundgebung unter dem Motto „Wie viel kann man euch noch glauben? – Medienkritik und Kulturerhalt“ nicht vorm HR stattfinden konnte, begrüßte Knud Zilian vom hessischen Landesverband des Deutschen Journalistenverbands (DJV). „Die Querdenker sind so verbohrt in ihren Verschwörungstheorien“, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes. Er fügte hinzu: „Wir sollten in Deutschland froh sein, dass die Pressefreiheit so ist, wie sie ist“.

Im Dornbusch, auf einem Grünstreifen an der Bertramstraße Ecke Adickesallee, hatten sich rund 150 Teilnehmende zu einer Gegen-Kundgebung eingefunden. Teils im Regen harrten die meisten mehrere Stunden dort aus. Fahnen der Dienstleistungsgewerkschaft „ver.di“ wehten sowie eine rote mit der Aufschrift „Antifaschistische Aktion“. Auf Schildern von „Die Partei“ ist zu lesen: „Anticovidiotista“ und „Wir impfen euch alle“. Andreas Dickerboom, Vertreter von Verdi und HR-Mitarbeiter, sagte in seiner Ansprache: „Wir fordern, dass Medienvertreter besser geschützt werden, damit sie ihren Job angstfrei ausüben können“. Die 67-jährige Eva Preuß-Hinzer sagte: „Ich finde es empörend, dass die Presse als gleichgeschaltet bezeichnet wird“.

Die Veranstaltung am Rebstock endete um 18 Uhr.

Transparenzhinweis: In einer ersten Version dieses Beitrags stand „Nahe der EZB kam es zu einem Vorfall, bei dem ein Demonstrant eine Gegendemonstrantin trat.“ Das konnte die Polizei nach Ermittlungen auf erneute Anfrage nicht bestätigen. Sie sprach davon, dass es zu einer versuchten Körperverletzung und Beleidigung zum Nachteil des Mannes gekommen sei. Möglicherweise komme eine wechselseitige Körperverletzung in Betracht. Bei beiden Personen seien im Nachgang die Personalien festgestellt worden. Verletzt wurde demnach niemand.

Die Polizei hat den Hessischen Rundfunk weiträumig abgeriegelt.
Bei einer Gegendemo betonen DJV-Vertreter auf der Bertramswiese den Wert der Pressefreiheit.
Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer der „Querdenken“-Demonstration kommen am Mittag zunächst zum HR.

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