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Queere Community in Frankfurt: „Wir brauchen hier Polizei“

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Von: Kathrin Rosendorff, Timur Tinç

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Seit dem Angriff auf die Frankfurter Dragqueen Electra Pain gibt es immer mehr Menschen, die Oper von queerfeindlicher Gewalt werden.
Seit dem Angriff auf die Frankfurter Dragqueen Electra Pain gibt es immer mehr Menschen, die Opfer von queerfeindlicher Gewalt werden. © Christoph Boeckheler

Nach den zunehmenden queerfeindlichen Angriffen in der Frankfurter Innenstadt gibt es Forderungen von Betroffenen und aus der Politik. CDU-Fraktionsvorsitzender Nils Kößler tauscht sich wenige Tage vor dem CSD in Frankfurt mit Betroffenen aus, um Lösungen zu finden.

Die Frankfurter Dragqueen Electra Pain versteht einfach nicht, woher dieser „extreme Hass“ gegen die queere Community kommt. Von den sozialen Medien sei dieser auch auf der Straße gelandet. Seit einem Pfefferspray-Angriff im März auf sie an der Konstablerwache häufen sich die Angriffe auf die queere Szene in der Innenstadt.

Am Dienstag steht sie mit anderen Opfern unweit des Frankfurter Regenbogenkreisels in der Innenstadt, dort wo viele queere Bars sind, dort wo es vermehrt zu Übergriffen kam. Eingeladen hat der CDU-Fraktionsvorsitzende Nils Kößler, wenige Tage vor dem CSD in Frankfurt, um sich mit den Betroffenen auszutauschen, Lösungen zu finden. „Ich finde es ekelhaft, dass aufgrund der sexuellen Orientierung oder Identität, Menschen in Frankfurt nicht mehr sicher auf der Straße sein können. Niemand soll sich als Freiwild fühlen.“ Er kritisiert, dass die Frankfurter Koalition insbesondere Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) und Sicherheitsdezernentin Annette Rinn (FDP) außer Worte des Bedauern seit Monaten nicht agiert hätten. Die CDU hatte bereits im April einen eigenen Antrag in den Diversitätsausschuss eingebracht: „LSBTIQ-feindliche Angriffe verurteilen“, und den Magistrat so auch aufgefordert, dass die Polizei verstärkt unweit der Bars vor Ort ist.

Frankfurt: Politik diskutiert über mehr Polizei

Auch Electra Pain wünscht sich mehr Polizeipräsenz, mehr Kameras, besser beleuchtete Seitenstraßen. Das ist allgemein ein Wunsch der queeren Community an diesem Tag. Sie sagt, dass, wenn die Kameras an der Konstablerwache nicht nur in Richtung McDonald’s, sondern auch in die andere Richtung gerichtet gewesen wären, der Täter wohl gefasst worden wäre. Manuel Irlbeck wurde am 3. Juli unweit des Regenbogenkreisels der Kiefer gebrochen, nur weil er schwul ist. „Ich muss die nächsten sechs Wochen mein Essen durch den Strohhalm ziehen und ich halte es nur noch mit Schmerzmitteln aus.“ Das Sprechen fällt ihm schwer, aber er will nicht mehr still sein: „Wir brauchen hier Polizei.“ Es müsse sofort gehandelt werden. Am Abend veröffentlicht er auf Youtube einen Film, der den homophoben Angriff nachstellt. Als Irlbeck bewusstlos am Boden lag, trat der Angreifer seinen Kumpel, der vor Irlbeck kniete, um ihm zu helfen, gegen den Kopf. „Mein Kumpel braucht psychologische Betreuung.“ Die queere Community wolle jede Tat nun anzeigen. Michael Burkhardt (37) und sein Kumpel Simon Veeck (26), sind an der gleichen Stelle am vergangenen frühen Sonntagmorgen angegriffen worden. Burkhardt hatte den Arm um Veeck gelegt. Erst kam ein blöder Spruch, als Burkhardt den Angreifer ansprach, bekam er eine Backpfeife. „Ich hätte zurückschlagen können, aber das wollte ich nicht“, so Burkhardt. Veeck kritisiert die Polizei, als er diese anrief, habe der Beamte ihn angeschrien, statt beruhigend auf ihn einzugehen. „Ich war aufgelöst und lebe erst seit sechs Monate in Frankfurt und sagte ich sei am Regenbogenkreisel: ‚Wir brauchen Polizei.‘ Und der Polizist schrie nur: ‚Wir brauchen eine Straße.‘“

Die Römer-Koalition hat sich ebenfalls am Dienstag nach wochenlangen Beratungen auf einen ersten gemeinsamen Antrag verständigt und als Tischvorlage in den Haupt- und Finanzausschuss eingebracht. Unter dem Titel „Akzeptanz und Sichtbarkeit queerer Menschen erhöhen“, geht es unter anderem um die Intensivierung von Aufklärungs- und Präventionsarbeit in Schulen, Sportvereinen, aber auch gezielte Kampagnen. Eine explizite Forderung nach mehr Polizei oder mehr Kameras fehlt in dem Antrag von Grünen, SPD, FDP und Volt, die bei dem Thema vorsichtig sind. Dimitrios Bakakis, Fraktionsvorsitzender der Grünen, hat zum einen eine große Skepsis innerhalb der queeren Community gegenüber der Polizei in Gesprächen festgestellt. Zum anderen könne die Stadt der Landespolizei keine Vorgaben bei Gefahrenbeurteilungen machen.

Der Antrag sorgte am Dienstagabend für emotionale Debatten im Haupt- und Finanzausschuss, zu dem auch Manuel Irlbeck und Electra Pain gekommen waren. Die CDU forderte energisch mehr Polizei in dem Viertel an der Konstablerwache. Die CDU-Stadtverordnete Verena David sprach von einer „Feuerwehr-Aktionen“, die jetzt notwendig sei, bevor andere Ideen für das Quartier Wirkung zeigten.

Vertreter:innen der anderen Fraktionen widersprachen. Nötig sei ein Vorstoß auf Landesebene, sagte Emre Telyakar (Grüne). Manfred Zieran (Ökolinx) sagte: „Teile der Polizei sind Teil des Problems.“ m Stadtparlament soll der Antrag am Donnerstag diskutiert und beschlossen werden.

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