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Frankfurt

Queere Community: Drag Queens müssen nicht trans* sein

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Was bedeutet LGQTBI und wo trifft sich die Community in Frankfurt, wir klären Sie auf?

Die meisten haben von diesen Begriffen gehört, wissen aber oft nicht genau, was sie bedeuten. Was heißt LGQTBI überhaupt?

Die Abkürzung kommt aus dem Englischen und steht für: Lesbian, Gay, Queer, Trans*, Bisexual, Intersex (LSBTIQ: lesbisch, schwul, queer, trans*, intersexuell). Queer bedeutet übersetzt etwa alles, was von der Norm abweicht und gilt heute als geläufiger Sammelbegriff für sämtliche sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten, die nicht der Hetero- und Cis-Normativität entsprechen. Cis ist eine Person, deren Geschlechtsidentität übereinstimmt mit dem Geschlecht, das ihr bei der Geburt zugewiesen wurde

Und was versteht man unter Trans*?

Menschen, die sich nicht dem binären System zuordnen lassen. Dabei unterscheidet man etwa zwischen Transgender und -sexualität. Beide fühlen sich nicht dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht zugehörig. Transgender streben nicht unbedingt nach einer operative Geschlechtsangleichung. Transsexuelle nehmen sowohl operative als auch hormonelle Behandlungen in Anspruch, um das andere, gelebte Geschlecht soweit wie möglich annehmen zu können. Der Stern verweist auf die unendliche Fülle der Möglichkeiten, die sich gegen vereindeutigende Kategorien sperrt.

Sind Dragqueens und Transvestiten also transgender?

Nein, Dragqueens sind männliche Travestiekünstler, die sich kunstvoll als Frau verkleiden, Frauen sind Dragkings. Das bedeutet nicht, dass sich diese auch mit dem anderen Geschlecht identifizieren. Transvestiten tragen Kleidung des anderen Geschlechts. Das kann auch temporär sein. Sie müssen nicht homosexuell sein.

Kann man von einer Frankfurter Community sprechen?

Ja, finden die Experten, es gibt eine große Zahl an Organisationen, Netzwerken und Partnern. Und die Vielfalt ist groß. Manche seien integriert, gingen offen damit um, andere nicht. Manche organisierten sich in Gruppen, sei es in Sport- und Schwimmvereinen, Chören oder Geflüchteten-Initiativen, andere blieben für sich.

Wo trifft sich die Szene?

Bekannt ist die Gegend rum um den Klaus-Mann-Platz mit dem Regenbogen-Kreisel unweit der Konstablerwache, die auch Bermuda-Dreieck genannt wird. Dort gibt es einige Bars und Treffpunkte. Szenekenner sagen, dass die Zahl in den letzten Jahren oder Jahrzehnten stark zurückgegangen sei. Das könne daran liegen, dass Frankfurt offener geworden sei, aber auch, da sich Dating vermehrt ins Internet verlagert habe.

Gibt es viele Beratungsstellen?

Erwachsene, aber auch Jugendliche können sich an diverse Ansprechpartner wenden: Vom queeren Jugendzentrum KUSS41 über die Aidshilfe Frankfurt, der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) bis zur Lesben-Informations- & Beratungsstelle (LIBS). Mittlerweile gibt es auch viele Angebote für ältere Menschen. Gruppen organisieren außerdem Veranstaltungen; die größte und bekannteste ist wohl der Straßenumzug am Christopher Street Day (CSD).

Die meisten Stellen und Initiativen sind selbst organisiert mit vielen Ehrenamtlichen. Bietet die Stadt etwas an?

Seit fünf Jahren gibt es die LSBTIQ-Koordinierungsstelle Queer. Sie soll als Schnittstelle zwischen Verwaltung, Stadtbevölkerung, Politik und den Communitys wirken. Hauptanliegen ist es, Themen kleinerer Communitys sichtbar zu machen und offen über Diskriminierung, Ausgrenzung und Probleme zu sprechen.

Welche Hürden gibt es für die Community?

Etwa vor allem an die unsägliche Begutachtungspraxis, sagt Integrationsdezernentin Silvia Weber (SPD). Probleme für Regenbogeneltern und Paare, die heiraten wollen, für Personen, die ihre Personaldokumente ändern oder geflohen sind. Die LSBTIQ-Perspektiven müssten sichtbarer gemacht werden und es brauche handfeste Veränderungen in der Kommune, etwa bei Formularen, Ansprachen, Eheurkunden oder Sanitäranlagen.

Und was ändert die Corona-Krise?

Viele Kulturangebote fallen aus oder werden ins Netz verlagert. Das Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt überlegt etwa, einen digitalen Stammtisch anzubieten, sagt Mitglied Saskia Moldenhauer. Problematisch sei, wenn Beratungsangebote oder Safe Spaces wegfielen. Außerdem fehle die Präsenz in der Öffentlichkeit. Aktionen wie der CSD schafften Sichtbarkeit.

Zusammengestellt von Judith Köneke

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