Kuss41-Leiterin Alisa Weidinger (Mi.) und Mitarbeiter.  
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Kuss41-Leiterin Alisa Weidinger (Mi.) und Mitarbeiter.

Treffpunkt

Queeres Zentrum Kuss 41 in Frankfurt: Ein sicherer Raum für alle Geschlechter

  • vonThekla Stobbe
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Das queere Zentrum Kuss 41 nahe der Konstablerwache in Frankfurt feiert sein zehnjähriges Bestehen.

Seit zehn Jahren schon ist das Kuss 41 an der Konstablerwache ein wichtiger Treffpunkt für junge, queere Menschen. Trotz dreimonatiger Schließung von Mitte März bis Juni haben die Mitarbeitenden das Angebot so weit wie möglich aufrechterhalten – digital und seit dem 16. Juni unter Einschränkungen wieder vor Ort.

Der Stellenwert, den das Zentrum im Leben seiner Besuchenden hat, wird anhand von Aussagen wie der von Maria, 19 Jahre alt und Studentin, deutlich: „Wenn die Scham fehlt, gehen die Dinge schneller.“ Sie meint damit ihre Transition und den Anteil des queeren Zentrums Kuss 41 daran.

Raum für identitätsbildende Prozesse bietet das queere Zentrum in der Kurt-Schumacher-Straße 41 seit April 2010. Vieles hat sich seitdem verändert, berichten Alisa Weidinger, die Leiterin des Kuss 41, und Mitarbeiter Pancho Küfer.

Nicht nur sei das Team gewachsen, auch das Angebot des Zentrums sei diverser geworden. Während es bei seiner Eröffnung im April 2010 noch ein schwul-lesbisches Jugendzentrum war, sei es heute explizit queer. Das bedeutet, dass es sich an alle Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen richtet.

Hier sei jeder im Alter zwischen 14 bis 27 Jahren willkommen – falls er Offenheit gegenüber anderen mitbringe, erzählt Joshua, ein weiterer Besucher des Kuss 41. Er ist 22 Jahre alt und Student, identifiziert sich als männlich und transident. Er findet es sehr gut, dass das Kuss 41 für Besuchende während der Corona-Zeit ein virtuelles Angebot bietet.

Corona-Konzept ausgearbeitet

Joshua besucht neben dem Trans-und-Inter-Treff häufig auch das offene Café. Dieses fand während der Schließung des Zentrums in Form eines Videochats statt. Für die Wiedereröffnung des Zentrums haben die Mitarbeitenden ein Corona-Konzept ausgearbeitet: Teilnehmende können sich vorab per E-Mail anmelden und werden auf zwei Zeitblöcke verteilt, bei denen jeweils sieben Personen teilnehmen können.

Außerhalb von Corona-Zeiten habe das Kuss 41 durchschnittlich 230 Besucher im Monat, erklärt die Leiterin. Die Online-Treffs würden gut angenommen, jedoch könne nicht dieselbe Zahl an Personen erreicht werden wie sonst. Menschen, die zu Hause keinen Zugang zum Internet hätten, kein Smartphone besäßen oder von den Eltern kontrolliert würden, hätten keine Möglichkeit, die digitalen Angebote zu nutzen. Queere Menschen seien während des Lockdowns besonders von Isolation bedroht.

Neben einem Gruppenraum mit Küche stehen den Besuchenden im Zentrum normalerweise ein Cafébereich, der derzeit geschlossen ist, und ein Ruheraum mit einer queeren Bibliothek zur Verfügung – jetzt unterliegt all das Einschränkungen. So gelten Maskenpflicht und Abstandsregeln. Die Daten der Besuchenden müssen vor Ort aufgenommen werden, die Anonymität sei laut Weidinger aber gewährleistet. Zudem bestehe weiterhin die Möglichkeit einer anonymen Kontaktaufnahme über das Telefon.

Das Kuss 41 ist offiziell anerkannte Beratungsstelle für Schutz vor Gewalt mit dem Schwerpunkt Prävention. Außerdem bieten die Sozialpädagoginnen und -pädagogen Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer, pädagogische Fachkräfte und Psychotherapeuten und -therapeutinnen an, die einen wachsenden Aufklärungsbedarf im Umgang mit queeren Jugendlichen und ihren Themen haben. Für die Zukunft des queeren Zentrums wünschen sich die Mitarbeitenden, dass es noch bunter wird und weiter daran mitwirkt, Diskriminierungserfahrungen zu reduzieren. Jetzt in der Krisenzeit, so betonen Weidinger und Küfer, wollen sie darauf aufmerksam machen, dass sie für alle ihre Besuchenden weiterhin da sind: eingeschränkt vor Ort im Zentrum und telefonisch oder per E-Mail.

Aktuelles aus dem Kuss 41 unter: www.kuss41.de, auf Facebook @Kuss41 und Instagram @queereszentrum_kuss41

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