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Queere Demo in Frankfurt : „Unser Mut ist stärker als deine Gewalt“

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Von: Kathrin Rosendorff

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Dragqueen Electra Pain wurde Anfang März von einer Gruppe Männer an der Konstablerwache attackiert.
Dragqueen Electra Pain wurde Anfang März von einer Gruppe Männer an der Konstablerwache attackiert. © Peter Jülich

100 Menschen demonstrieren am Montagabendgegen queerfeindliche Angriffe in FrankfurtDragqueens und die Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) wollen, dass die queer Community angstfrei durch die Stadt laufen kann.

Alleine traut sich die Frankfurter Dragqueen Electra Pain nachts nicht mehr an die Konstablerwache, sagt sie. Der Grund: Anfang März war sie, die im Alltag Daniel heißt, mit Reizgas attackiert worden. Aber an diesem Montagabend steht die 33-Jährige mit pinkem Outfit wieder hier. „Ich bin gekommen, um mich zu zeigen. Die Stimme zu erheben. Das Thema queerfeindliche Gewalt darf nicht totgeschwiegen werden“, sagt sie. Und sie ist nicht alleine. Um Sie herum stehen andere Dragqueens und Demonstrierende mit Regenbogenflaggen. Auf einem Schild steht: „Unser Mut ist stärker als deine Gewalt“.

Das Bündnis Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt hatte zu der Soli-Kundgebung gegen Gewalt an queeren Menschen aufgerufen. Unter dem Motto „Divers*City- CheersQueers* – Let’s march together for our Rights!“ auf“ begann die Kundgebung an der Konstablerwache. 100 Menschen waren, wie die Polizei mitteilt, gekommen. Der Angriff auf die Frankfurter Dragqueen Electra Pain sei kein Einzelfall, betonen mehrere Redner:innen. Zuletzt war am Sonntagmorgen eine Gruppe unweit der Konstablerwache aufgrund ihrer Sexualität angegriffen worden. Ein transphober Angriff auf der Zeil gegen eine 20-Jährige hatte im Herbst 2020 für große Empörung gesorgt.

Mehr Polizei gefordert

„Queere Menschen sollten sich in Frankfurt frei bewegen können, ohne Angst vor Anfeindungen oder Gewalt haben zu müssen“, sagt Electra Pain. Doch die Realität sehe anders aus, wie einige der Redner:innen betonen. Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) sagt: „Es gibt keinen Platz für queerfeindlichen Aktivismus in dieser Stadt“, ruft sie. Die Menge reagiert mit „Bravo“-Rufen. Der Angriff auf Electra Pain sei ein Angriff auf „uns alle“, sagt Eskandari-Grünberg. Es sei wichtig, dass die Zivilgesellschaft Engagement zeige: Man müsse homophobe Ideologien ganz früh, also bereits an Schulen und in den Familien, anfangen zu bekämpfen. Zudem spricht sie sich für mehr die Polizeipräsenz an der Konstablerwache und den Nebenstraßen aus, weil dort viele queere Bars seien. Sie wolle auch in ihrem Dezernat für Diversität, Antidiskriminierung und gesellschaftlicher Zusammenhalt“ nun eine eigene Stabstelle gegen Diskriminierung schaffen.

Demonstrant Tim (25) aus Mühlheim bestätigt, dass es wichtig sei, dass bereits in der Schule Thema sei, dass Queersein eben „eine Facette des Lebens ist“. Und es sei wichtig, dass eben die Gesellschaft, schon bei homophoben Kommentaren widerspreche, sagt er. „Denn auf verbale Attacke folgen körperliche Attacken.“

Dragqueen Jessica Walker sagt, dass sie, als sie vor 22 Jahren nach Frankfurt kam, hier mit der Community ungestört an der Konstablerwache nach dem Feiern „Pommes essen“ konnte. Diese Situation wünscht sich nicht nur sie zurück. „Können sich diese Leute keine Hobbys suchen? Wir wollen unser Bermuda-Dreieck zurück“, so Walker. Viel Applaus bekommt der Frankfurter Bundestagsabgeordnete Kaweh Mansoori (SPD) für seinen Satz: „Lass es glitzern, lasst es knallen“ Frankfurt- du gehörst uns allen.“

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